Dieses baufällige Gebäude an der Hauptstraße 328 könnte nach den Vorstellungen der Verwaltung ein Neubau für ein Jugendquartier entstehen. Foto: Thomas Merkenich

Im Jugendhilfeausschuss präsentiert die Verwaltung einen neuen Plan für die Zukunft des sanierungsbedürftigen Q1-Gebäudes. Er sieht neben einer Minimal-Reparatur des Altbaus einen deutlich kleineren Neubau in der Innenstadt vor. Die Pfadfinder, die neben dem Kindergartenmuseum dort einziehen sollen, sprechen sich gegen den Vorschlag aus. Was aus dem Jugendzentrum selbst wird, bleibt offen.

Das marode Q1-Gebäude könnte kurzfristig und verhältnismäßig kostengünstig so instandgesetzt werden, dass es weiterhin genutzt werden kann – zumindest vorübergehend. Pfadfinder und Kindergartenmuseum könnten in rund zwei Jahren in einen Neubau ziehen, der in der Nähe des bisherigen Standorts entstehen soll. So sieht es der Vorschlag der Stadtverwaltung unter dem Titel „Szenarien zur Fortführung des Q1“ für die Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Dienstag (10. März) vor. 

250.000 Euro veranschlagt die Verwaltung für die notwendigsten Reparaturen und Maßnahmen im Bestandsgebäude am Quirlsberg. Mit minimalem Aufwand sollen die aktuellen brand- und baurechtlichen Mindestanforderungen erfüllt werden – im Klartext: nur das, was aus Sicherheitsgründen unbedingt nötig ist (dazu gehören etwa die Instandsetzung der Elektrik, Brandschutztüren und Fluchtwegsbeleuchtung).

Fertigstellung Ende der Sommerferien

Nach diesen Plänen gäbe es keine umfangreichen baulichen Eingriffe in das Gebäude, die mit dem Bestandsschutz kollidieren würden. Die Arbeiten könnten bis zum Ende der Sommerferien 2026 erfolgen, so die Vorlage der Stadt.

Allerdings müssten einige Punkte bei der Nutzung angepasst werden: Es dürfen auch künftig keine Übernachtungen mehr im Gebäude stattfinden, außerdem dürfen maximal 200 Personen den großen Saal gleichzeitig besuchen.

Foto: Thomas Merkenich

Die Verwaltung betont, dass im Falle eines längerfristigen Betriebs größere Sanierungsarbeiten anfallen – und damit auch deutlich höhere Kosten. Eine umfassende Generalsanierung würde rund neun Millionen Euro kosten, hatte die Verwaltung bereits im November berechnet.

Mehr zum Thema

Stadt schiebt Entscheidung über Schicksal des Q1 auf

Nach wie vor gibt es keine Klarheit, ob und wie das Gebäude des Jugendzentrums Q1 und der dort untergebrachten Pfadfinder gerettet werden kann. Nach einer Ortsbegehung und vielen Gesprächen sieht die Stadtverwaltung zwei Optionen: eine sehr teure Generalsanierung oder eine teure Übergangslösung. Im März soll der Stadtrat entscheiden, noch bis Oktober hält die evangelische Kirche den Status Quo aufrecht.

Als dauerhafte Lösung schlägt die Verwaltung nun einen Neubau für ein „Jugendquartier“  auf einem städtischen Grundstück in der Innenstadt (Hauptstraße 328) vor. Das baufällige Haus, das dort bisher steht, würde abgerissen. Auf dem Grundstück würde ein 250 Quadratmeter großes Gebäude in Modulbauweise errichtet. Dafür plant die Verwaltung laut ersten Planungen einen Zeitraum von rund zwei Jahren und Gesamtkosten in Höhe von 2,5 Millionen Euro ein.

Pfadfinder lehnen Neubau-Vorschlag ab

Der Pfadfinderstamm Folke Bernadotte und das Kindergartenmuseum könnten nach den Plänen der Verwaltung in das zweigeschossige, barrierefreie Gebäude ziehen. Außerdem könnten es nach Vorstellung der Stadt weitere Jugendverbände nutzen. 

