In Köln fährt die S-Bahn nach Bergisch Gladbach mit gut acht Minuten Verspätung ab, an diesem Mittwoch (7. Dezember) geht es nicht um 17.27 Uhr sondern erst gegen 17.35 Uhr los.

Gestrandete Pendler in Holweide.

Es ist wieder einer dieser altertümlichen Lok-bespannte Züge (mit sogenannten x-Wagen), die seit einigen Monaten wieder auf der S 11 eingesetzt werden. Wirklich pünktlich habe ich noch keinen dieser Schienen-Oldies erlebt, die moderne Baureihe 423 ist deutlich zuverlässiger.

Langsam zockelt die Bahn nach Köln-Mülheim, ist in Holweide fast eine Viertelstunde zu spät. Die folgende Ansage überrascht die S11-Stammgäste kaum noch: „Wegen der hohen Verspätung endet dieser Zug in Köln-Dellbrück“. Viele kennen das Spiel, steigen schnell noch in Holweide aus, um sich den umständlichen Gleiswechsel in Dellbrück zu ersparen.

Wie die Bahn ihre Kunden im Regen stehen lässt

Eigentlich fahren die S-Bahnen um diese Zeit im 20-Minuten-Takt. Was die Deutsche Bahn verschweigt, ist über pda.vrr.de auf dem Internet-Handy schnell zu erfahren: Auch die nachfolgende S-Bahn ist um einige Minuten verspätet. Hunderte Pendler werden wieder einmal gut 25 Minuten zu spät in Bergisch Gladbach eintreffen und so manchen Anschlussbus verpassen.

Theoretisch hätten die vielen Menschen ab Dellbrück auch auf Kosten der Bahn ein Taxi nehmen können. Doch die VRS-Mobilitätsgarantie ist hier ein zahnloser Tiger: einmal, weil die Verspätung der folgenden Bahn ja nur Eingeweihten bekannt ist und man zweitens mit dem Taxi ja auch kaum schneller wäre. Also wie alle anderen: Handy zücken und warten.

Wie die Bahn mit der offiziellen Pünktlichkeit trickst

Das Kalkül der Bahn scheint einfach. Wendet ein verspäteter Zug in Dellbrück, verstopft er nicht das Gleis für nachfolgende Züge und ist selbst auch wieder im Takt. Auf die Bewertung der Linie in den Qualitätsberichten dürfte sich das positiv auswirken. Im „Qualitätsbericht SPNV NRW 2009“ wird beispielsweise „eine gewichtete Pünktlichkeitsbetrachtung über den gesamten Linienverlauf vorgenommen“ und dabei schneidet die S 11 mit einer Verspätungsquote von acht Prozent  im Vergleich nicht einmal sonderlich schlecht ab. Möglicherweise fällt es gar nicht so ins Gewicht, wenn die Bahn an zwei Haltestellen (Duckterath und Bergisch Gladbach) ausfällt an den 39 anderen dafür aber pünktlich ist.

Egal, was dahintersteckt: Das Wenden der S-Bahn in Dellbrück verbessert die Pünktlichkeit der Linie auf Kosten der Pendler aus Bergisch Gladbach. Sie haben das Nachsehen. Bis zur nächsten Bahn geht es weder hin noch weg.

Die wahre Ursache des ganzen Übels

Grund ist die eingleisige Strecke zwischen Dellbrück und der Endstation, dem S-Bahnhof in Bergisch Gladbach. Eine wirkliche Lösung scheint allein der Bau eines zweiten Gleises zu sein. Doch ob und wann es kommt, dazu gibt es höchst widersprüchliche Signale.

Bergisch Gladbachs ehemaliger Bürgermeister Klaus Orth hatte auf einer Regionale-Veranstaltung 2009 den baldigen Baubeginn in Aussicht gestellt. Auch die Antwort von SPD-Verkehrsminister Harry Voigtsberger auf eine Kleine Anfrage im Landtag könnte einen hoffnungsvoll stimmen.

