Liebe Leserin, lieber Leser,

2021 war ein hartes Jahr. Ein Jahr, in dem wir Sie schnell und zuverlässig informiert haben. Zu Corona, zur Lokalpolitik und zu anderen wichtigen Themen. 

Ein Jahr, in dem wir Sie unterhalten haben, mit dem #Kulturkurier, großen Geschichten, eindrucksvollen Panoramatouren, Serien und tollen Fotos.

Ein Jahr, in dem wir uns für die lokale Kultur, für die Gastronomie sowie den Handel eingesetzt und immer wieder klar Position bezogen haben.

Damit wir 2022 auf diesem Niveau und einem stabilen Fundament weitermachen können, haben wir ein Anliegen:

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit. Den Betrag können Sie frei wählen, ab 5 Euro im Monat. 

Als gemeinsamer Kandidat von CDU und FDP war Bürgermeister Lutz Urbach mit dem Versprechen angetreten, „Bergisch Gladbach zur familienfreundlichsten Großstadt in Nordrhein-Westfalen zu machen“. Kinderinteressen ganz oben auf der Agenda, bei dieser „Herzensangelegenheit“ kommt jetzt Arbeit auf den Bürgermeister zu.

Denn bei der Kindersicherheit im Verkehr kommt Bergisch Gladbach nicht voran, ganz im Gegenteil. In einem Mitte Juni vom Verkehrsclub VCD vorgelegten Vergleich aller aller deutschen Großstädte schneidet Bergisch Gladbach nicht gut ab, in den untersuchten Jahren 2007 bis 2011 nahm die Zahl verunglückter Kinder zu. (hier geht es zum VCD-Vergleich)

Kinder mehr gefährdet

Der Verkehrsclub analysierte in 76 Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern, wie es um die Verkehrssicherheit für Kinder und Jugendliche bestellt ist. Weil Kinder und Jugendliche sehr unterschiedlich gefährdet sind, wurden die Gruppen getrennt ausgewertet

Für Bergisch Gladbach ergibt sich ein gegenläufiges Bild: Bei den Kindern ist die durchschnittliche Verunglücktenrate mit 2,61 pro tausend Kinder etwas niedriger als der Durchschnittswert von Städten ähnlicher Größe. Dieser liegt bei 3,2. Alarmierend ist aber, dass sich die Verunglücktenrate in den vergangenen Jahren nachteilig entwickelt hat, laut VCD ist sie um 6,8 Prozent gestiegen.

Bei den Jugendlichen (15 bis 17 Jahre) ist es genau entgegengesetzt: Hier ermittelte der VCD ein relativ hohe Verunglücktenrate (9,86 in Bergisch Gladbach gegenüber 9,1 durchschnittlich in Städten vergleichbarer Größe), die sich aber positiv entwickelt hat (minus 7,4 Prozent).

vcd_

In einem 26-seitigen Hintergrundpapier werden Methodik und Ergebnisse ausführlich erläutert. Interessantes Detail am Rande: In Deutschland verunglücken Kinder im Verkehr fünf bis neunmal so häufig wie in Holland oder Dänemark.

Generell 30

Kurzfristig helfen, könnte die Maximalgeschwindigkeit des Autoverkehrs zu senken. Viele Verkehrsexperten – jüngst von der SPD-Bundestagsfraktion – aber auch der wissenschaftliche Beirat des Bundesverkehrsministers, empfehlen, Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Städten einzuführen.

Tempo30_In_der_Auen_Refrath

Eine Initiative kämpfte jahrelang für Tempo 30 in Refrath „In der Auen/Benningsfeld“, jetzt ist es Realität.

Der Vorschlag hat zum Ziel, dass überall nur noch 30 statt 50 gefahren werden darf, es sei denn – für wenige Hauptstraßen mit wenig Fußgänger- und Fahrradverkehr – werde als Ausnahme Tempo 50 erlaubt. Der Zeitverlust ist weit geringer, als von vielen befürchtet. Tatsächlich beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit in Städten kaum 20 Stundenkilometer, außerdem fließt der Verkehr bei Tempo 30 gleichmäßiger.

Wenn sich dennoch ein kleiner Zeitverlust ergibt, stünde dem ein erheblicher Sicherheitsgewinn gegenüber. Erfahrungen mit Tempo-30-Zonen zeigen, dass die Unfallzahlen um 15 bis 40 sinken, bei Fußgängern und Radfahrern sogar um rund 70 Prozent. Der Grund ist einleuchtend: Bei Tempo 30 steht ein Auto nach 13 Metern, wegen der Reaktionszeit ist ein 50 km/h schnelles Auto aber noch ungebremst unterwegs.

Kinder auf Freizeitwegen besonders gefährdet

Häufig stehen Schulwege im Mittelpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit. Der VCD hat sich am Beispiel Hamm genauer angeschaut, wo, wie und wann Kinder verunglücken: „In Hamm verunglücken Kinder vor allem auf Freizeitwegen.

Nach der Unfallschwerpunktkarte des Kinderunfallberichts verteilen sich deshalb sowohl die Fußgänger- als auch die Fahrradunfälle über das ganze Stadtgebiet und nicht nur auf die Schulwege.“ (VCD Städtecheck 2012, S. 17) Das alte Konzept, Tempo 30 nur vor Schulen und zu Schulzeiten vorzugeben, ist sicher besser als nichts, wird dem Mobilitätsdrang von Kindern aber überhaupt nicht gerecht.

Stadtentwicklungskonzept will Entschleunigung

Fussgaengerzone_Bensberg

Wer wie die Stadt von „Öffnung“ der Fußgängerzone in Bensberg spricht, verschleiert deren Abschaffung.

Das Thema Verkehr nimmt im „Integrierten Stadtentwicklungskonzept Bergisch Gladbach“ (ISEK 2030) großen Raum ein. Gefordert werden eine strategische Neuausrichtung der Verkehrplanung. Davon ist derzeit hier wenig zu erkennen. Die geplante Aufgabe der Bensberger Fußgängerzone ist das glatte Gegenteil der im Stadtentwicklungskonzept skizzierten Ideen.

Ein zentraler Projektbaustein im ISEK ist für die Stadtentwickler die Etablierung einer zukünftigen Mobilitätskultur. Konkret genannt wird das Thema „Entschleunigung“. Mit Verabschiedung des ISEK durch den Stadtrat im Februar gehört das Thema nun zur politischen Agenda der Strundestadt. Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, einen integrierten Verkehrsentwicklungsplan vorzulegen. Darin sollten Antworten zum Thema „Entschleunigung“ zu finden sein.

Ein Zeichen für Tempo 30

Der Verkehrsclub VCD fordert, dass Tempo 30 in geschlossenen Ortschaften als Regelgeschwindigkeit eingeführt wird – überall dort, wo Tempo 50 nicht zwingend notwendig ist. Denn mit Tempo 30 sei es sicherer, ruhiger und schöner. „Tempo 30 bedeutet mehr Leben für uns alle,“ schreibt der Verkehrsclub auf seiner Aktions-Internetseite und ruft dazu auf, die Initiative durch eine elektronische Unterschrift zu unterstützen. Die Aktion soll der Europäischen Bürgerinitiative zu „Tempo 30km/h in Städten und Dörfern“ den nötigen Rückenwind geben.

Weitere Informationen:

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

1 Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. „Ob eine Stadt zivilisiert ist, hängt nicht von der Zahl ihrer Schnellstraßen ab, sondern davon, ob ein Kind auf dem Dreirad unbeschwert überall hinkommt“, Enrique Peñalosa