Bislang ist Bergisch Gladbach nur durch ein einziges Gleis an das Schienennetz angebunden. Ein zweites Gleis soll einen 10-Minuten-Takt ermöglichen. Foto: Redaktion

Seit 15 Jahren hofft Bergisch Gladbach auf ein zweites Gleis für die S 11, doch bislang wollte keiner der Verantwortlichen ein Datum für den Baustart oder gar die Fertigstellung nennen. Jetzt hat der Beigeordnete Ragnar Migenda indirekt einen Zeitplan erkennen lassen. Für den Bau muss Bergisch Gladbach allerdings für bis zu anderthalb Jahre auf die S-Bahn verzichten.

Nach einigen mehrmonatigen Sperrungen der S 11-Strecke zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Mülheim plant die Deutsche Bahn für die Zeit vom vierten Quartal 2030 bis zum ersten Quartal 2032 eine Stilllegung der S-Bahn. Das teilte der erste Beigeordnete der Stadt Bergisch Gladbach, Ragnar Migenda, am Dienstag im Ausschuss für Mobilität und Verkehr mit.

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Eine komplette Sperrung für bis zu anderthalb Jahre, haben sie das richtig verstanden, fragten die überraschten Ausschussmitglieder nach. Ja, das sei korrekt, bestätigte Migenda.

Sperrzeiten der S 11 im Überblick: 

  • 10.4. bis 3.7.2026 wegen weiterer Brückenbauarbeiten und der Generalsanierung des Hochleistungsnetzes Köln-Wuppertal-Hagen
  • 9.7. bis 15.10.2027 wegen weiterer Bauarbeiten der Bahn, u.a. Neubau der Verkehrsstationen Köln-Holweide und Köln-Dellbrück
  • 10.12.2027 bis 7.1.2028
  • Februar bis März 2029
  • November 2029
  • 4. Quartal 2030 bis 1. Quartal 2032 (voraussichtlich)

Quellen: Go.rheinland, Stadt Bergisch Gladbach. Alle Angaben sind vorläufig, die Entscheidungen liegen bei der Bahn (DB Regio und DB InfraGO)

Die Streckensperrungen in diesem Frühjahr und in den Folgejahren dienen zunächst der Umstellung auf ein digitales Stellwerk und den Brückenbauarbeiten. Die lange Sperrung über sechs Quartale hinweg im nächsten Jahrzehnt kann aber nur eins bedeuten: Von Herbst 2030 bis Frühjahr 2032 soll das zweite Gleis zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Dellbrück nun endlich gebaut werden.

Eine explizite Bestätigung gab Migenda auch auf Nachfrage des Bürgerportals dazu nicht ab. Das ist aber auch klar, alle Entscheidungen und auch die Kommunikationshoheit liegen bei der Bahn-Tochter DB InfraGo.

Migenda sagte jedoch noch im Ausschuss, dass es sich bei den Zeitangaben um einen „ersten groben Wurf“ handele, die sicher noch einmal nachjustiert würden. Wann das Projekt dann tatsächlich fertig wird und die S-Bahn wieder rollt, ist demnach offen.

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S 11 gesperrt – das sind die Alternativen

Zehn Tage lang fährt keine S-Bahn. Nicht nur für die Pendler:innen, sondern auch für Bahn und Verkehrsbetriebe sind diese Tage ein Testlauf für die sehr viel längeren Sperrungen der S 11 in den kommenden Jahren. Wir listen auf, welche anderen Optionen es auf dem Weg nach Köln gibt – mit Bus, Auto oder Rad. (Erweiterte und korrigierte Fassung.)

Bislang war die Politik in Bergisch Gladbach davon ausgegangen, dass die S 11 in der Bauphase für etwa ein Jahr stillgelegt und die Verbindung nach Köln durch einen Schienenersatzverkehr aufrecht gehalten werden soll. Eine Bauzeit von (voraussichtlich) bis zu 18 Monaten erhöht die Belastung für Pendler:innen noch einmal erheblich.