Der Pfadfinderstamm Folke Bernadotte lehnt den Neubau-Vorschlag der Verwaltung jedoch ab. Er schlägt in einer Stellungnahme stattdessen vor, die dafür geplanten 2,5 Millionen Euro für zukünftige Sanierungsarbeiten am bestehenden Gebäudes zu nutzen. (Die Stellungnahme der Pfadfinder finden Sie ganz unten.)

Unter anderem kritisieren die Pfadfinder, dass am neuen Standort deutlich weniger Platz für die selbst und für die gesamte Kinder- und Jugendarbeit zur Verfügung stünde. Das jetzige Gebäude am Quirlsberg umfasst 1287 Quadratmeter. Davon nutzen die Pfadfinder eine Fläche von rund 250 Quadratmetern – so viel umfasst das angedachte neue Gebäude insgesamt. „Für uns erscheint es auch fraglich, ob sich ein teilweise lebhafter Pfadfinderbetrieb mit einem Museum verträgt“, heißt es bei den Pfadfindern.

Mietverhältnis mit der Kirche endet

Bis zum Umzug würden die bisherigen Nutzer des Gebäudes auf dem Quirlsberg bleiben. Allerdings endet das aktuelle Mietverhältnis am 31. Oktober 2026. Dazu muss man wissen: Das Gebäude gehört der Stadt, die evangelische Kirchengemeinde mietet es und stellt es Kindergartenmuseum und Pfadfindern als Untermieter zur Verfügung. Einzig das Mehrgenerationenhaus ist bereits ausgezogen und nutzt seit Februar Räume in der VHS.

Mehr zum Thema

Von der Aufbewahrungsanstalt zur Kita: Kindergartenmuseum feiert Jubiläum

Seit 20 Jahren gibt das Kindergartenmuseum in Bergisch Gladbach einen Einblick in die Geschichte der öffentlichen Kinderbetreuung. Zu sehen sind aber auch jede Menge historische Spielsachen: Zeittypische Puppenstuben, Stofftiere und Bauklötze wecken nostalgische Erinnerungen bei erwachsenen Besucher:innen. Wir haben uns das weithin unbekannte Museum etwas genauer angeschaut.

Mehrgenerationenhaus zieht vom Q1 in die VHS

Die erste Einrichtung hat das marode Gebäude des Q1 am Quirlsberg verlassen: Das Mehrgenerationenhaus ist in Räume der Volkshochschule an der Buchmühle umgezogen. Neben Workshops und Kursen für Menschen aller Altersklassen und Kulturen bietet es mit einem offenen Treff einen Ort der Begegnung und des Austauschs. Für die Leiterinnen der beiden Einrichtungen eine perfekte Symbiose.

Ursprünglich hatte die evangelische Kirchengemeinde ihren Vertrag mit der Stadt zum 30. September 2025 gekündigt und bereits zweimal verlängert. Laut Verwaltung ist die Kirchengemeinde über dieses Datum hinaus nicht mehr zu Untermietverhältnissen bereit. 

Rückblick

Spätestens seit September 2024 weiß die Stadtverwaltung um die prekäre Lage, damals hatte die Evangelische Kirche den Mietvertrag mit der Stadt gekündigt. Weil der Zustand des Gebäudes so schlecht ist, dass sie sich nicht mehr in der Lage sah, die notwendigen Reparaturen – auch in die Sicherheit – zu gewährleisten.

Erst im Mai 2025 machte die Verwaltung diesen Umstand öffentlich. Anschließend fanden viele Gespräche und Ortsbegehungen statt. 

Im Juni 2025 brachte der damalige Bürgermeister Frank Stein einen Umzug des Jugendzentrums in die umgebaute Zentralwerkstatt des Zanders-Geländes ins Spiel.

Mehr zum Thema

Jugendzentrum Q1 soll ins Zanders-Areal ziehen

Mittelfristig soll das Jugendzentrum der evangelischen Kirche in der Zentralwerkstatt auf dem Zanders-Gelände eine neue Heimat finden. Eine Übergangslösung für das Q1 werde bald präsentiert, teilt Bürgermeister Frank Stein mit. Auch für Kindergartenmuseum und Pfadfinderheim gebe es gute Perspektiven. Vorwürfe von CDU und FDP weist Stein zurück – und gibt deren Bürgermeisterkandidaten einen Ratschlag mit auf den Weg.