Fragesteller Holger Müller (CDU) triumphierte in einer Pressemitteilung: „Zweites S-Bahn-Gleis für Bergisch Gladbach soll bis 2013/2014 realisiert werden“. Auch im Hauptausschuss des Nahverkehr Rheinland (Vorlage 2-09-11-2.6, Sachstand S Bahn-Linie S 11) war von einem möglichen Streckenausbau zwischen 2013 und 2019 die Rede, mit dem wichtigen Nachsatz: „soweit die Planungs- und Fördervoraussetzungen erfüllt sind.“

Die Zweifel bleiben: (Wann) kommt das 2. Gleis?

Daran gibt es aber massive Zweifel. Es wird berichtet  von aufwändigen Planfeststellungsverfahren, die für die Querung des Thielenbruchs und die Beseitigung des Bahnübergangs Tannenbergstraße nötig, aber noch längst nicht eingeleitet seien.

Skeptisch kann einen auch machen, dass der Ausbau der S 11 im neuen „Maßnahmenkatalog zur Beseitigung infrastruktureller Engpässe für die nächsten fünf Jahre“ des SPNV Beirates NRW nicht auftaucht.

Das alles ist für Bergisch Gladbach sehr ärgerlich. Die S-Bahn ist nämlich – alle Diskussionen um einen Autobahnzubringer zum Trotz – die wahre Lebensader der Stadt.

Auch kleine Schritte können große Verbesserungen bringen

Umso wichtiger ist, dass sofort etwas getan wird. Beispielsweise

  • könnten wieder konsequent moderne Elektrotriebzüge der Baureihe 423 eingesetzt werden.
  • Ein zweiter Triebfahrzeugführer würde die Wendezeiten in Bergisch Gladbach verkürzen.
  • Ein Reservezug Dellbrück könnte die Takttreue erhöhen, wenn eine verspätete Bahn nach Gladbach durchfährt, sobald der eingleisige Abschnitt wieder frei ist.
  • Und wenn das Wenden in Dellbrück wirklich unvermeidlich ist, sollten die Fahrgäste über etwaige Verspätungen nachfolgender Züge rechtzeitig und ehrlich informiert werden. So dass sie, falls nötig, die vollmundige „Mobilitätsgarantie“ auch tatsächlich nutzen können.

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3 Kommentare

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  1. Nachtrag und Korrektur zu meiner vorangegangenen Anregung.Die MRB 26(Mittelrheinbahn) besteht ja bekanntlich in der Regel aus 2 Zugteilen,der hintere wird in Remagen abgekoppelt und der vordere fährt bis Mainz HBF.Ich fände es gut,wenn die Verantwortlichen sich darüber mal Gedanken machen würden ob die sonst in Köln Messe Deutz endende Zugverbindung bis Bergisch Gladbach verlängert werden könnte.Die MRB hält ja u.a in Köln,Bonn und Koblenz.Für Berufspendler aber auch für Ausflügler wäre das für die Stadt Bergisch Gladbach und Umgebung ein tolles zusätzliches Angebot.

  2. Kann man vielleicht nach dem 2 gleisigem Ausbau darüber nachdenken,ob man zusätzlich 1 mal pro Stunde eine RE oder die Mittelrheinbahn,die sowieso schon in Köln Messe Deutz endet bis Bergisch Gladbach fahren lassen ? Diese fährt ja bekanntlich bis Koblenz ! Wäre eine Supersache !!

  3. Schade, dass sich auch 3 Jahre nach dem Artikel nicht besonders viel verbessert hat.
    Der Bahnhof und Busbahnhof sieht mittlerweile moderner aus. Es gibt mittlerweile eine digitale Anzeige (Uhrzeit und Kurzinfo wird angezeigt, nächster Zug entfällt nie gelesen!) Duckterath ist auf dem Zugang “angestrichen” worden.
    Den Leuten ist leider immer noch nicht die Mobilitätsgarantie (20 min) bekannt, eine Webseite mit wirklichen Verspätungen, die GL betrifft wäre schön. Als Gegenargument für die Bahnstatistik.
    Und der Zubringer kommt im Gegensatz zum 2. Bahngleis / 10 min Takt jedes Jahr. In Köln sind ja auch auf dem Gleis Engpässe. Vielleicht doch Kalkül?