Eine Prognose über das künftige Schüleraufkommen in Bergisch Gladbach und ein paar unbedachte Bemerkungen haben ausgereicht, um Gerüchte und Spekulationen ins Kraut schießen zu lassen.

  • Werden bald die ersten Schulen geschlossen?
  • Muss “unser” Nicolaus-Cusanus-Gymnasium irgendwann umziehen?

Vorerst gibt es für solche Befürchtungen keinen echten Grund. Zwar gehen die Schülerzahlen kräftig zurück – aber alle Überlegungen über die zukünftige Schullandschaft in Bergisch Gladbach stehen noch ganz am Anfang. Und dennoch: jede Entscheidung hat das Potenzial, nicht nur das Leben der Schüler und ihrer Familien zu verändern, sondern auch die Qualität des Wohnumfeldes und damit der Immobilienpreise. Daher lohnt auf jeden Fall ein Blick auf die Fakten – und den aktuellen Diskussionsstand.

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UPDATE 18.1.2011
Das Studentenprojektteam hat inzwischen eine Vorlage für den Schulentwicklungsplan mit weitreichenden Szenarien für die Schullandschaft vorgelegt:
Mehr dazu in diesem Beitrag

UPDATE 9.12.2010
Der Haupt- und Finanzauschuss stimmte einer SPD-Forderung zu, der Überprüfung der Schulstandorte Priorität einzuräumen. Schulausschuss-Chef Dr. Wolfgang Miege: “Wir wollen schnellstmöglich Klarheit haben über die Zukunft eines möglichen Gymnasialstandortes Ahornweg”.
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Soviel ist klar: Die Zahl der Schüler geht zurück

Einschulung GGS Hebborn

Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird der gesamte Rheinisch-Bergische Kreis 19,3 Prozent seiner Schülerschaft (das sind immerhin 6 375 Kinder) aufgrund des demografischen Wandels verlieren. 2009 gingen im Kreis noch 33 004 Kinder und Jugendliche zu Schule, laut Prognose werden es 2019 nur noch 26 629 sein, konnte man mit Verweis auf das NRW-Landesamt für Statistik kürzlich hier im Bürgerportal lesen.

Wenn man von einer Größe von etwa 1000 Schüler pro Schule ausgeht wären das immerhin mehr als sechs Schulen, die im Kreis überflüssig würden.

Wieviele Schulen gibt es überhaupt in Bergisch Gladbach?

Nach Angaben der Stadt gibt es im Stadtgebiet immerhin 37 Schulen, davon drei private:

Zumindestens für den Laien sieht das etwas ungleichgewichtig aus: eine einzige Gesamtschule, nur zwei Hauptschulen – aber jeweils fünf Realschulen und Gymnasien.

Sind die Grundschulen als erste dran?

Der Logik abnehmender Schülerzahlen zufolge müsste der Schülerschwund zunächst bei den Grundschulen ankommen. Zwar hatte die Stadtverwaltung pauschal allen Grundschulen eine Bestandsgarantie ausgesprochen, aber die scheint nicht ganz zu halten zu sein.

Stadtsprecher Martin Rölen hatte der BLZ folgendes Szenario gegeben:  „Wir erwarten bis 2014 jährlich gut 1000 Einschulungen. 2015 gibt es dann den ersten Knick um 200 Kinder. Aber das reicht auch noch, um für alle 20 Grundschulen mit durchschnittlich 42 Schülern pro Jahrgang die Zweizügigkeit zu gewährleisten. Und wir haben bei der Einrichtung der offenen Ganztagsschule eine 20-jährige Bestandsgarantie für jede dieser Schulen abgegeben.“

Bei der Einführung der Ganztagsbetreuung seien an allen Grundschulen hohe Summen mit Fördermitteln getätigt worden – unter der Auflage, dass die Gebäude für mindestens 20 Jahre als Schulen genutzt werden. Allerdings: 200 Schüler pro Jahrgang (ab 2015, ok), das entspricht fünf bis sechs Klassen – und damit wären rein rechnerisch auf Dauer bis zu drei Grundschulen überzählig.

