Lars Kalthoff, Dozent am bib International College Bergisch Gladbach klärte auf dem Digitaltag über „Dark Patterns“ auf – speziell designte Webseiten, die die User manipulieren sollen. Fotos: Klaus Pehle/FHDW

Am bundesweiten Digitaltag befassten sich die Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) und das bib International College mit praxisnahen Themen, wie digitale Sicherheit im Alltag oder manipulativ gestaltete Webseiten. Als Gast war auch Bürgermeister Marcel Kreutz vor Ort.

Wir veröffentlichen einen Beitrag der Fachhochschule der Wirtschaft

Es passiert so schnell. Eigentlich will man nur das kostengünstige Probeabo eines Streamingdienstes wählen, doch die Buttons sind in Anordnung und Design so gestaltet, dass man plötzlich doch das Jahresabo gebucht hat. Und wo ist jetzt der Widerruf-Button? Der ist seit 19. Juni Pflicht auf allen Seiten, auf denen bestellt werden kann.

„Am Rande ist auch der Widerruf-Button Thema bei mir, aber es geht um mehr“, sagt Lars Kalthoff zu seinem Vortrag „Dark Patterns“ auf dem Digitaltag vergangenen Donnerstag an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) und dem bib International College in Bergisch Gladbach. Kalthoff ist am bib Dozent für Game Design und Storytelling. Der Digitaltag sollte in ganz Deutschland für Aufklärung sorgen und für einen gesellschaftlichen Diskurs zu digitalen Themen wie KI und Verbraucherschutz beim Online-Handel.

Wie Dark Patterns die Nutzer beeinflussen

Kalthoff hatte bewusst das Thema „Dark Patterns“ gewählt, das eigentlich jeden betrifft, der sich im Internet bewegt und auch schon mal was kauft. „Es richtet sich an die breite Öffentlichkeit. Als Dark Patterns bezeichnet man das, was Webdesigner einsetzen, um ihre Nutzer zu manipulieren.“

Der Widerruf-Button ist nun Pflicht, aber es gibt weiterhin perfide Tricks, um User bewusst auf den falschen Weg zu locken. So wird oft ein teureres Produkt gewählt als gewünscht, schnell mal ein Newsletter bestellt, wofür man persönliche Daten preisgeben muss oder eigentlich obsolete Nebenprodukte mitbestellt.

„Irgendwann kommt dann die Gesetzgebung darauf, dass das passiert und versucht nachzusteuern – beispielsweise mit dem Digital Markets Act der EU“, erläutert Kalthoff, der den Besuchenden wertvolle Tipps zum persönlichen Schutz mitgeben konnte.

Cyber Security im Alltag

Genau wie sein Kollege von der FHDW: Prof. Dr. Wolfgang Speth ist Dozent an der FHDW in Bergisch Gladbach und als Experte für Cyber Security nannte er seinen Beitrag „Ein sicherer Tag in der digitalen Welt“. Mit dutzenden plastisch erklärten Beispielen führte er den interessierten Gästen vor, dass es zum Beispiel wenig Sinn macht, seinen Reisepass vor dem ungewünschten Datenabgriff (zum Beispiel dem digitalen Fingerabdruck) mit einem Alutütchen zu schützen.

Außerdem zeigte er, wie trickreich mittlerweile Phishing-Mails formuliert und designt sind, man sie aber trotzdem mit gesundem Menschenverstand entlarven kann als illegalen Versuch, Daten zu erschleichen. Dass auch das von überall über eine Cloud steuerbare Smart Home von Hackern gekapert werden kann, war genauso Thema wie die chinesische Kopiermaschine für die Chips in den Tokens, die etwa bei Schließanlagen für Häuser genutzt werden. „5,30 Euro kostet das Gerät“, schmunzelt er.

Über den Digitaltag auf diese Weise aufzuklären und den neuesten Stand der auch illegal verwendeten Technologien aufzuzeigen, hält Speth für den richtigen Ansatz: „Weil wir im Alltag an jeder Ecke digitale Geräte einsetzen. Genau deswegen ist das nicht mehr nur ein Thema für Experten.“ Die allgemeine Vorstellung von Cyberkriminalität und deren Akteuren sei zu überdenken: „Das sind große Organisationen, häufig in China oder Russland und die machen da einen 9-to-5-Job, der eine entwickelt Malware, der andere knackt Passwörter und am Wochenende haben die frei. Das sieht man an den Angriffszahlen, die dann deutlich abnehmen.“

Nach den Vorträgen gab es für die Gäste noch reichlich Gelegenheit, mit den Dozenten zu diskutieren oder persönliche Fragen zu stellen.

Die Rolle der Stadt

Koordiniert hat den Digitaltag in Bergisch Gladbach die Stadt. „Digitalisierung funktioniert am besten, wenn Menschen miteinander ins Gespräch kommen und voneinander lernen“, sagt Bürgermeister Marcel Kreutz, der am Donnerstag zum Digitaltag an der FHDW vorbeischaute. „Ich freue mich sehr, dass sich in Bergisch Gladbach so viele Engagierte am Digitaltag beteiligen und digitale Themen für alle erlebbar machen. Hier an der FHDW sieht man, dass Theorie die Grundlage für die Praxis ist. Bei dem dualen Studium an der FHDW schaut man ja auch darauf, dass man Fähigkeiten vermittelt, die die Studierenden dann später wirklich direkt in ihrem Job anwenden können, dass immer wieder die Transferleistung von Theorie zu Praxis erbracht werden muss.“

FHDW Fachhochschule der Wirtschaft in 51465 Bergisch Gladbach, Hauptstr. 2, Mail info-bg@fhdw.de, im Web http://www.fhdw.de/

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.