Aus „GL spricht“ wird „GL kocht“: Wir haben Mitglieder des Stadtrats zu einem außerordentlichen interfraktionellen Treffen eingeladen – abseits von Ausschüssen und Sitzungen. Seite an Seite haben die Kommunalpolitiker in der Küche der VHS Gerichte aus fünf Ländern zubereitet und verspeist. Am Ende steht ein klares politisches Signal und ein einstimmiger Beschluss – ohne Enthaltung.

Die Farben der Schürzen sagen an diesem Abend nichts über die Parteizugehörigkeit aus. Friedrich Zapf von der CDU trägt Gelb, Markus Bollen von den Grünen rot, während die meisten Teilnehmer:innen unbeschürzt kochen. Wer welcher Partei angehört, ist an diesem Abend unwichtig. 

Stattdessen geht es darum, einander zu begegnen, sich auszutauschen. Das ist seit vielen Jahren Ziel des „Internationalen Kochen“, das Klaus Farber mit einem Team in der Lehrküche der Volkshochschule (VHS) organisiert.

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Das gemeinsame Zubereiten und anschließende Essen von Spezialitäten aus verschiedenen Ländern sieht der 86-Jährige als Beitrag zum gegenseitigen Kennenlernen von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Farber ist unter anderem Gründer der Flüchtlingsinitiative Herwi und hat viele „Reisen gegen das Vergessen“ nach Auschwitz organisiert.

Klaus Farber; Foto: Thomas Merkenich

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Beim „Internationalen Kochen“ versammeln sich Menschen aus unterschiedlichen Ländern um Herd und Tisch in der VHS, um gemeinsam Spezialitäten aus verschiedenen Ländern zuzubereiten und zu essen. Die Begegnung und der Austausch stehen dabei im Vordergrund. Aber auch das Geschmackserlebnis.

Für unser Format „GL spricht“ haben wir das Konzept ein bisschen abgewandelt: Unter dem Motto „GL kocht“ haben wir Mitglieder des Stadtrates und Sachkundige Bürger:innen eingeladen. Um einmal nicht zu streiten, sondern um zu kochen, zu essen und sich zu unterhalten. Zusätzlich nahmen einige Leser:innen des Bürgerportals an diesem „interfraktionellen Arbeitskreis“ teil, damit die Ratsmitglieder nicht nur unter sich bleiben.

Zur Sache: „GL spricht“

Mit unserem Format „GL spricht“ versuchen wir Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, die sonst eher nicht miteinander reden. Auf dem Marktplatz, im Riesenrad auf dem Spielplatz und jetzt auch in der Küche und am Esstisch.

„Es ist schön, mal abseits der Ausschüsse miteinander zu sprechen“, findet Jannes Komenda (SPD). Friedrich Zapf wollte unbedingt dabei sein: „Ich koche oft, backe Brot, das entspannt mich. Und dann trifft man hier lauter nette Leute, die super engagiert sind“, sagt er. Nur weil jemand in einer anderen Partei ist, „finde ich ihn ja nicht blöd“. 

Und auch wenn manche Ratsmitglieder laut oder meinungsstark auftreten: „Viele verfolgen die gleichen Ziele, haben ähnliche Absichten.“ Nur der Weg unterscheide sich manchmal, teilweise nur in Nuancen, so Zapf: „Wichtig ist, im Austausch zu bleiben und miteinander zu reden.“

Friedrich Zapf (CDU) im Gespräch mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Anna Maria Scheerer (Grüne); Foto: Thomas Merkenich

Spezialitäten aus fünf Ländern

Auf dem Speiseplan stehen an diesem Abend Gerichte aus Griechenland, Polen, Frankreich, England und der Schweiz. An jeder Kochinsel gibt es eine Person, die im Vorhinein die Rezepte ausgewählt und die Zutaten eingekauft hat. Er oder sie hat sozusagen die Chef-Kochmütze auf.

Nach einer launigen Begrüßung durch Klaus Farber verteilen sich die Teilnehmer:innen auf die fünf Kochinseln. „Um 20 Uhr muss das Buffet spätestens stehen“, mahnt der Organisator zu zeitlicher Disziplin.

Messer und Utensilien werden gesucht. Kurze Zeit später werden Kartoffeln geschält, Zwiebeln klein geschnitten, Kräuter gehackt und Käse gerieben. „Was mache ich mit den Möhren?“, fragt eine Hilfsköchin. Reporterin und Fotograf stehen gefühlt ständig im Weg. 

Zubereitung unter fachkundiger Anleitung

Währenddessen kämpft Team Polen unter fachkundiger Koch-Anleitung von Gabi Malek-Przemus (CDU) noch mit Herd-Problemen, die dank tatkräftiger Unterstützung des Hausmeisters schnell behoben sind. Und so können Michaela Bhattacharjee (Grüne) und Andrea Tscheuschner (SPD) mit dem polnischen Nationalgericht Bigos (Eintopf aus Weißkohl, Sauerkraut, Speck und Tomaten) loslegen. 

Andrea Tscheuschner, Gabi Malek-Przemus, Michaela Bhattacharjee. Foto: Thomas Merkenich

Eine Kochnische weiter möchte „Chef-Köchin“ Christine Leveling (SPD) „die englische Küche ins richtige Licht rücken“, wie sie sagt. Sie hat sich bewusst für ein vegetarisches Gericht entschieden: Steaks aus Blumenkohl mit Cherry-Soße, dazu Champignons und Tomaten aus dem Ofen. „Ich liebe Gerichte, die schnell und einfach zuzubereiten sind.“

Für den Nachtisch – Pflaumen-Crumble – krümelt Martin Freitag (FWG) Teigbrösel über die Früchte.

