Das Jugendzentrum Cross in Gronau ist eines von sechs Jugendzentren in Bergisch Gladbach. Foto: Thomas Merkenich

Steigende Personalkosten setzen die freien Träger seit Jahren finanziell unter Druck. Mit einem drängenden Appell wendet sich die Arbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendarbeit in Bergisch Gladbach nun an die Politik, damit die Angebote der Jugendzentren und der Kreativitätsschule auch künftig finanziert werden können.

Die freien Träger der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) in Bergisch Gladbach wenden sich mit einem eindringlichen Appell an die politischen Vertreter der Fraktionen: Sie sehen die Zukunft ihrer Angebote als „massiv gefährdet“ – mehr noch: „Ohne eine verlässliche Finanzierung ab dem 01.01.2026 steht die offene Kinder- und Jugendarbeit in Bergisch Gladbach vor dem möglichen Aus“, heißt es in dem Schreiben, das dem Bürgerportal vorliegt.

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Konkret geht es um die Finanzierung der sechs Jugendzentren (Cross, Q1, Café Leichtsinn, Krea-Jugendclub, Fresch, Ufo) und der Kreativitätsschule – und einen entsprechenden Beschlussvorschlag, den die Stadtverwaltung für den kommenden Jugendhilfeausschuss eingebracht hat. Aus Sicht der freien Träger sichert dieser „keine auskömmliche Finanzierung und ignoriert die realen Bedarfe und Kosten, die mit unserer Arbeit verbunden sind“.

Intensive Verhandlungen mit der Stadt

Die Träger äußern in dem Schreiben ihre Bestürzung darüber, dass der nun vorgelegte Vorschlag deutlich von dem abweiche, den die Stadt im Februar den Trägern unterbreitet habe. Zuvor hatte es bereits seit Dezember 2024 Verhandlungen und „intensive Gespräche“ zwischen Trägern und Stadt gegeben, um eine verlässliche und auskömmliche finanzielle Grundlage für die offene Kinder- und Jugendarbeit in Jahren 2026 bis 2030 zu schaffen.

Dazu muss man wissen: Die aktuellen Verträge zur Finanzierung zwischen Stadt und Trägern laufen Ende des Jahres aus. Die Finanzierung wurde im Kinder- und Jugendförderplan (KJFP) der Stadt für die Jahre 2021 bis 2025 festgelegt. Die offene Kinder- und Jugendarbeit, zu denen die Jugendzentren zählen, ist eine „pflichtige Selbstverwaltungsaufgabe“ der Kommune. 

Heißt: Die Kommune ist verpflichtet, diese Angebote vorzuhalten, entscheidet aber selbst über die finanzielle Ausgestaltung. Oder, wie es die Träger in ihrem Schreiben formulieren, handele es sich um „eine gesetzlich verankerte Leistung mit Ermessensspielraum“.

Träger wünschen sich Planungssicherheit

Die nun eingebrachte Beschlussvorlage sieht statt einer Planung bis einschließlich 2030 lediglich eine Verlängerung des bisherigen Kinder- und Jugendförderplans für ein „Übergangsjahr“ 2026 vor. Eine Fortschreibung und „umfassende Überarbeitung“ ist laut Vorlage für 2027 geplant, über die dann der neu gewählte Rat entscheiden muss.

„Wir brauchen Planungssicherheit, aber die ist mit einem Jahr nicht gegeben, wenn wir nicht wissen, wie es danach weitergeht“, kritisiert Manuela Muth, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendarbeit in Bergisch Gladbach.

Manuela Muth. Foto: Thomas Merkenich

Die Personalkosten seien durch Tariferhöhungen in den vergangenen Jahren „explodiert“ und viele Träger hätten Defizite in Kauf genommen, um die Angebote für Kinder und Jugendliche aufrechtzuerhalten. „Das können wir uns nicht mehr leisten“, sagt Muth.

„Wir haben großes Interesse daran, die offene Kinder- und Jugendarbeit in der bisherigen Qualität fortzuführen. Allerdings sind wir davon ausgegangen, dass wir ab 2026 auskömmlich finanziert würden“, erklärt die Sprecherin, die bei der Katholischen Jugendagentur den Fachbereich Offene Kinder- und Jugendarbeit verantwortet. „Fairerweise muss man sagen, dass für das kommende Jahr mehr Geld vorgesehen ist als derzeit. Aber das reicht nicht aus.“

Gegenantrag im Jugendhilfeausschuss geplant

In der Vorlage ist von Mehrkosten in Höhe von rund 143.000 Euro die Rede, die mit gestiegenen Personal- und Betriebskosten begründet werden. „Für jede einzelne Einrichtung bleibt da nicht viel übrig“, so Muth. Der Vorschlag, den die Stadt den freien Trägern im Februar unterbreitet hatte und den alle als „tragfähig und akzeptabel“ bewertet hatten, hätte Muth zufolge 240.000 Euro mehr pro Jahr vorgesehen.

Dazu heißt es in der Vorlage, das sei „im Hinblick auf die aktuell schlechte Haushaltslage nicht realisierbar“. Die freien Träger geben nicht auf und wenden sich in ihrem Schreiben „mit größter Sorge und Nachdruck“ an die politischen Vertreter. „Es geht nicht um Luxus, (…) Es geht um Orte der Bildung, Demokratieförderung, Unterstützung und Teilhabe für Kinder und Jugendliche.“ 

Die Träger kündigen an, in der kommenden Sitzung des Jugendhilfeausschusses als Gegenantrag zum Vorschlag der Verwaltung den zuerst vereinbarten Vorschlag einzubringen und darüber abstimmen zu lassen. Ihr Schreiben endet mit einem Appell: „Sorgen Sie dafür, dass die offene Kinder- und Jugendarbeit in Bergisch Gladbach auch über 2025 hinaus eine Zukunft hat.“

Dokumentation

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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