Zur Sache: Vertrag zwischen Stadt und Kirche

Das Q1-Gebäude gehört der Stadt, sie hat eine Vereinbarung mit der evangelischen Kirchengemeinde geschlossen, die das Objekt zur Nutzung für die Jugendhilfe erhält. 

Dabei handelt es sich um einen „Dach- und Fachvertrag“: Die Kirchengemeinde muss demnach alle erforderlichen Reparaturen und Erneuerungen auf eigene Kosten vornehmen. Aber: Jugendhilfe ist eine Pflichtaufgabe der Stadt. Da sie diese in diesem Fall an die Kirche übertragen hat, kann sich diese die Kosten bis zu 100 Prozent von der Stadt zurückerstatten lassen.

Grundsätzlich ist die Stadt dazu verpflichtet, eine angemessene Infrastruktur für die Jugendarbeit bereitzustellen. Dazu zählt auch die Arbeit der Pfadfinder.

Damit die Angebote der Pfadfinder und des Kindergartenmuseums ab November trotzdem am bisherigen Standort weiterhin stattfinden können, braucht es schnellstmöglich einen neuen Betreiber für das bisherige Gebäude – ebenso für einen künftigen Neubau. Bis zum Bezug des Neubaus könnte die GL Service gGmbH, eine städtische Tochtergesellschaft, als Vermieterin für die Pfadfinder und das Museum einzuspringen. 

Wie geht es mit dem Jugendzentrum weiter?

Was künftig mit dem Jugendzentrum selbst passiert, wird in der Vorlage der Verwaltung nicht thematisiert. Die Nachfragen des Bürgerportals dazu beantwortet die Stadt nicht – und verweist auf den JHA: Dort sollen „die relevanten Punkte zur Fortführung des Q1“ in und mit der Politik vertieft werden umfassend besprochen werden. „Um die Debatte nicht vorweg zu nehmen, wollen wir den Ausschuss deshalb abwarten.“

Auch die Frage, was langfristig mit dem städtischen Gebäude auf dem Quirlsberg passieren soll, bleibt unbeantwortet.

Carsten Bierei, Pfarrer der evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach, betont auf Nachfrage, dass die Gemeinde als Trägerin der offenen Jugendarbeit an der Arbeit mit Jugendlichen festhalte. Das soll auch so bleiben, wenn das Jugendzentrum perspektivisch auf das Zandersgelände zieht. Das habe die Stadt vorgeschlagen, die Kirchengemeinde zugestimmt, so Bierei.

Keine effiziente Gebäude-Auslastung

Auch wenn der Neubau „mit kurzfristig höheren Kosten“ verbunden ist, bietet er aus Sicht der Verwaltung neben der Barrierefreiheit weitere Vorteile: Durch eine Mehrfachnutzung würde ein „zentraler Ort für Jugendarbeit mit hoher Flächeneffizienz“ entstehen. Die Betriebs- und Unterhaltungskosten würden deutlich reduziert. 

Nach Auffassung der Verwaltung erscheint die Auslastung der Räume des 1287 Quadratmeter großen Q1-Gebäudes „im Vergleich zur Ausgabenseite aktuell aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht (mehr) effizient“.

Pfadfinder wollen Gebäude erhalten

Die Pfadfinder üben Kritik daran, in der Kinder- und Jugendarbeit über „Flächeneffizienz“ zu sprechen. Eine Reduzierung der bisherigen Fläche auf 250 Quadratmeter könne den Bedürfnissen der Kinder- und Jugendarbeit in Bergisch Gladbach nicht gerecht werden. „Jugendarbeit kann nicht im selben Maß wie Büroflächen oder Produktionsflächen über Effizienzfaktoren errechnet werden. Hier entstehen keine Produkte, hier wird die Zukunft junger Menschen geschaffen“, so die Pfadfinder.

