Drei Tage beim “Fahrradwetter” auf meteo24.de dasselbe Bild: morgens ein dynamischer Radfahrer in grün, abends ein tiefrotes Rad ohne Fahrer und mit ausgeklapptem Ständer. Aber warum nicht? Schließlich gibt es für den Rückweg die S-Bahn und ein Klapp- oder Faltrad fährt im Verkehrsverbund gratis mit.

Doppelt motiviert

Keine zehn Prozent Regenrisiko. Der Weg nach Köln kann trocken zurückgelegt werden. Das motiviert, ebenso wie der “Winterpokal” der am Montag begonnen hat. Zwei Plattformen im Netz bieten diese Motivationshilfe für Mountainbiker bzw. für Rennradfahrer an. Bis zu fünf Leute bilden bis Ende März 2013 ein Team und notieren online jede Bike- und Sportaktivität im Netz.

Das motiviert, denn niemand will sein Team hängen lassen. Befreundete Teams starten zum Spaß ein virtuelles Wettradeln. Die Teams müssen bis zum 18.11.2013 feststehen – und jedes Radfahren zählt, auch auf einem “normalen” Rad.

Von großem Nutzen

Allein lässt sich der “innere Schweinehund” oft schwer überwinden. In Gemeinschaft macht Sport mehr Spaß, und sei es eine virtuelle Gemeinschaft wie beim “Winterpokal”. Das wissen auch die Krankenkassen und starten Teamaktionen wie der “Sportpartner” bei der AOK oder “Deutschland bewegt sich” von BARMER-GEK: “Gönnen Sie sich in Herbst und Winter eine Extraportion Sport. Sind Sie bei Wind und Wetter in der Natur aktiv, schützen Sie sich wirksam vor trüber Herbststimmung. Sie stärken Leistungskraft und Immunsystem”.

Und das sind nicht nur Werbefloskeln, der gesundheitliche Nutzen von Bewegung gilt als wissenschaftlich erwiesen. “Zellen fahren gerne Fahrrad” nennt das der führende Präventionsmediziner der TU München Martin Halle in seinem Buch. Die WHO und eine australische Regierungsstunde haben sogar versucht, den Nutzen der Bewegung in Dollar und Euro zu beziffern und kommen auf den erstaunlichen Wert von etwa einem Euro pro Kilometer Radfahren.

Frischer Start in den Tag

Aber darum geht es ja gar nicht, sondern um den Genuss der grünen Wege, die von der Strunde an den Rhein führen. Der Montagmorgen ist alles andere als ein grauer Novembertag: Kristallklar der Dom, der von den bergischen Höhen aus sonst so oft im Dunst abtaucht. Später am Rhein freuen sich die Augen an Licht, Kontrast und Farbe. Die Natur zaubert’s spektakulärer als Photoshop oder die HDR-Automatik der Kamera.

Am Dienstag wabert an der Diepeschrather Mühle der Nebel noch über der Pferdewiese, während nebenan das Streiflicht der Sonne die Bäume schon ins Herbstgold taucht. Hochwasser am Mutzbach zwingt zum Umweg, vorbei an Wildschweinen im Park. Später glitzern Höhenfelder See und Rhein um die Wette. Mittwoch gewinnt beim Spiel der vielen Routen nach Köln eine Strecke der Kontraste. Zuerst Natur pur quer durch Schluchter Heide, die Eggerbach-Aue, Gut Mielenforst und die Merheimer Heide, später Stadt pur in Kalk und Deutz.

Gefangen in der Blechbehausung

In Holweide quert die Route die Zufahrt zur Axa-Hauptverwaltung. Hier staut sich das Blech vor der Parkhauseinfahrt. Mir kommen die Zeilen von AutoBild-Redakteur Matthias Moetsch in den Sinn, der kürzlich mit seiner “Blechbehausung” für zwei Stunden frustriert im Berliner Stau stand. “Selten habe ich mich im Auto so dämlich und deplatziert gefühlt”, schreibt der Auto-Mann und resümiert: “In der städtischen Alltagshektik lassen sich automobile Leidenschaften höchst selten ausleben. Wer mal eine Weile Abstinenz übt, erfährt danach die Lust am Auto neu.”

Was sich doch liest, als solle man es mit der Fahrrad-Leidenschaft mal ausprobieren.
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Diese Fotos hatte unser Autor im vergangenen Winter geliefert. Aber sie liefern die richtige Motivation, sich auch jetzt auf das Rad zu schwingen.

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