Nichts geht über Routinen und Gewohnheiten. Wer sich an jeder Ecke neu entscheiden muss, kommt nicht voran.

Der Blick über den Markt zum Rathaus. Hier findet jeder “seinen” Stand.

Einer ziemlich festgefahrenen Routine folgt auch unser samstägliche Besuch auf dem Wochenmarkt in Bergisch Gladbach. Wir kaufen zwar nicht immer dasselbe – aber was wir kaufen, kaufen wir fast immer bei den selben Markthändlern. Im Laufe der Zeit sind wir bei den meisten von ihnen Stammkunden geworden. Was aber nicht heißt, dass wir nicht gerne neue Stände entdecken – die ja vielleicht Teil der Routine werden können.

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Achtung: heute, Pfingstsamstag, findet der Markt in der Fußgängerzone statt.
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Letzens zum Beispiel war mal wieder ein ganz typischer Markttag. Eigentlich wollen wir ja vor neun Uhr unsere Runde drehen. Das spart Parkgebühr und Zeit, weil es noch angenehm leer ist. Aber wie meistens war es dann doch schon nach neun, bevor wir überhaupt loslegen konnten.

Nicht grün. Sondern hellgelb. Aber grasgrünen Gouda gibt es auch: mit Pesto

Zunächst, weil noch mit nüchternem Magen, geht es zum Kaaskönig. Junger Gouda wandert immer in den Einkaufskorb, derzeit noch in Form ders Graskaas. Dazu eine der Spezialitäten: Kreuzkümmel? Ziegengouda? Nein, heute ein Stück Italiano, mit Oliven und Tomaten. Dabei wird natürlich Bekanntes und Unbekanntes probiert, was freundlicherweise in kleinen Würfeln bereitssteht.

Kleiner Stand. Köstliches Brot

Anschließend geht es zwei Meter nach links, zum noch relativ neuen, kleinen Bäckerstand. Während wir hier noch diskutieren (ein Steinofenbrot oder lieber das mit Oliven, den Blatz mit oder ohne Rosinen?), kosten wir von den Brotstückchen, mit Butter und sehr lecker.

Mit einem Blatz (mit Rosinen) im Korb und einigermaßen gestärkt geht es zwei Schritte zum Schlachter unseres Vertrauen, den Marktmetzger Jörg Wedermann in seinem schmucken roten Verkaufswagen. Mit dieser Vorliebe sind wir nicht allein, hier gibt es schon mal längere Schlangen und ein wenig Gedrängel von ganz rechts außen.

Aber Jörg hat seine Damen gut im Griff und immer einen Spruch auf dem Lippen. So mancher Gladbacher kauft sich ja hier kiloweise Aufschnitt, da sind wir etwas selektiver: Ardenner Schinken, die milde Variante, Leber- oder manchmal auch Blutwurst, etwas Braten und Fleischwurst – und gerne auch noch den hausgemachten, wirklich guten Fleischsalat.

Nicht ganz so einfach ist die Qual der Wahl bei den Gemüseständen. Die “Apotheken” hin in Richtung Paas meiden wir, ebenso meistens den Biostand mit den sehr netten Verkäufern, aber auch (sicherlich angemessen) hohen Preisen. Das Gemüse kommt bei uns sowieso als Biokiste frei Haus, aber beim Obst ist der Bedarf jede Woche groß. Daher steuern wir meistens den Stand von Ingo, ziemlich in der Mitte des Marktplatzes, an. Die Preise sind günstig, und wenn man ein wenig aufpasst, was in der Tüte landet, bekommt man gute Qualität. Wir nehmen immer Bananen – und der Rest je nach Saison. Heute leisten wir uns ein Ananas, die ersten Kirschen, Birnen. Dazu Champignons und ein Bund Ruccola. Kopfsalat, Tomaten, Gurke – diese Woche ausnahmsweise mal nicht.

Ingos Stand – und seine Frauen. Ok, das Bild ist aus dem Archiv, daher sind die Bäume kahl.

Ingos Erdbeeren sind heute billig – aber schon ziemlich überreif.  Daher weichen wir nach gegenüber aus, zum Gemüsehandel Thull – wo wir ohnehin immer den Spargel kaufen – und es heute wunderbare Erdbeeren für zwei Euro die Schale gibt.