Die Pfadfinder sprechen sich dafür aus, das bestehende Gebäude zu sanieren und dort künftig Platz für weitere Jugendverbände zu schaffen.  Sie bemängeln, dass sie auch auf Nachfrage nicht erfahren, was die Pläne der Stadt für das „geschichtsträchtige“ Gebäude sind. Sie befürchten Wegfall, Leerstand oder sogar den Abriss – und kündigen an, sich dafür einzusetzen, „unsere Kinder- und Jugendarbeit weiter anbieten zu können“.   

Dokumentation

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

13

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Ein “250 Quadratmeter großes Gebäude in Modulbauweise” – soll das ein blöder Witz sein?
    Wer Jugendarbeit, Pfadfinder *und* Kindergartenmuseum in einem winzigen Schuhkarton unterbringen will, zeigt, wieviel ihm die Jugendlichen in unserer Stadt wert sind: gar nichts. Warum nicht gleich ein alter Container auf einem Parkplatz am Stadtrand?

    Der bisherige Standort ist gut, aber wenn anderswo in geeigneter Lage ein angemessenes(!) Gebäude gefunden oder gebaut wird, ist das auch gut. Was nicht passieren darf, ist dass die Jugendlichen für die jahrelangen Versäumnisse von Stadt und Kirchengemeinde büßen müssen!

    (Es mag subjektiv sein, aber ‘Jugendquartier’ scheint mir ein fürchterlicher Begriff. Klingt nach Kaserne oder Abstellplatz.)

  2. Jugend gehört mitten in die Stadt – sichtbar, erreichbar und mittendrin im Leben, nicht abgeschoben an irgendeinen Randstandort, während die Innenstadt für teure Investoren-Projekte freigeräumt wird.

    Statt das Q1 zu verkleinern und wegzupacken und an den “Rand zu schieben”, braucht Bergisch Gladbach ein großzügiges und solide finanziertes Jugendzentrum – am besten am jetzigen Standort oder auf dem Zanders-Areal oder in einem der alten Stadthäuser. Mindestens in zentraler Lage in Stadtmitte. Offene Jugendarbeit ist keine lästige Kostenstelle, sondern die beste Investition in Integration, Inklusion, Selbstorganisation und eine lebendige Stadt für alle.

    Stattdessen werden die möglichen Standorte in der Stadtmitte für Immobilienjäger, Spekulanten, Miethaie, reiche Investoren, Konsum, Gier und scheinbaren Glanz reserviert. Das sind die falschen Prioritäten …

    Wir wollen eine Stadt für Alle und das bedeutet auch Platz für die Jugend “mittendrin”. Punkt!

    Hier die gesamte Pressemitteilung von Hale Bagherzadeh (LiL im ACI) und Tomás M. Santillán (Die Linke)
    https://www.santillan.de/2026/03/10/jugend-gehört-in-die-mitte-der-stadt-nicht-an-den-rand/


    Tomás M. Santillán – Mitglied im Stadtrat Bergisch Gladbach Die Linke

  3. Die Debatte um das Jugendquartier Q1 in Bergisch Gladbach zeigt eindrücklich, wie zentral Verteilungsgerechtigkeit bei der Mittelvergabe ist, gerade in Zeiten knapper Kassen und drohender Haushaltssicherung.
    Aus Schaden wird man klug: Die Verwaltung, als gebranntes Kind früherer Erfahrungen, möchte möglicherweise nicht mehr leichtfertig Immobilien und deren Nutzung gutgläubig zur Verfügung stellen. Das Gebäude am Quirlsberg 1 verfiel, da die Kirchengemeinde als Mieterin trotz klarer vertraglicher Pflichten weder Sanierungen noch den laufenden Unterhalt vornahm. Jährlich flossen der Gemeinde zudem rund 52.000 € als Bewirtschaftungszuschuss aus städtischen Mitteln zu während die auf die Nutzungsentgelte von Seiten der Stadt verzichtet wurde um die Kinder und Jugendarbeit zu unterstützen. Solche Praktiken haben Vertrauen gekostet und mahnen nun zu mehr Vorsicht.