Und auf die Bestandgarantie mit Bezug auf die offene Ganztagsschule ist keinesfalls  in Stein gemeißelt, stellte ein Sprecher der Sprecher der Bezirksregierung Köln auf Anfrage der BLZ fest: Zum einen könne die Stadt ja einen Teil der Fördergelder zurückgeben, wenn sich die Schule nicht mehr trage und verkauft oder abgerissen werden soll. Oder man nutze das Gebäude für einen anderen förderungsfähigen Zweck, etwas in der Jugendbetreuung, als Kindertagesstätte oder Musikschule. Klar sei: Man werde keine Schule aufrechterhalten müssen, wenn die Anmeldezahlen das nicht mehr hergeben.

Die kleinsten, zum Teil einzügigen Grundschulen sind übrigens die Grundschule in Sand, die Gemeinschaftsgrundschule Bensberg und die Refrather Schulen Steinbreche, In der Auen und Kippekausen.

Der nächste Ansatzpunkt: die Förderschulen

Dennoch prüft die Stadt derzeit vor allem, ob man die Trägerschaft der Wilhelm-Wagner-Förderschule in Refrath an den Kreis abgegeben kann, der sowieso Träger der meisten Förderschulen ist. Dass darüber zwischen Stadt und Kreis  gesprochen werde, bestätigte die Kreissprecherin. Zudem soll die Zahl der Förderschüler ohnehin sinken, weil sie immer mehr in die normalen Schulen integriert werden sollen – auch wenn die Debatte über Sinn und Unsinn dieses Ansatzes noch lange nicht beendet ist. Und ganz nebenbei: Zum Komplex der Wagener-Schule gehört auch das Dauerproblem Schulschwimmbad Mohnweg.

Handlungsdruck durch Sanierungsstau

Die Stadt ist vor allem deshalb unter Entscheidungsdruck, weil sich in fast allen Schulen ein gewaltiger Sanierungsstau gebildet hat. Und bevor sie nun Geld in die Sanierung einzelner Gebäude steckt, überlegt sie ganz genau, ob sich das überhaupt noch lohnt. Oder andersherum argumentiert: könnte man nicht eine ganz Menge Geld sparen, wenn man die weniger werdenden Schüler in den noch einigermaßen soliden Schulen konzentriert – und die anderen Schulen dem Verfall preisgibt? Im Haushaltssicherungskonzept der Stadt, das mittelfristig einen Weg aus dem Nothaushalt weisen soll, ist daher die Überprüfung der Schulen durchaus ein Thema.

Was ist los mit dem Schulzentrum am Ahornweg?

Zwei Hauptschulen gibt es noch in der Stadt – und auch diese bluten aufgrund der allgemeinen Stimmung gegen die “Restschule” immer weiter aus.  Zwar sind die alten Hauptschulen Herkenrath und Gronau-Heidkamp bereits im Marie-Curie-Schulzentrum am Ahornweg zusammen gelegt worden – aber sie bringt es trotzdem nur auf derzeit 722 Schüler. Und es werden immer weniger. Und diese Schule ist gerade erst komplett saniert worden.

Die Gymnasien sind beliebt – aber vergammeln

Ganz anders dagegen liegen die Probleme der Gymnasien an der Saaler Mühle und hier bei uns am NCG. Kein Schülerschwund, aber dafür bricht den Schülern die Schule über dem Kopf zusammen.

Im Otto-Hahn-Gymnasium in Bensberg (warum hat Bensberg eigentlich zwei Gymnasien?)  müssten ganz offiziell eigentlich 16 Millionen Euro in die Sanierung der Gebäude investiert werden. Am NCG, wo sich die Schüler schon nicht mehr in bestimmte Flure trauen, werden die Kosten mit 12 Millionen Euro beziffert. Summen, die die Stadt vorerst nicht aufbringen kann (auch wenn derzeit der Bereich rund um die Cafeteria renoviert wird).

