Das wollte ich schon lange einmal erleben, aber es hat irgendwie nie gepasst. Ein wichtiger Grund ist einfach der, dass ich nicht mehr gerne alleine, ohne Hund, im Dunkeln durch die Stadt laufen mag. Aber ein Besuch im Schattenreich findet nun mal im Dunkeln statt und falls man von dort heil zurückkommt, muss man auch im Dunkeln irgendwie nach Hause kommen.

Für diesen Abend hatte ich genügend Begleitung zusammengesammelt. Und genügend Mut für das Abenteuer hatte ich auch. Die Eintrittkarten lagen schon seit einer Woche bereit. So machten wir uns zu viert  auf den Weg in die Stadt, in den Bergischen Löwen und dort in den Spiegelsaal.

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Wir waren nicht alleine. Als die Entführung begann, waren wir ungefähr 50 Personen. Bei rotem Licht saßen wir dort, erzählten und vergaßen über das Geplauder fast, warum wir dort waren, als uns plötzlich eine laute Stimme verstummen ließ und der „Entführer“ die Szene betrat. Der ganze Saal verstummte, alles saß still und starrte nach vorne.

Gerd J. Pohl

Gerd J. Pohl

Dort stand Gerd J. Pohl, der Puppenspieler von Bergisch Gladbach und Bensberg und erzählte uns die Geschichte “Das Verräterischen Herz” von Edgar Allan Poe. Ganz schnell zog er uns mit wortgewaltiger Stimme  in seinen Bann und nahm uns mit ins Schattenreich. Wir hatten Filme im Kopf und wagten kaum zu atmen.

Erst als er uns viele Minuten später aus der Geschichte entließ, uns begrüße und sich freute, dass so viele da waren, atmeten wir erleichtert auf und applaudierten.

Edgar Alan Poe

Edgar Alan Poe

Jeder der Anwesenden wusste, wer Edgar Allan Poe ist, aber wir erfuhren trotzdem interessantes aus dem Leben des Autors vieler Gruselgeschichten, der uns an die bösen Seiten erinnert, die in jedem von uns schlummern.

Es folgten noch die Erzählungen “Das Fass Amontillado” und “Die Maske des Roten Todes”. Ich war von beiden Geschichten gefesselt. Die Stille im Raum – kein Husten, kein Schnäuzen, kein Geraschel, man hätte eine Stecknadel fallen hören können – lässt mich annehmen, dass es allen anderen auch so ging.

Die 90 Minuten vergingen wie im Fluge. Meine Freunde, die extra aus dem Ruhrgebiet gekommen waren, haben die Fahrt nicht bereut. Gerd J. Pohls Lesungen sind uneingeschränkt zu empfehlen, wenn man Gruselgeschichten mag.

Wir haben nicht böse geträumt. Aber wir hatten Rückenschmerzen. Die Stühle im Spiegelsaal sind leider quälend. Allerdings hat uns die wirklich spannende Vorlesung das immer wieder vergessen lassen.

Meine Freunde und ich danken Gerd J. Pohl für einen wunderbaren Abend.

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  1. Danke für die schöne Rezension und das Lob! Ja, es war ein feiner, stimmungsvoller Abend, nicht zuletzt dank des aufmerksamen und humorvollen Publikums. Und Dank auch dem Bergischen Löwen, der – trotz aller finanzieller Engpässe und Streichungen im Kulturhaushalt – auch solche Abende, die naturgemäß nie “Reißer” sind, weiterhin veranstaltet. Das ist wichtig, denn von Millowitsch-Gastspielen alleine kann eine Stadt wie Bergisch Gladbach nicht leben.