Neben dem zweiten Gleis soll auch der Bahnhof in Bergisch Gladbach um weitere Bahnsteige erweitert werden, damit ein zuverlässiger 10-Minuten-Takt möglich wird. Ein Projekt, dass von Bergisch Gladbacher Pendler:innen seit inzwischen 15 Jahren herbeigesehnt wird.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. So viel negatives- es geht nur für die gut trainierten mit dem Rad nach Köln.
    Die Städte Bergisch Gladbach und Köln sollte nun auf Dezernentenebene und Bürgermeisterebene für einen SEV, der seinen Namen verdient arbeiten. Ansonsten sehe ich das Blaue Wunder und alle fahren individuell- Gute Nacht

    1. Na ja, man macht das eine Weile und plant am Anfang mehr Zeit ein, dann ist man irgendwann trainiert

  2. Ein zweigleisiger Ausbau nach Bergisch Gladbach macht nur Sinn, wenn tatsächlich in einem 10 Minuten Takt gefahren wird. Durch andauerndes Wenden bereits in Köln-Mülheim und Dellbrück wegen sehr hoher Verspätungen macht der zweigleisige Ausbau keinen Sinn. Um das zu ändern muss der Linienweg der S 11 drastisch verkürzt werden. Köln Hauptbahnhof bis Bergisch Gladbach ist vollkommen ausreichend für die S 11. Dann wäre auch ein zuverlässiger Betrieb möglich.

    1. Dass oft in Dellbrück gewendet wird, ist eine Folge der Eingleisigkeit. Auf einer zweigleisigen Strecke kann eine Bahn von Gladbach abfahren, auch wenn der verspätete Zug in Gegenrichtung noch unterwegs ist.
      Nach aktueller Planung sollen die zusätzlichen Linien tatsächlich eine kürzere Strecke fahren, z.B. ab Worringen. Ein Einsetzen am Hauptbahnhof bietet sich nicht wirklich an.

      1. Das klingt grundsätzlich schön, bringt aber wenig, wenn die verspätete S11 ab Köln-Deutz nicht mehr überholt werden kann und die dahinter fahrenden Züge damit ebenfalls Verspätung sammeln.

      2. Zumindest können die Bahnen dann pünktlich in GL abfahren. Dass auf dem Weg nach Deutz Verspätungen eingefahren werden, ist m.W. eher selten.

  3. Kann man sich alles gar nicht ausdenken. Und die Stadt wird wie immer sagen, man könne nichts tun. Die mehrmonatigen Sperren sind in dieser Anzahl schon grenzwertig. Man könnte ja generell auch Maßnahmen bündeln, bedeutet halt mehr Arbeit für Infra Go. Vieles ist möglich, wenn man dort mit den betreffenden Personen spricht, aber die Stadt überlässt dies ja offenbar gerne Go.Rheinland, wo nicht im geringsten ein Verhältnis für die Fahrgäste vorhanden ist.

    Anyway, anderthalb Jahre für vier Kilometer Gleis ist einfach absolut lost. Da braucht man vermutlich gar nicht erst bauen, weil nach so langer Zeit soviele Fahrgäste abgewandert sind, dass vielleicht ein Kleinbus zwei Mal am Tag ausreicht.

    Erst die Lüge mit der Sperre dieses Jahr von April – Juli (hat nur bedingt mit Brückenbauarbeiten zu tun und auch nur teilweise mit dem Stellwerkneubau, aber es ist eben wichtiger, dass Züge nach Leverkusen fahren…), dann werden aus bisher einem Jahr Totalsperre nun anderthalb – für Arbeiten, die zu erheblichen Teilen im laufenden, ggf. reduzierten Betrieb möglich wären, wenn man es denn wollte. Aber so lange man findet, es reiche bei solchen Baustellen aus, nur tagsüber zu arbeiten und immer die einfachste Option (=Strecke komplett sperren) zu wählen, wird sich nichts ändern. Und so lange sich eine Stadt nicht wirklich für die Bürger einsetzt, sowieso nicht.

    Das ist einfach ein absolutes Armutszeugnis und an Unprofessionalität kaum zu überbieten.

    Kriegen wir wenigstens Direktbusse nach Köln? Natürlich nicht, die bezahlt Infra Go nicht, weil kein Fernverkehr und somit auf Länderebene geregelt, also nur das Mindestangebot wie üblich, bei dem man zu Fuss beinahe schneller ist.

    1. Die Dauer der Massnahmen bewirkt, dass niemand Verantwortung übernimmt oder übernehmen wird, die Zeiträume überschreiten Wahl- und Berufsperioden. Es sind auch nicht die hellsten Kerzen auf der Torte, die sich mit dem Thema beschäftigen, bei der Bahn oder der Stadt. Niemand merkt, dass in dem Zeitraum woanders ganz andere Projekte verwirklicht wurden. Das verflixte Internet und die Computer. Aber was soll’s, GL ist eine Rentnerstadt und wird es auch bleiben, siehe Quirls und Jugendzentrum. Zum Arzt und Friedhof kommt man an auch ohne S11.

