Alle Diskussionen bei Facebook bezüglich der Verschönerung der Innenstadt – Pflaster, Bäume, der Hain am Bahnhof – lassen mich immer wieder über die Frage nachdenken, ob die Innenstadt von Bergisch Gladbach als Standort für Einzelhandel, für Bewohner oder Besucher attraktiv ist.  Ob die geplanten Verschönerungen sie attraktiver machen werden, oder eher nicht, und wenn ja, für wen?

Wikipedia sagt: “Attraktivität (lat. ad- = “an” + -trahere, PPP -tractum = “ziehen”) ist die von einem Objekt ausgehende Anziehungskraft. Sie kann sowohl auf äußerlichen Eigenschaften (Schönheit) als auch auf Wesenseigenschaften (Charakter, Geist, Charisma, soziale Stellung, materieller Wert) beruhen und individuell unterschiedlich zu bewerten sein. Je angenehmer oder vorteilhafter etwas eingeschätzt wird, desto attraktiver wirkt es.”

Musik in der City

Nehmen wir mal den ersten Punkt aus dieser Erklärung: Die Schönheit. Ist die Innenstadt von Bergisch Gladbach schön? Schönheit ist Geschmacksache, das will ich gleich zu Beginn feststellen. Und eben deshalb ist das hier wohl nur als meine eigene persönliche Meinung zu sehen. Also, schauen wir mal nur die Hauptstraße an:

Untere Hautpstraße von der Polizei bis zum Driescher Kreisel.
Schön? Bis auf ein paar wenige sehr alte Häuser ist dort nichts anziehendes. Es sei denn man will wirklich als Kunde zu einem der sehr speziellen Geschäfte. Aber optisch gibt das dort nichts her.

Der Driescher Kreisel
ist eine straßenbauliche Rarität und man wundert sich immer wieder, dass es dort ohne Ampeln funktioniert. Man kann dort schon eine Weile stehen und staunen, dass keiner dem anderen drauf fährt und trotzdem alle Fußgänger, Radfahrer und sonstige Menschen unbeschadet kreuzen können. Und wenn die Bahn kommt wird es sogar richtig spannend. Aber eine Augenweide ist das auch nicht. Nun hat das Frühjahr erst begonnen. Schaun wir mal, ob es gelingt, dort ein paar bunte Kleckse zu pflanzen. Man hat hochfliegende Pläne, die aber alle zu teuer sind. Wobei mir der Plan einer Steinbruchimmitation dort ganz gut gefallen könnte.

Driescher Kreisel bis Poststraße.
Dort sind eine Reihe Häuser aufgehübscht worden. Die Rhein-Berg-Galerie, ein wahrer Koloss von einem Bauwerk. Wenn auf diesem Stück Hauptstraße von Charakter gesprochen werden kann, dann sicher nicht auf der Seite der Galerie. Das Gebäude wirkt dominant, erschlagend und wenn ich nicht wüsste, wie es drinnen aussieht, hätte ich Schwellenangst, es zu betreten. Der Bau wirkt unpersönlich und kalt, die Kälte setzt sich über das Pflaster zur anderen Seite fort. Über die ganze Länge des Gebäudes entsteht nicht der Wunsch, sich dort länger aufzuhalten als nötig.

Komplett anders und viel einladender und gemütlicher ist das Stück von der Poststraße bis zur Elefanten-Apotheke. Die beiden Großen – Thalia und P&C – mit ihren Glasfronten wirken offen und einladend. Die kleinen Geschäfte dazwischen lockern das Bild auf, Sitzplätze laden zum “Essen von der Faust” und zum Erzählen ein. Schafe und Bäuerin sind Anziehungspunkte für Kinder und Pausenplätze für ein Eis oder ein Teilchen vom Bäcker.

Bereiche Post und Löwen-City-Center bis zum Markt.

Der Platz vor der Post ist ein Anziehungspunkt für Kinder. Dort gibt es Schaukel- und Klettermöglichkeiten. Bei Merzenich zu sitzen, mit einem Kaffee und den Leuten und den Kindern zuzugucken ist entspannend. Wer es ruhiger haben will, findet im Kreis der Künstler vor der Post eine Rückzugmöglichkeit. Auf der anderen Seite ist das Löwen-Center an Hässlichkeit m.E. kaum zu überbieten. Anziehend und somit wieder attraktiv ist aber die Wurstbude, die gemauerten Steinhügel und die Stuhlkreise um die Bäume herum. Dort sind immer Menschen, die sich unterhalten, gemeinsam essen und sich ausruhen. Das zieht sich eigentlich so weiter bis zur Bushaltestelle am Marktplatz. Es dürfte schwer werden, auf diesem Stück Hauptstraße alleine zu sein. Hier findet Kommunikation statt, wohin man schaut.