SPD-Ratsfraktionschef Klaus Waldschmidt hat sich angesichts dieser Tatsachen weit vorgewagt. Da das Geld nicht einmal für die Rettung eines der Gymnasien reiche würden in “ein paar Jahren” Schulen geschlossen, weil sie sonst einkrachen.

Weg mit dem NCG – ein Geniestreich?

Das NCG an der Reuterstraße

Und da taucht auf einmal ein scheinbarer Geniestreich auf, der gleich mehrere Probleme auf einmal löst: Warum zieht das NCG nicht einfach in das Schulzentrum Ahornweg um? Das liegt zwar am entgegen gesetzten Ende der Innenstadt – doch damit würden dort die Gebäude ausgelastet. Und man würde nicht nur die Sanierungskosten sparen, sondern auch noch die laufenden Kosten in Millionen-Höhe pro Jahr. Und dann könnte man das marode Gebäude abreißen und das große Grundstück in hervorragender Lage an der Reuterstraße verkaufen.

Laut BLZ ist genau diese Idee auch im Rathaus schon diskutiert worden. Doch angesichts des zu erwartenden Widerstandes der Eltern (Stuttgart und Schildgen 21 lassen grüßen) wurde der Vorschlag gleich wieder in den Giftschrank verbannt. Aber da wird er nicht bleiben – dafür wird schon der Spardruck sorgen. Man habe darüber noch nicht diskutiert, weil eine “belastbare Datenbasis” fehle, wird  CDU-Fraktionschef Peter Mömkes zitiert.

Studenten sollen “zukunftssichere Schulentwicklung” erforschen

Auf dem Weg zu einer solchen Datenbasis wurden jetzt Studenten der Kölner Fachschule für öffentliche Verwaltung mit einer Elternbefragung beauftragt. Ihr Bericht wird im Januar 2011 beim Schulausschuss abgeliefert werden – und soll laut Stadtverwaltungdie Basis für eine solide und bedarfsgerechte Bergisch Gladbacher Schulpolitik bilden”.

Im Cityweb heißt es weiter:

” Unterm Strich erwarten Studenten und Schulverwaltung einen umfassenden Überblick über den Status quo der städtischen Schullandschaft inklusive Gebäudezustand, finanzieller Zuwendungen des Landes und Querverbindungen zur offenen Jugendarbeit, wenn es z.B. um die Ausweitung des Ganztagsbetriebs geht. Am Ende soll die Stadt mit Hilfe der fortgeschriebenen Planung in der Lage sein, über grundlegende Fragen der Schulentwicklung im kommenden Jahrzehnt Klarheit zu erlangen und ihre Entscheidungen danach auszurichten: Werden die richtigen Schulformen im richtigen Stadtteil angeboten? Folgt die Schulentwicklung der Nachfrage bei Eltern und Schülern nach bestimmten Schulformen?”

Und, in diesem Wortwust versteckt, taucht auch der entscheidene Satz auf:

“Können Standorte aufgegeben werden?”

Genau darum wird es schon im nächsten Jahr gehen. Die Stadt in ihrer Notsituation  kann es sich gar nicht leisten, bei der Bewirtschaftung der Schulen nicht die strengsten Kriterien anzulegen – und damit massiv in die Schullandschaft, in den Alltag der Schüler und der Familien einzugreifen.

Das wird spannend werden, und möglicherweise für einige von uns auch ziemlich schmerzhaft. Daher gibt es von Anfang an nur eins: auf Transparenz zu pochen. Alle Fakten müssen auf den Tisch.

Weitere Informationen:

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Auf jeden Fall ein spannendes Thema, dass die Politik in den kommenden Jahren beschäftigen wird. Wenn belastbare Zahlen da sind, wird man darüber sprechen – mit allen Beteiligten. Bis dahin ist alles weitere Spekulation!