    Die Initiative der Pfadfinder, einen Stadtjugendring zu gründen, ist grundsätzlich lobenswert und könnte die Jugendarbeit sinnvoll bündeln, auch ihre langjährige Eigeninitiative und ihr Engagement für Kinder und Jugendliche verdienen hier große Anerkennung. Allerdings nährt sich der Verdacht, dass es um ein strategisches Rederecht im Jugendhilfeausschuss geht, statt um eine inklusive Lösung für die gesamte Stadtgesellschaft, da den Interessenvertretungen der Jugend eine beratende Stimme in Jugendhilfeausschuss rechtlich zusteht.
    
Grundsätzlich stellen sich zwei Fragen: 
Die kleinere von beiden ist die, nach den Nutzungsquoten, Inklusionsgraden und konkreten Belegen.
Die größere Frage ist die nach einem neuen Betreiber des Quirlsberges Nr. 1.

    Verteilungsgerechtigkeit bedeutet: Begrenzte Ressourcen so einzusetzen, dass sie der gesamten Stadtgesellschaft zugutekommen, nicht nur organisierten Gruppen. In Bergisch Gladbach droht eine Haushaltssicherung, die Ausgaben kürzt und Prioritäten verschärft: Schulen, Verkehrsprojekte oder Museen könnten ebenso dringend Mittel brauchen. Der Grundsatz lautet klar: Alle unterstützen, nicht nur die Lautesten. Eine bloße Erwartungshaltung an Zuschüsse ersetzt keine Eigenleistung; stattdessen braucht es klare Regeln: offene Ausschreibungen, unabhängige Bedarfsanalysen und eine Abwägung nach messbaren Kriterien wie Nutzerzahlen, Inklusionswirkung und Kosteneffizienz. Nur durch solche Lernprozesse und eine öffentliche Debatte kann Vertrauen entstehen.
    In der Haushaltskrise ist jede Investition ein Signal und Bergisch Gladbach verdient Entscheidungen, die zukunftsfähig sind und wirklich allen Teilen der Gesellschaft gerecht werden.

    1. Hallo Jakob,
      ich möchte hier ein paar Worte zum Thema Jugendring loswerden:

      1. Ging (das wurde immer etwas falsch dargestellt) die Initiative nicht von uns Pfadfindern aus, sondern von der “Vorgängerorganistation” Jugendverbandsarbeit GL

      2. Gibt es die Idee schon länger, einen Stadtjugendring zu gründen, lange bevor das Chaos um das Q1 entstanden ist. Bis vor sehr kurzem (nach der Gründung) sind wir nicht davon ausgegangen, dass wir schnell einen Platz im Jugendhilfeausschuss bekommen

      3. Die Vertretung der Interessen einzelner Mitgliedsverbände steht ja nicht konträr zum allgemeinen jugendpolitischen Anspruch des Jugendrings. Grundlegend handelt es sich hier aber auch um ein Gebäude was nicht nur uns Pfadfindern zu Gute kommt, sondern potentiell der gesamten Kinder und Jugendarbeit in Bergisch Gladbach

      Ich finde hier den “Verdacht” uns ein Rederecht zu erschleichen ziemlich demotivierend. Die Gründung war kein einfacher Prozess, hier sind viele Stunden Arbeit (neben der normalen) hinein geflossen. Letztendlich wurden Posten durch die Gründungsversammlung demokratisch gewählt!

      1. @Janis Rienhold

        Warum “demotiviert”? Begreife es als Ansporn für den Stadtjugendring das Rederecht im Jugendhilfeausschuss zu bekommen, da dort nur wenig Jugend sitzt. Jetzt erst Recht!

        Dein Tomás
        Mitglied im Stadtrat Bergisch Gladbach Die Linke

    2. @Jakok Altenrath

      Sie schreiben richtigerweise: “Verteilungsgerechtigkeit bedeutet: Begrenzte Ressourcen so einzusetzen, dass sie der gesamten Stadtgesellschaft zugutekommen, nicht nur organisierten Gruppen.”

      Tatsächlich sieht die Realität in Bergisch Gladbach seit vielen Jahren leider anders aus. Gut “organisierte Gruppen” mit reicher Lobby und erheblichen Ressourcen setzen sich bei der Verteilung der städtischen Mittel immer durch – während unorganisierte Bürger:innen, Jugend, Migrant:innen oder Fraktionen mit wenigen Stimmen im Stadtrat oft den Kürzeren ziehen.