Damit ist die Runde aber noch immer nicht vorbei. Eine noch relativ frische Adresse ist Flemms Oase, direkt neben der Papierschöpferfigur vor der Villa Zanders. Marita und Daniel Flemm aus Kürten-Enkeln drängen einem die Kostproben von Käse, Wurst, Gebäck und anderen Leckereien geradezu auf; die Kinder tun sich an “toten Pferden” (aus Fruchtgummi) gütlich. Hier wandern etwas Frischkäse (gerne mit Paprika, aber auch die Variante mit Kräutern oder Cranberrys sind gut), etwas Spezialaufschnitt (Lammfleischwurst, Tafelspitz) und noch ein paar Zimtweckchen in den Korb. Inzwischen schon gut beladen und gesättigt geht es weiter, zum Finale.

Die Kartoffeln aus der Biokiste sind schon wieder alle. Also beim Goldnieren-Stand vorbei, 2,5 Kilo von den Festkochenden. Was sonst. Nur gut, dass der Vater (wie fast immer) von seinen drei Pänz begleitet wird. Das hebt nicht nur die Laune und Großzügigkeit der Markthändler – sondern ist auch beim Abtransport der Beute bitter nötig.

Beim Kräuterstand muss rasch der Curry-Bestand aufgefüllt werden, die Kinder kaufen sich eine Tüte Salbeibonbons. Gut! Trotz Zucker sehr gesund.

Schönen Dank an die Waldwichtel für die Tipps.
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Beim Feinkoststand der Familie Kilic gibt es traditionsgemäß ein kleines Fladenbrot oder einen Sesamring, dazu oft als Geschenk für die (gar nicht mehr so) Kleinen eine Aprikose oder sonst was Nettes. Die sehr leckeren Oliven, Pasten und türkischen Gebäckspezialitäten lassen wir heute allerdings aus; und auch am Plätzchenparadies gegenüber kommen wir unbeschadet vorbei.

Beim Nusshändler (nicht aus dem Iran, aus Persien!) holen wir uns ein Tütchen getrockneter Berberitzen und eine Tüte persischer Rosinen (“Die besten der Welt!”).

Glückliche Hühner …

So, jetzt noch rasch zu Bauer Steffens, “zehn große Freilaufende” (Eier, was sonst), ein Paket von der Hühnchenbrust und ein Paket Schwarzbrot mit Pflaumen. Sonst kaufen wir hier ja auch unsere Wochenration von vier Kilo Äpfeln – aber die Ernte vom Vorjahr ist ausverkauft, und jetzt gilt es eine Durststrecke zu überwinden.

Johannes Pütz teilt einen Parmesan-Laib

Apropos Durst – höchste Zeit für einen Kaffee. Den gibt es gleich gegenüber. Bei beim Feinkosthändler Johannes Pütz leisten wir uns einen Cappuchino, drei Kinder-Cappuchino und ein “kleines Frühstück”: vier Scheiben Ciabattine mit Frischkäse und Salami. Ein Glas Wasser gibt es kostenlos dazu. Schönen Dank.

Ein kleiner Tipp nebenbei: Wenn Sie Ihren Marktbesuch mit einem richtigen, kräftigen Frühstück verbinden wollen, dann sollten Sie sich das Frühstücksbüffet im Bergischen Löwen genehmigen. Reichhaltig, ungewöhnlich, preiswert – und derzeit sogar draußen genießen.

zu Klein. Und fein

Ganz zum Schluss kaufen wir noch ein paar Blümchen beim freundlichen Duo vor dem öffentlichen Bücherschrank: “Weiße Pfingstrosen, bitte. Nein danke, ein Bund genügt.”

Hebborner Waldwichtel

Wir wohnen in Hebborn und erkunden von hier aus das Bergische Land. Mal zu Fuß, mal mit dem Fahrrad. Mal mit GPS, mal ohne. Mit Kindern, meistens. Mit Hund, immer.

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1 Kommentar

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  1. Danke für diesen herrlichen Bericht über unseren Wochenmarkt mit den schönen Fotos. Mir gefällt er nämlich auch sehr gut. Leider kann ich mir die Einkäufe dort seit meinem “Umzug in den Hartz” nicht mehr so oft leisten, aber dem erwähnten Kartoffelhändler bleib ich treu auf ewig. Er hat die besten der Welt. :o) Mein Gemüse kauf ich oft beim alten Bauer Broicher. Das ist preiswert, gut und lecker, auch wenn es optisch nicht immer so perfekt aussieht. Aber dort hab ich mich noch nie geärgert. Bei den “Apotheken” ist das allerdings schon vorgekommen.