      1. Was wirklich traurig ist, denn Gladbach könnte ein Traum für Berufstätige sein. Leben im Grünen, am Tor zum Bergischen Land. Pendeln könnte man bequem nach Köln – wenn man denn einen zuverlässigen ÖPNV hätte. Oder man macht Homeoffice – wenn es hier Glasfaser gäbe, bevor DSL ab 2030 als Technologie eingestellt wird.

        Stattdessen: Ab 2030 erst mal keine S11 mehr, und auch bei Glasfaser scheint das einzige Konzept der Stadt die Hoffnung zu sein, dass bis dahin ein Wunder geschieht. Es ist zum verzweifeln.

      2. Schon alleine die Überlegung eine Stadt von deiser Größe so lange ÖPNV-technisch einzuschränken, zeigt einfach wirklich nicht von viel Verständnis. Ich habe bezüglich der Sperre ab April mehrere Stellen angeschrieben, auch die Stadt.

        Man erklärt zwar überall wie man angeblich versuche die Auswirkungen gering zu halten. Aber entweder ist kein Geld da, Bauarbeiten sind umständlich oder einfach generell nicht zu vermeiden.

        Stimmt ja alles, aber trotzdem hat man nichtmal ein Interesse mit den vorhandenen Mitteln einen sinnvollen SEV aufzuziehen. Das wäre möglich. Ohne Mehrkosten. Interessiert nur niemanden. Stur das Minimalangebit abdecken, ganz egal ob der Bus leer fährt. Ich bin bei der Sperre im Dezember mehrmals mit dem SEV gefahren, um zu sehen wie gut die Auslastung ist. Mitten im Berufsverkehr waren es in keinem der vier Fälle zweistellige Fahrgastzahlen mit Ziel Bergisch Gladbach.

        Die Bauarbeiten sind nötig, das zweite Gleis auch, keine Frage. Aber Infra Go wird immer erst den einfachen Weg wählen. Die Menschen dort haben, so mein Eindruck aus mehreren direkten Kontakten in der Vergangenheit, schlicht keine Ahnung vom Betrieb. Denen muss man genau dies auch direkt ins Gesicht sagen. Es ist erstaunlich, was dann plötzlich alles möglich ist.

        Im konkreten Fall: Es braucht mindestens 8 Busse, um das geplante Konzept zu fahren. Mit 4 Bussen würde sich ein Halbstundentakt nach Mülheim realisieren lassen, mit den anderen 4 als Direktfahrt nach Köln Deutz. Kostet keinen zusätzlich Cent, schafft dafür bessere Anbindungen. Interessiert aber niemanden, auch nicht bei der Stadt. Einfach nur traurig.

  4. “Von Herbst 2030 bis Frühjahr 2032 soll das zweite Gleis zwischen Bergisch Gladbach und Duckterath nun endlich gebaut werden.”

    Ich hoffe, das ist nur falsch zitiert worden und das zweite Gleis wird zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Dellbrück gebaut. Sonst wäre zwischen Dellbrück und Duckterath immer noch ein Flaschenhals, der für Verspätung sorgt.

      1. Gerne. Man muss ja leider sagen, dass man der Bahn mittlerweile alles zutrauen würde. ;-)

  5. Leider ist Deutschland nicht mehr in der Lage, seine einst hervorragende Infrastruktur vollumfänglich aufrecht zu erhalten. Es fehlt am Geld, dem rechtlichen Rahmen und dem politischen Willen.

    Wir sollten uns daher auf absolut unentbehrliche Anlagen und Verkehrswege konzentrieren und alles andere dem Verfall preisgeben.

    Daher: Keine weiteren Illusionen – S11 einstellen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

    (Wer Ironie findet, kann sie gerne behalten. Ich finde die Neuigkeiten aus dem BGL-Verkehrssektor einfach unfassbar)

  6. Wie passt die Reduktion der Verbindungen für die Linie 1 nach Köln (hierüber wurde vor einigen Tagen berichtet) oder die Abschaffung der Linie 18 bis nach Thielenbruch zu der mehrmonatigen Sperrung der S11? Sollte man nicht im Gegenteil dafür sorgen, dass die Anbindung von Bergisch Gladbach an Köln wenigstens über die Straßenbahnen noch möglich ist? Müssen wir uns jetzt darauf einstellen, dass wir doch alle wieder auf das Auto umsteigen? Schon jetzt ist keine verlässliche Anbindung über die S11 mehr möglich. Bergisch Gladbach wird sukzessive von der Außenwelt abgeschnitten!