      Ein besonders anschauliches Beispiel dafür ist die Parkpolitik: Seit etwa 25 Jahren gelten in unserer Stadt unverändert die gleichen extrem niedrigen Parkgebühren (0,50 € je 20 Min. in der Innenstadt-Zone 1 bzw. je 30 Min. in Zone 2). Das Auto wird damit massiv privilegiert. Gleichzeitig sind die ÖPNV-Tarife deutlich gestiegen – ein Jugendlicher zahlt heute für ein EinzelTicket in Preisstufe 1a mit weniger als 30 Min. fahrt bereits 1,60 €, also deutlich mehr als viele Autofahrer:innen für über eine Stunde Parken in der Innenstadt.
      Eine maßvolle Anpassung der Parkgebühren auf das Niveau vergleichbarer Nachbarstädte würde der Stadt nach seriösen Berechnungen bis zu 1,75 Millionen Euro Mehreinnahmen pro Jahr bringen. Selbst nach Abzug der tatsächlichen Kosten für Parkraumbewirtschaftung (die von den aktuell viel zu geringen Gebühren ohnehin nicht gedeckt werden) bliebe ein substanzielle Betrag übrig – Geld, das dringend für soziale Infrastruktur fehlt.

      Allein diesen kleine Beispiel zeigt leider deutlich: Hier wird nicht gerecht und bedarfsorientiert mit den Ressourcen der Stadt umgegangen, sondern nach dem Motto „wer die bessere Lobby hat, gewinnt“. In den letzten Jahren hat vor allem die Jugend bei solchen Verteilungsfragen immer wieder das Nachsehen gehabt, ob beim Jugendzentren, bei der offenen Jugendarbeit oder anderen sozialen Angeboten. Gleichzeitig profitieren andere Bereiche, die über starke organisierte Interessen verfügen.

      Es wird Zeit, dass wir in Bergisch Gladbach endlich eine gerechtere Prioritätensetzung bekommen, wie sie ja auch fordern: Jugend gehört in die Mitte der Stadt; nicht an den Rand. Und die Parkgebühren sollten endlich an die Realität und an das Niveau der Nachbarstädte angepasst werden. Dann könnten wir einiges damit finanzieren, was im aktuellen Haushalt rausgefallen ist.

      Tomás M. Santillán – Mitglied im Stadtrat Bergisch Gladbach Die Linke

  4. Hallo Anno Nüm,

    aber so richtig zentrumsnah ist es da auch nicht mehr. Und ob die potenziellen neuen Nachbarn das Jugendzentrum dort zu schätzen wissen, ist noch nicht geklärt.

    1. Geht es Ihnen um die Jugendlichen oder um die Nachbarn? Und was verstehen Sie unter “richtig zentrumsnah”? Die Fußgängerzone, den Villa-Zanders-Park?

      1. Zentrumsnah ist für mich in wenigen Minuten zu Fuß in der Fußgängerzone und auch schnell an Bus und Bahn. Mir geht es vor allem darum, dass Kinder-und Jugendarbeit auch laut sein darf, ohne dass es zu Nachbarschaftsstreitereien kommt. Das ist für alle Seiten unschön.

  5. In der aktuellen Diskussion um die Zukunft des Q1 ist zunächst positiv hervorzuheben, dass die Stadtverwaltung sichtbar nach Lösungen sucht.

    Die aktuellen Ergebnisse der Sachverständigenbegehungen bestätigen eine Einschätzung, die die Pfadfinder bereits im vergangenen Jahr geäußert hatten: Für eine weitere Nutzung des Gebäudes ist offenbar keine umfassende Generalsanierung erforderlich. Vielmehr können die notwendigen Voraussetzungen durch gezielte Maßnahmen an sicherheitsrelevanter Technik – insbesondere bei Elektrotechnik und Brandschutz – geschaffen werden. Darauf hatten die Pfadfinder bereits in ihrer Stellungnahme an Stadtverwaltung und Jugendhilfeausschuss hingewiesen.