Christine Leveling. Foto: Thomas Merkenich

Gruppenfoto und Cholera

Das Schweizer Team stellt sich für ein gemeinsames Foto auf. Helen Kopner-Merky (Grüne) hat sich für den Walliser Gemüsekuchen „Cholera“ (mit Kartoffeln, Lauch, Äpfeln, Birnen, Speck und Zwiebeln) entschieden: „Warum der so heißt, weiß ich nicht.“ Als Nachtisch gibt es Bircher Müsli.

Markus Bollen (Grüne) und Josef Willnecker (CDU) schneiden einträchtig und konzentriert Hähnchenfleisch klein. Es sind Zutaten für das französische Gericht „Bouchée à la Reine“, Königin-Pasteten aus fluffigem Blätterteig, die mit Hühnerfrikassee gefüllt werden. „Gut so von der Größe?“, fragt Bollen. Willnecker nickt. 

„Ich habe ein super Team, ich muss fast nichts machen“, lobt Athanasia Mantziou ihre Küchenhelfer:innen. Die höhlen Tomaten und Paprika aus, befüllen sie mit einer Reis-Fleisch-Mischung. Dazu gibt es griechischen Bauernsalat mit selbstgemachtem Tzatziki.

Alexander Becker (Volt) fügt noch Hackfleisch hinzu und erklärt: „Ich war 20 Jahre lang bei den Pfadfindern. Da schmeißt man Reste, die übrig sind, in eine Pfanne und brät sie schön durch.“ So wird es auch heute gemacht.

Es gibt viel zu bereden

Über den Abend verteilt werden immer wieder partei- und länderübergreifende Gruppen-Selfies geknipst. Die Stimmung ist gut, es wird viel und laut gelacht. E-Mail-Adressen werden ausgetauscht, um die Rezepte des Abends zu teilen.

Foto: Thomas Merkenich

„Wie läuft es bei euch in Frankreich?“ wird „Team-Chef“ Jean Louis Schaaf gefragt. „Bei uns ist es wie auf der Baustelle: Einer arbeitet, die Anderen gucken zu“, antwortet er und lacht. Tatsächlich arbeiten aber alle motiviert, auch wenn zwischendurch Zeit für Späße und Gespräche bleibt. 

Themen gibt es zu Genüge. Angefangen von Lieblingsgerichten, persönlichen Kochvorlieben – mit oder ohne Rezept, mit oder ohne Thermomix – und Zubereitungstipps geht es auch um politische Themen wie die Wahl in Sachsen-Anhalt und das Abschneiden der AfD oder die Volksabstimmung (zur Begrenzung von Zuwanderung) in der Schweiz.

Zusammenhalt und
Zusammenarbeit der demokratischen Parteien
sind wichtiger denn je.Klaus Farber

Um Punkt 20 Uhr ist das internationale Buffet in der Lehrküche aufgebaut. Die Chef-Köch:innen und ihre Helfer:innen stehen erwartungsvoll vor den Töpfen und Schalen und präsentieren ihre Gerichte. 

Und dann eröffnet Klaus Farber das Buffet mit einem Appell: „Der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit der demokratischen Parteien sind aktuell wichtiger denn je. Vertragt euch.“ Mit Blick auf den Stadtrat äußert der 86-Jährige den Wunsch, dass dort mehr Menschen mit Migrationshintergrund vertreten wären – entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung.

Das gemeinsame Essen beginnt mit schmatzendem Schweigen, nur unterbrochen von „Mmmhhh“ und „Lecker“-Ausrufen. Es folgt die traditionelle Vorstellungsrunde.

Die Bedeutung des Ehrenamtes

Neben ihrem ehrenamtlichen Engagement in der Kommunalpolitik haben die meisten Teilnehmer:innen weitere Ehrenämter inne – bringen sich in der Flüchtlingshilfe, der Integrationsarbeit, beim Kinderschutzbund oder in der Trauerbegleitung ein. „Ich bin erschlagen von der Wucht der hier versammelten Ehrenämter“, sagt Farber. 

Klar wird in der Runde auch: Auch wenn vieles (noch) nicht so läuft, wie gewünscht, bekennen sich viele als Fans von Bergisch Gladbach, die gern in dieser Stadt leben. Leser Jens Thoma outet sich als jemand, der mit „Politik nicht viel am Hut hat“. Aber er wünscht sich mehr Sichtbarkeit der Politik im Alltag – nicht nur im Wahlkampf. 

Martin Freitag (FWG) äußert Verständnis: „Wir Kommunalpolitiker bewegen uns oft in Blasen. Wir müssen neue Wege gehen, um Menschen zu erreichen, die sich abgehängt fühlen.“ 

Ein einstimmiger Beschluss am Ende

Mehrfach wird der Wunsch geäußert, die positiven Dinge stärker in den Fokus zu rücken. Statt nur zu meckern oder die Missstände zu betonen, „sollte man mehr aufzeigen, was geschafft wurde oder fertig ist“, so Jens Thoma. 

Am Ende der Runde ruft Klaus Farber zur Abstimmung auf: Sollte der Kochabend in dieser Form wiederholt werden? Das Ergebnis fällt einstimmig aus. Ohne Enthaltungen. 

Dafür mit einer Manöverkritik: Mehr vegetarische Gerichte und (noch) mehr Zeit für Gespräche und Diskussionen werden gewünscht. Auch nach dem abschließenden gemeinsamen Abwasch – vor dem sich niemand zu drücken versucht – zeigt sich: Es gibt genug Gesprächsbedarf.


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ist der Fotograf des Bürgerportals. Mittlerweile wohnt er „im schönen Kürten" und liebt das Bergische Land. Aber das sieht man seinen Fotos ja auch an. Mehr Infos auf seiner Website www.thomas-merkenich.de

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