    1. Nicht von der Außenwelt, aber von dem ÖPNV auf jeden Fall. Ich habe mir jetzt ein Auto zugelegt. Vorher hatte ich für Notfälle einen 50 ccm Roller. Leider wurden die Notfälle die Regel, sodass ich Pendeln nach Köln nicht mehr hinnehmen wollte. Entweder man kam hier nicht weg, oder man kam aus Köln nicht mehr raus. Das hat vor 5,6 Jahren noch anständig funktioniert. Klar, auch da ist mal etwas ausgefallen, ist normal. Aber da konnte man regelmässig ohne Probleme pendeln.

      Was die 18 angeht, ja, das ist auch ne ganze miese Geschichte. Arbeite in der Nähe vom Barbarossaplatz und tja… Werde aber wohl Thielenbruch oder in Bensberg P+R nutzen müssen, wenn hier bald die S11 dicht ist…

      1. Ich bin als kleines Kind nach Gladbach gekommen, bin hier aufgewachsen, habe hier meine Ausbildung gemacht, hier geheiratet, habe hier meine Wurzeln, habe mich eigentlich immer wohl gefühlt. Aber von meiner Seite sind (man verzeihe mir das Wortspiel) die Weichen nun gestellt: Nächstes Jahr geht’s nach Köln. Ich werde dieser Stadt, die immer mehr den Anschluss verliert und tatenlos dabei zuschaut, den Rücken kehren.

    1. Zum Vergleich, Riedbahn Generalsanierung: Dauer der Vollsperrung: 5 Monate (15. Juli bis 14. Dezember 2024)
      Länge der Strecke: 70 Kilometer.
      Umfang: Es wurden 111 Kilometer Gleise, 152 Weichen und fast 400 Oberleitungsmasten erneuert sowie 20 Stationen modernisiert.
      Das Teilstück der S11 sind etwa 4 km.

      1. Das illustriert die Prioritäten der Deutschen Bahn. Die Strecke nach Bergisch Gladbach bringt im Vergleich die sprichwörtlichen Peanuts, dafür unternimmt man sicher keine Klimmzüge.

  7. Prinzipiell finde ich es richtig: Kurzfristig, naja, sagen wir lieber mittelfristig Schmerzen in Kauf zu nehmen, um dann langfristig viel besser dran zu sein als vorher. Das 2. Gleis ermöglicht ja nicht nur den 10-Minuten-Takt. Es verhindert vor allem den 40-Minuten-Takt, den wir jetzt de facto oft haben, wenn so ungefähr jede zweite S11 in den Stoßzeiten ausfällt bzw. nur von/bis Dellbrück fährt.

    Aber ich habe gestern Abend gespürt, was das bedeutet. Zurzeit fährt nämlich nach 21:50 Uhr ab Köln Hbf keine S11 mehr. Stattdessen gibt es einen Bus, der eine Stunde braucht. Weil meine S-Bahn von Köln-Ehrenfeld zum Hbf Verspätung hatte, habe ich die letzte S11 verpasst – und deshalb geschlagene 2 Stunden von Ehrenfeld nach Rommerscheid gebraucht, Tür zu Tür.

    Das für 1,5 Jahre? Das wird lustig.

    1. Warum 1,5 Jahre? Die Leistung der S11 ist ja seit geraumer Zeit unterirdisch und es bleibt so bis frühestens 2032,. Das sind 6-7 Jahre, genug für einen ausgiebigen Büroschlaf bei der Bahn, Stadt, Kreis und Land, sowie reichlich Personalwechsel. Sowas nennt man Systemversagen.

    2. Das zweite Gleis wird keinen zuverlässigen 10-Minuten-Takt bringen, solange das grundlegende Problem der S11 nicht gelöst wird. Wenn der Zug wegen Verspätung schon in Köln-Dellbück oder Köln-Mülheim wenden muss, fährt er auch über das zweite Gleis nicht nach Bergisch Gladbach ein.

      Mich persönlich würde es nicht mehr wundern, wenn hier von Seiten der Bahn nur weitere Sargnägel in die S11 geschlagen werden und die Strecke nach Bergisch Gladbach dann ab 2031 schlicht ganz eingestellt wird, weil bis dahin sowieso jeder mit dem Auto nach Köln fährt.

  8. Sollten wir nicht direkt eine Glaskuppel um die Stadt bauen? Dann wäre man noch besser von der Außenwelt abgeschirmt. Das kann ja was werden -.-