Der gute alte Schnecken-Brunnen

Ah, mehr Leute, als ich dachte. Dabei ist es ziemlich sicher, dass es mich gar nicht mehr gibt. Auf jeden Fall sieht man mich nicht mehr. In der Öffentlichkeit. Ob vielleicht an einem verborgenen Ort, das weiß man nicht. Vielleicht ja auch im Garten eines Honoratioren, oder wie man die nennen will, die mehr wissen als die anderen.

Als bei der Stadtverwaltung nachgefragt wurde nach meiner Zukunft, erfolgte keine Antwort, so dass man schon das Schlimmste befürchten konnte. Warum sollte es mir auch besser gehen als dem zwar versprochenen, aber noch gar nicht existierenden am Bahnhof?

Wenn der Pech hat, wird er das gleiche Schicksal erleben wie ich. Hätte ich doch einen Sponsor gefunden wie der auf dem Marktplatz, dann hätte ich nicht nur eine Existenz, sondern zusätzlich auch noch Wasser. Aber so viele Leute, die in dieser Stadt zu wenig Gewerbesteuer zahlen, um dann nachher mit ein paar Peanuts als die großen Wohltäter auftreten zu können, gibt es vielleicht auch wieder nicht.

Also keine Chance? Meine Form entsprach wohl auch nicht mehr dem Zeitgeist. Die Form einer Schnecke! Wo bleibt denn da die allseits begehrte Schnelllebigkeit? Von der für die Neugestaltung der Innenstadt geforderten Geradlinigkeit ganz zu schweigen.

Und aus Beton hätte es sowieso keinen Ersatz für mich gegeben. Dazu wäre ich auch zu stolz gewesen. Aber wer weiß, vielleicht gibt es mich ja doch noch –irgendwo. Oder?

Vielleicht weiß einer der Leser etwas über mich.

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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