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Wie gestern in der Presseschau berichtet wurde, soll Bergisch Gladbach Modellstadt in Sachen Mobilität werden. Ziel der Förderung ist es Anreize zu schaffen,

Bürgerinnen und Bürger aus eigenem Antrieb weg vom motorisierten Individualverkehr hin zum öffentlichen Personenverkehr und zu anderen alternativen Formen der Fortbewegung im städtischen Raum zu bringen.”

Voraussetzung dafür, dass diese Alternativen auch angenommen werden, ist jedoch ihre gefahrlose und bequeme Nutzung. Da passt es schlecht ins Bild, wenn man als Fußgänger und Radfahrer in Bergisch Gladbach nur Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse ist.

So habe ich im Ausschuss für Anregungen und Beschwerden angeregt, die “untere” Hauptstraße, zwischen Dechant-Müller-Straße und Driescher Kreisel als “verkehrsberuhigten Geschäftsbereich” mit 20km/h Höchstgeschwindigkeit auszuweisen. (Der Ausschuss tagt heute um 17 Uhr im Rathaus Bensberg, Tagesordnung s.u.)

Beweggründe:

Mit Umbau der Verkehrsführung an der Einmündung zur Dechant-Müller-Straße und der wieder in beide Fahrtrichtungen nutzbareren Kalkstraße hat die Hauptstraße in diesem
Bereich ihre Funktion im innerörtlichen Vorfahrtsstraßennetz und ihre Bedeutung für den Durchgangsverkehr verloren.

Die bauliche Beschaffenheit, wie z.B. die Fahrbahnbreite in Kombination der beidseitigen Parktaschen, lässt ein Erreichen der innerörtlichen Höchstgeschwindigkeit schon auf Grund des §3 StVO nicht zu. Da die Straßenverkehrsordnung allerdings keine scharfe Definition zur angepassten Geschwindigkeit liefert, kann ein Verstoß gegen dieses Gebot
allerdings praktisch nicht sanktioniert werden, so dass manche Verkehrsteilnehmer dieses Gebot dort auch gern mal ignorieren.

Durch die auf beiden Straßenseiten gegebenen Parkmöglichkeiten existiert auch ein erhöhter Querungsbedarf durch die dort ein- und aussteigenden Passanten, welche durch eine Reduktion der dort erlaubten Geschwindigkeit besonders profitieren würden.


Dies würde wiederum die Attraktivität der in der “Unteren” Hauptstraße angesiedelten Geschäfte erhöhen, da diese leichter und gefahrloser von der jeweils anderen Fahrbahnseite erreichbar werden. – Das geringere Lärmaufkommen durch wegfallendes Hochbeschleunigen, dürfte die Aufenthaltsqualität dort ebenfalls steigern.

Des Weiteren befindet sich auf der Fahrbahn der Hauptstraße eine Haltestelle an der Busse nicht überholt werden können und es hierdurch auch des Öfteren mal zu einem Rückstau kommen kann, welcher dann bis zur Dechant-Müller-Straße zurückreicht. Dabei wird dann auch dort der Verkehrsfluss eingeschränkt. Auch aus diesem Grund hielt ich es für wünschenswert die Hauptstraße für Durchgangsverkehr, welcher durch sie abkürzen möchte, unattraktiver zu machen.

Hinzufügen möchte ich noch, dass die seitlichen Gehwege eine so geringe Breite haben, dass die Anlage normgerechter Radwege nicht möglich war und es dadurch auf den alten Radverkehrsmarkierungen hier auch immer wieder zu Unfällen, z.B durch sich öffnende Autotüren oder Konflikten mit Fußgängern kam. Die kürzlich verunglückte Radfahrerin war übrigens illegalerweise auf dem in Richtung Dellbrück linksseitigem Gehweg unterwegs!

Ich gebe zu, dass man dort als legal auf der Fahrbahn fahrender Radfahrer schon ein dickes Fell braucht, da ich dort auch schon bei einem Tempo von knapp 40km/h angehupt worden bin.  Ich hielt natürlich angemessenen Abstand zu den auf beiden Fahrbahnseiten parkenden KFZ.

Selbst mit dem Auto erlebt man Nötigungsversuche, sofern man dort “nur” 30km/h fährt.

Auf von mir zu verschiedenen Zeiten gemachten Videos fuhren ca. 70% aller aus Richtung Dellbrück kommenden KFZ durch die Hauptstraße, – wenn man die Fahrzeuge, die aus der Dechant-Müller-Straße kommend in die Hauptstraße abbiegen hinzuzieht waren es 75%.

Warum fährt die Mehrheit weiterhin durch die Hauptstraße?

Folgende Punkte fallen ins Auge:

  • Zunächst einmal ist der Weg über die Dechant-Müller-Straße länger.
  • Die Dechant-Müller-Straße ist auf 30km/h limitiert und an der Kreuzung zur Kalkstraße ist eine Ampel – wenn diese rot ist, erhöht dies nochmal die Tendenz der Ortskundigen die Hauptstraße zu nutzen.
  • Routenplaner (selbt Google-Maps) haben teilweise die Kalkstraße als Einbahnstraße markiert, so das Ortsfremde durch die Hauptstraße gelotst werden.
  • Schlußendlich verfügt der Driescher Kreisel auch noch über einen Bypass in Richtung Odenthal. Nach meinem Emfpinden eine grandiose Fehlentscheidung in der Planung: da Bypässe den größten Vorteil von Kreisverkehren, nämlich die Veringerung der konflikträchtigen Knotenpunkte ad Absurdum führen und damit Unfallgefahren heraufbeschwören. Leider scheint das sich an diesem Kreisel auch zu bestätigen. Eine Reduzierung der Geschwindigkeit kann auch hier zu Sicherheitsvorteilen führen.

