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Wer die Berichterstattung zum Thema Stadtwerke verfolgt, meint die Eurozeichen in den Augen der führenden Politiker schon leuchten zu sehen. Von mehr als vier Millionen Euro ist die Rede, die die Stadtwerke jedes Jahr abwerfen könnten, um künftig dabei zu helfen, das riesige Haushaltsloch Bergisch Gladbachs zu schließen.

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Doch woher sollen diese Überschüsse kommen, wenn nicht von uns Bürger als Strom-, Gas- und Wasserkunden? Offenbar wird angenommen, dass wir alle dem örtlichen Versorger die Treue halten.

Weder grün noch günstig

Viele Gründe dafür gibt es eigentlich weder bei der Belkaw noch bei Stadtwerken, die vor allem auf Bürgers Geld scharf sind. Der Belkaw-Strom zum Beispiel erscheint derzeit weder besonders grün noch besonders günstig zu sein und nichts deutet darauf hin, dass das bei einem künftigen städtischen Versorger anders sein könnte.

Der Tarifrechner von Verivox spuckt bei einem Schnelltest 35 Angebote aus, die günstiger sind als der Belkaw-Tarif “FairRegio basis”. Als besonders grün ist der Rheinenergie-Belkaw-Strom auch nicht bekannt, was ein Blick auf die Stromrechnung bestätigt. Die Grünstromtarife wurden beim letzten Ökostromtest der Stiftung Warentest nicht geprüft.

Bürgerwerke

Die Bürger könnten etwas ganz anderes wollen. Anderenorts gründen sich Energiegenossenschaften, wird die Rekommunalisierung zur Gründung von Bürger-Stadtwerken genutzt. Ziel ist oft eine “Energiewende von unten”. Nicht virtuelle grüne Elektronen sollen aus der Steckdose fließen, sondern solche, die nachweislich vor Ort – unter Beteiligung der Bürger – produziert werden.

Solche Bürgerversorger kümmern sich um Solarkataster, Blockheizkraftwerke, Nahwärmenetze, Naturenergie-Contracting, Klimaschutz und Energiesparinitiativen für kommunale Gebäude. Die politische Diskussion wird unter solchen Vorzeichen geführt und nicht mit ausschließlich wirtschaftlichen Argumenten.

Nicht verwechseln – oder doch?

Solche Bürger-Versorger sind vor Ort verwurzelt. Viele werden bei der freien Wahl des Stromanbieters gerne Kunde bleiben, weil sie wissen, wo der Strom herkommt, und merken, dass sich in Sachen Energiewende und Klimaschutz was bewegt. Liefern die Stadtwerke nur irgendeinen Strom, ist der Vertrag schnell gekündigt. Und damit wären dann vielleicht auch die Überschuss-Euros für die Stadtkasse futsch.

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2 Kommentare

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  1. Hallo “Schlade”,

    ich gebe Ihnen recht und gehe noch darüber hinaus: Ohne die Bürger funktioniert GAR NICHTS. Gladbacher Stadtwerke sollen ja nicht nur diesen leeren Namen haben, sondern wirklich zum Nutzen von uns Einwohnern sein.
    Ich bin der Meinung, dass wenn die Stadt, als Mehrheitseigner neuer Stadwerke, gestalterisch in der Unternehmenspolitik mitwirkt, viele tolle und nützliche Effekt entstehen. Beispiel: Die Sadtwerke Kamen: Dort konnte über Unternehmenspolitik ein Sozialtarif für arme Menschen geschaffen werden, die Kultur und der Sport werden aus den Überschüssen gefördert und die Gesellschaft beteiligt sich an Öko-Stromprojekten (gewinnbringend). Außerdem konnte durch die dauerhaften und nachhaltigen Unternehmensüberschüsse der städtische Abfallwirtschaftsbetrieb bezuschusst werden. Die Abfallgebühren fielen somit für ALLE um 25%.

    Man kann sich vorstellen, dass die Bürger absolut überzeugt von ihren Stadtwerken sind.

    Die Preise sind nicht teuer, aber natürlich gibt es auch günstigere Online-Anbieter. Nur Vorsicht: Die arbeiten mit Vorauskasse, schicken gleich die Inkassofirmen los und haben häufig ziemlich krude Vertragsinhalt.

    Freundlichen Gruß

    Thomas Sussenburger

    Zur Info: http://www.gsw-kamen.de/unternehmen.html

  2. Lieber Schreiber,
    ja ein wesentlicher Aspekt für die Frage der Energiewende ist hier schon angesprochen. Und auch die Wirkungen auf die Bürger. Und wenn ich das jetzt noch weiter denke, sollte mir ein Politiker erklären, warum man vor 20 Jahren verkauft hat und jetzt zurückkaufen will. Wo sind die wesentlichen Änderungen die jetzt diese Millionenschwere Entscheidung erfordern. Ein klares Zukunftsprofil wie die notwendige Energiewende gibt es nicht! Aber es werden Millionengewinne erwartet, die die Kunden, und das sind die Bergisch Gladbacher über die Preise bezahlen werden. Die Diskussion bleibt spannend. Herzlichen Dank