    Gleichzeitig bleibt die Perspektive für das Jugendzentrum selbst bislang erstaunlich unklar. In den bisher vorgestellten Szenarien steht vor allem die Unterbringung von Pfadfindern und Kindergartenmuseum im Mittelpunkt. Welche Rolle das Jugendzentrum am Quirlsberg künftig spielen soll, wird dagegen noch nicht ausreichend berücksichtigt.

    Der vorgeschlagene Alternativstandort an der Hauptstraße 328 ist auf den ersten Blick interessant, wirft bei genauerem Hinsehen jedoch viele Fragen auf. Das Grundstück liegt an einer stark befahrenen Straße, während auf der gesamten Grundstückstiefe Wohnbebauung in zweiter Reihe anschließt. Jugendarbeit ist lebendig – Gruppenstunden, Aktionen im Freien sowie An- und Abfahrten von Kindern und Jugendlichen gehören dazu. Ob sich ein solcher Betrieb dauerhaft konfliktfrei mit angrenzender Wohnbebauung vereinbaren lässt, erscheint zumindest fraglich.
    Hinzu kommen praktische Aspekte: Für viele Aktivitäten gehört der Wald oberhalb des Quirlsbergs seit jeher selbstverständlich dazu. Am Standort Hauptstraße gäbe es vergleichbare Möglichkeiten in Richtung Mühlenberg / Strunde, allerdings müsste dafür regelmäßig eine stark befahrene Straße überquert werden. Auch die Verkehrssituation insgesamt – Bring- und Holverkehr, Fahrräder und Aufenthaltsflächen – verdient eine genauere Betrachtung.
    Sollte ein Neubau zudem von der Straße zurückgesetzt werden, um Lärm- oder Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen, würde sich die nutzbare Grundstücksfläche weiter reduzieren. Bei einem ohnehin kleinen Grundstück stellt sich dann schnell die Frage, wie viel Raum für Jugendarbeit tatsächlich noch übrig bleibt.
    Eine gemeinsame Nutzung mit dem Kindergartenmuseum könnte unter Umständen funktionieren. Sobald jedoch weitere Gruppen oder Jugendverbände hinzukommen sollen, dürfte es räumlich sehr schnell eng werden.

    Ja, das bisherige Gebäude ist mittelfristig sanierungsbedürftig, und eine Nutzungsänderung kann neue Auflagen mit sich bringen. Die Sanierungsbedürftigkeit verschwindet jedoch nicht, nur weil einzelne Nutzer ausziehen. Mit den für einen Neubau vorgesehenen Mitteln ließe sich auch am bestehenden Standort einiges erreichen.
    Das Jugendzentrum am Quirlsberg ist über Jahrzehnte ein zentraler Ort der Jugendarbeit in Bergisch Gladbach gewesen. Bevor diese gewachsene Struktur aufgegeben wird, sollten alle Optionen sorgfältig und ergebnisoffen geprüft werden.

    1. Was ist denn mit dem nahegelegenen Grundstück an der Hauptstraße gegenüber der Einmündung der Sander Straße? Das dürfte in städtischer Hand sein, und zumindest der Wald entlang der Strunde wäre einfacher zu erreichen.

  6. Wer Kinder- und Jugendarbeit weiter an den (Stadt-)Rand schiebt und diese effizienter gestalten will, hat das Thema verfehlt. Bergisch Gladbach muss mehr für Kinder und Jugendliche tun. Wir können uns nicht darüber beschweren, dass es immer weniger Kinder gibt und dann die ehrenamtliche Kinder- und Jugendarbeit weiter wegdrücken.
    Hier müssen wir vorallem auf die hören, die genau das tun, ehrenamtlich arbeiten mit Kindern und Jugendlichen.

    Und da zitiere ich gerne eins unserer Wahlkampfplakate “Gebt der Jugend (T)Räume!” Und zwar so wie sie diese benötigen.

    _____________
    Hinweis der Redaktion: Mara Häuser ist Ratsmitglieder der Linken

    1. Hallo Frau Häuser,
      die angegebene Anschrift Hauptstraße 328 ist doch nicht am (Stadt-)Rand sondern im Innenstadtbereich.