Helmut Krause, Manfred Habrunner, Olaf Schmiedt

Helmut Krause, Manfred Habrunner, Olaf Schmiedt

Zehn Jahre lang hat Manfred Habrunner gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Helmut Krause die Bensberger Bank gesteuert, oft durch ziemlich raues Fahrwasser. Daher zählt der Banker bei der Pressekonferenz am Mittwoch zunächst all die politischen Probleme auf, mit der eine Bank in der Postfinanzkrise zu kämpfen hat: Niedrigzinspolitik, Regulierungswut, Wettbewerbsverzerrungen.

Aber Habrunner klagt mit einem hohen Maß an Gelassenheit. Denn erstens gibt er seinen Posten zum 31. März („minus zwei Wochen Resturlaub“) auf. Und zweitens kann er vor dem Wechsel zur weit größeren Volksbank Remscheid „mal wieder“ exzellente Zahlen vorweisen: die Bilanzsumme ist 2013 mit gut fünf Prozent kräftig gestiegen, der Ertrag trotz der widrigen Umstände stabil, Mitgliederzahl und Kundenstamm wachsen (zu den Zahlen unten mehr).

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Um es auf den Punkt zu bringen: Unter dem Strich hat die Bensberger Bank hat von der Bankenkrise und den Exzessen der großen Konkurrenten profitiert. „Weil wir Solidität ausstrahlen und wirklich vor Ort sind”, nennt Habrunner zwei Faktoren für den Erfolg der relativ kleinen Genossenschaftsbank.

Doch jetzt ist es für Habrunner, der aus dem Schwabenland gekommen war, an der Zeit, weiter zu ziehen. Auf den 20. Umzug seiner Karriere hat er jedoch keine Lust – und wird statt dessen künftig von seinem Bensberger Wohnort nach Remscheid pendeln (und weiter im Karneval aktiv bleiben).

„Stabilität in allen Kategorien“

Habrunners Nachfolger fand der Aufsichtsrat im eigenen Unternehmen. Es wäre zwar ein leichtes gewesen, mit einer Ausschreibung 50 qualifizierte externe Bewerbungen ins Haus flattern zu lassen, berichtet das zweite Vorstandsmitglied Helmut Krause. Statt dessen sei man im eigenen Institut fündig geworden. Habrunners Nachfolger habe schon für die Bensberger Bank gearbeitet, als er (Krause) vor 26 Jahren dort angefangen habe.

Der alte neue Mann: Olaf Schmiedt

Dabei ist Olaf Schmiedt erst 49 Jahre alt. Doch hatte er schon seine Ausbildung 1982 seine Ausbildung hier begonnen, war seit 1999 als Leiter für den gesamten Kreditbereich verantwortlich und fühlt sich jetzt fit für den Vorstandsposten neben Helmut Krause, der in der zweiköpfigen Spitze unverändert für die Steuerung der Bank verantwortlich ist. Schmiedt lebt mit Familie in Gronau und engagiert sich in der Bergisch Gladbacher Tafel.

Für die nächsten zehn Jahre gibt Schmiedt eine Perspektive aus, die exakt zum konservativen Profil der Bank passt: „Stabilität in allen Kategorien.“ Ganz wichtig sei aber auch, die Selbständigkeit der Bensberger Bank zu sichern. Nicht als Selbstzweck, sondern weil die Kunden und Mitglieder der Genossenschaftsbank genau deshalb bei den Bensbergern gelandet seien.

Der Druck der Genossenschaftsorganisation auf kleine Banken, sich zusammenzuschließen, sei wieder vorbei, erläutert Krause. Man habe erkannt, dass eine größere Bank nicht unbedingt eine bessere Bank sei. Die Kunden, ergänzt Schmiedt, schätzten sehr, dass man bei der Bensberger Bank direkt vor Ort Ansprechpartner finde, die eigenständig entscheiden können. Eine Fusion mit der VR Bank stehe überhaupt nicht auf der Tagesordnung.

Neugeschäft vor allem aus „Ablösungen anderer Banken“

Die Bensberger Bank gehört mit ihrer Bilanzsumme von 432 Millionen Euro (2012: 412) ins untere Mittelfeld der rund 1100 Genossenschaftsbanken in Deutschland, die im Durchschnitt auf 550 Millionen Euro kommen. Aber, so Krause, viele der großen Volksbanken verdienten relativ zur Bilanzsumme deutlich weniger als kleine.

Trotz der guten Ausgangsbedingungen werde die Bensberger Bank in den nächsten Jahren keine großen Sprünge machen, schätzen beide Vorstände die Lage ein. Große neue Gewerbegebiete gebe es weder in Bensberg noch im restlichen Geschäftsgebiet, dass „soweit reicht, wie wir vom Dach aus schauen können”. Also durchaus bis nach Köln hinein oder nach Kürten hinaus.

Neues Geschäft käme vor allem aus „Ablösungen“. Daher verbergen sich unzufriedene Geschäfts- und Privatkunden, die ihrer alten Hausbank den Rücken kehrten und zur Bensberger kommen. Auf diese Weise konnten 2012 unter dem Strich 130 neue Kunden gewonnen worden, insgesamt betreut die Bank 21.200. Auf diese Weise, so der Plan, soll die Bank auch 2014 bei der Bilanzsumme um rund fünf Prozent zulegen.

Ähnlich solide wächst die Zahl der Mitglieder, mit einem Zuwachs von netto 150 neuen Genossen im vergangenen Jahr auf jetzt 7800. Sie sollen, so der Vorschlag des Vorstands, eine Rendite von unverändert 5,6 Prozent erhalten. Das sieht zwar nach einer attraktiven Verzinsung aus – aber das Volumen ist begrenzt. Denn mehr als zehn Anteile zu jeweils 150 Euro darf niemand halten.

Die Kennziffern der Bensberger Bank im Überblick:

  • Bilanzsumme stieg 2013 um 5,1 Prozent auf 432 Millionen Euro, in den Vorjahren war sie jeweils um rund 3 Prozent gewachsen
  • das Kreditgeschäft stieg um 21,9 Millionen Euro auf 260,6 Millionen, ein Zuwachs von 9,2 Prozent; die Bensberger Bank ist vor allem in der Wohnungsbaufinanzierung tätig
  • die Kundeneinlagen erhöhten sich von 289 auf 305 Millionen Euro, allein die Sichteinlagen um 12,1 Prozent auf 173 Millionen
  • das Ergebnis der Geschäftstätigkeit liegt mit 3,4 Millionen Euro auf dem Vorjahresniveau, nach Abzug von Steuern, Rücklagen und dem Beitrag für den Fonds für allgemeine Bankrisiken bleibt ein Bilanzüberschuss von 1,4 Millionen Euro
  • die gesamten Steuerzahlungen beliefen sich 2013 auf rund 1,5 Millionen Euro

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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