Der Marktplatz.
Dieses Stückchen Zentrum ist eigentlich das Sahnestück der Stadt. Mit den umliegenden Gebäuden ist hier viel Stadtgeschichte zu finden. Natürlich muss der Platz frei bleiben für Veranstaltungen. Natürlich gibt des dort einen Imbiss, ein Restaurant wo man draußen sitzen kann, aber am schönsten ist es doch, auf den Steintreppen am Brunnen zu sitzen, sich bei heißem Wetter nassspritzen zu lassen und seine Fritten oder ein Eis genau dort zu essen.

Weiterer Verlauf bis zum Forum.
Außer der Eisdiele gibt es dort keine weiteren anziehenden Punkte, es sei denn man hat dort sein Lieblingsgeschäft. Aber zum längeren Aufenthalt lädt dort nicht mehr viel ein.

Abseits der Hauptstraße: Forumspark, Park der Villa Zanders
Beide Parks haben ihre Besonderheiten. Der Forumspark mit seinen wunderschönen großen Bäumen, der Zanders-Park mit der offen gelegten Strunde und den zahlreichen blühenden Sträuchern. Beide Parks laden mich eigentlich ein, mich dort mit dem Hund auf die Wiese zu setzen. Aber ich hab mich das noch nie getraut. Ich bin ziemlich sicher, dass mich ein Ordnunghüter aufscheuchen und verjagen würde. Bergisch Gladbach macht auf mich den Eindruck “man sitz hier nicht gammelig auf Wiesen sondern ordentlich auf den Bänken”.

Abseits der Hauptstraße: Bahnhofsplatz
Und der neu angelegte Bahnhofsplatz? Ich bin etwas erschüttert über das, was dort entstanden ist und hoffe, dass das noch nicht fertig ist.

Zum Schluss meine Meinung und mein Empfinden zum Pflaster der Fußgängerzone.
Das Pflaster passt optisch zur Stadt. Es sieht ganz einfach schön aus. Trotzdem bin ich froh, dass es weg kommt. Denn es ist nicht mehr behindertengerecht, es ist nicht mehr sicher zu begehen für alte Mitmenschen, es ist auch zum Versicherungsproblem geworden. Es soll und muss erneuert werden. Die Bürger durften sich an der Auswahl des neuen Belages beteiligen. Aber ich gehe davon aus, dass sich anhand der Muster kaum jemand vorstellen kann, wie das Pflaster auf den großen Flächen der Fußgängerzone wirken wird. Möglich dass es anschließend überall so aussehen wird, wie um die Rhein-Berg-Galerie herum: Steril, kalt, unpersönlich.

Zusammenfassend könnte man sagen, dass die anziehenden und somit attraktiven Stellen für Besucher und Bewohner der Innenstadt klein und wenige sind. Ich habe die Befürchtung, dass sie nach der Sanierung der Fußgängerzone noch kleiner und noch weniger sein werden.

Evelyn Barth

(Frau Wirrkopf) Seit 1980 bin ich Bürger dieser Stadt, das ist fast mein halbes Leben. Nach 6 Jahren Hartz IV genieße ich nun seit Herbst 2012 meine wohlverdiente Rente. Ich lebe gerne hier. Daran, dass ich mehr Zeit als Geld habe, hat sich aber auch mit der Rente nichts geändert. Darum bin ich mit...

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2 Kommentare

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  1. Ich bin schon oft über dieses urige und alte Kopfsteinpflaster gelaufen. Bisher hat es mich nicht gestört und Knochen gebrochen habe ich mir dort auch nicht.
    Statt nun hier neues Pflaster zu verlegen bzw. zu betonieren sollte man das ohnehin schon knappe Geld (auch wenn es aus Landesmitteln stammt) an anderer Stelle einsetzen, wo es dringender von Nöten ist….
    Was ist eigentlich aus den zahlreichen Schlaglöchern auf unseren Straßen geworden?