Bauliche Voraussetzungen eines verkehrsberuhigten Geschäftbereichs

Die Stadtverwaltung weißt in ihrer Ablehnung meines Vorschlages auf die hohen Kosten für Planung und Umgestaltung der “unteren” Hauptstraße hin.

Meines Wissens sind die baulichen Vorraussetzungen für verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche mit denen von Tempo 30-Zonen identisch.

Das heißt:

  • Die Fahrbahn muss in Fahr- und Gehbereich aufgeteilt sein. – Dies ist gegeben. (In der ehemaligen Bensberger Fußgängerzone mussten deshalb Fahrbahnmarkierungen aufgebracht werden.)
  • An Kreuzungen gilt “rechts vor links” – Auf diesem Abschnitt gibt es keine Kreuzungen.
  • Parkflächen müssen gekennzeichnet sein. – Dies ist hier der Fall
  • Benutzungspflichtige Radverkehrsanlagen sind nicht gestattet. – Diese sind nicht vorhanden.
  • Lediglich an Anfang und Ende ist die entsprechende Beschilderung aufzustellen.

Weitere Umgestaltungen mögen aus optischen Gründen wünschenswert sein, verkehrsrechtlich notwendig sind sie nach meinem Kenntnisstand nicht.

Gegenargumente der Stadt

Als weiteres Gegenargument führt die Stadtverwaltung sich an den der Hauptstraße anschließenden Straßen befindliche Rad- und Fußwege an, welche einer Planungsänderung bedürften. Dort sind mir keine Radwege bekannt, zumindest keine die heutigen Rechtsnormen entsprechen würden.

Abschließend verweist die Stadtverwaltung auf den Kosten-Nutzen-Aspekt, den sie nicht gegeben sieht.

Da frage ich mich, welchen Wert der Mensch in Bergisch Gladbach hat?

Es scheint, als ginge es bei dem Modellprojekt lediglich um das abgrasen der 93.000 Euro Fördermittel.

Von einem “weg vom motorisierten Individualverkehr” ist bei solcher Argumentation nur wenig zu verspüren.

Weitere Informationen:

Holger M.

Familienvater, Angestellter in Köln, seit 8 Jahren in GL. Passionierter Radfahrer

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4 Kommentare

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  1. Neben der von Holger M. skizzierten Lösung könnte man auch prüfen, die untere Hauptstraße als Fahrradstraße auszuweisen. Die geplante Radstation am S-Bahnhof ist aus Richtung Gronau mit dem Fahrrad kaum auf sicheren und zugleich attraktiven Wegen zu erreichen. Als Test empfehle ich eine Radtour mit Kindern im Schlepptau von der Gemeinschaftsgrundschule Gronau zum Adenauerplatz. Geradezu abenteuerlich ist die Situation zwischen FHDW und unterer Hauptstraße. Dies kommt als Argument noch hinzu. Wenn man nicht bald was tut, droht die Radstation eine „Spinne ohne Netz“ zu werden, wie es die Landeszeitung kürzlich ausdrückte. Es böte sich an, den Bau der Radstation als Initialzündung für eine Radverkehrsoffensive zu nutzen. Möglicherweise könnte das VRS-Projekt dabei unterstützend wirken, eine Mitgliedschaft in der AGFS (Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen e.V.) sicherlich ebenso.

  2. Es muss in meinen ersten Post übrigens „nicht“ der schönste Fleck heißen ;-)

    Herr Müller, wir wollen diese Aspekte daher auch im Verkehrsausschuss erörtern!

  3. Wie ich in meinem Text erörtert habe, ist nach meinem Kenntnisstand keinerlei Umbau notwendig, da die untere Hauptstraße alle Vorraussetzungen bereits erfüllt. Die Änderung der VwV-StVO im Jahre 2001 hat die Einrichtung solcher Zonen wesentlich erleichtert. – Der Vorstandsvorsitzende des VCD-Landesverbandes Bayern hat mir dies bestätigt, – weitere kompetente Stimmen konnte ich nicht in der kürze der Zeit nicht einholen.

    Jedenfalls bin ich gespannt, welche weiteren Voraussetzungen zu den von mir genannten die Stadtverwaltung heute Abend vorbringt.

  4. Die untere Hauptstraße ist tatsächlich nicht der der schönste Fleck der Stadtmitte. Langfristig muss/sollte sich hier etwas tun. Ob in Zeiten klammer Kassen dieser Bereich Priorität hat, glaube ich allerdings nicht. Geld für Umbauten ist endlich und wir haben viele andere Dinge, die wichtiger sind.
    Damit möchte ich aber nicht die Notwendigkeit absprechen, dort etwas zu verbessern. Der Gesamtverkehr sollte außen rumfahren. Tun aber die wenigsten, das habe ich mehrfach beobachtet.
    Ich werde heute im AAB vorschlagen, das Thema in den Verkehrsausschuss zu verschieben, um dort Lösungen ergebnisoffen zu diskutieren.

    Lennart Höring, stv. Vorsitzender des AAB