VR-Vorstände Lothar Uedelhoven und Thomas Büscher

Eine Woche nach der Bensberger Bank hat die VR Bank eG Bergisch Gladbach Zahlen für das Geschäftsjahr 2013 vorgelegt – und wo die Kollegen zunächst noch auf schwierige Rahmenbedingungen hinwiesen, da schwelgen die VR-Vorstände gleich in Superlativen. „Eigentlich hatten wir gedacht, wir hätten den Zenit schon erreicht – aber unsere Zahlen für 2013 sind extrem gut und auch 2014 sind wir extrem gut gestartet“, outet sich Bankvorstand Lothar Uedelhoven als Liebhaber der Superlative.

Soviel Eigenlob macht misstrauisch. Daher sollte man sich die Zahlen genauer anschauen und der Frage nachgehen, was die VR Bank Bergisch Gladbach anders macht.

Zwei Drittel der Genossenschaftsbanken in Gefahr

Soviel ist vorweg klar: Wie die Bensberger Bank ist die VR Bank eine Genossenschaftsbank, und die haben ein grundsolides Image. Grundsätzlich könnten die Genossenschaftbanken in Deutschland daher von der Finanz- und Vertrauenskrise profitieren. Allerdings tun das längst nicht alle, einer aktuellen Studie zufolge ist bis 2018 die Wettbewerbsfähigkeit bei zwei Dritteln der Genossenschaftsbanken  in Gefahr.

Die VR Bank eG Bergisch Gladbach gehört nicht zu den kleinen Banken, mit einer Bilanzsumme von 1,144 Milliarden Euro ist sie immerhin dreimal so groß wie die Bensberger Bank und steht auf der Rangliste der 1100 Volks- und Raiffeisenbanken auf Platz 146. Im vergangenen Jahr, berichten Uedelhoven und sein Vorstandskollege Thomas Büscher, habe die Bilanzsumme um 2,94 Prozent zugelegt. Die gesamte Tätigkeit (inklusive der Geschäfte, die innerhalb des Genossenschaftsverbundes abgewickelt wurden) stieg sogar um 4,92 Prozent auf 2,42 Milliarden Euro. Dabei ist die VR Bank relativ gleichgewichtig für Privat- und Geschäftskunden tätig.

Ertrag stabil, Steuerzahlungen steigen

Der Ertrag der Bank liegt nach vorläufigen Zahlen auf dem Vorjahresnivau (2,7 Millionen Euro). Dass es der Bank gut geht, zeigt sich auch an den Steuerzahlungen: 2,3 Millionen Euro (und damit 500.000 Euro mehr als 2012) habe sie allein an Gewerbesteuer in Bergisch Gladbach, Rösrath und Overath gezahlt und gehöre in allen drei Orten zu den größten Steuerzahlern. (Weitere Zahlen finden Sie in der Tabelle unten.)

Warum die VR Bank Bergisch Gladbach besser durch die Krise gekommen ist als auch viele andere Genossenschaftsbanken, erklären Uedelhoven und Büscher mit einer „grundsoliden und stabilen“ Philosophie und einer Orientierung auf den Kunden vor Ort. „Bei uns geht kein Unternehmenskredit über den Tisch, ohne dass einer von uns beiden vor Ort war“, betont Büscher.

Hohes Eigenkapital, Kosten im Griff

Diese Solidität können die Banker auch mit Zahlen belegen. So liegt die Quote von Eigen- zu Risikokapital bei 17 Prozent, vom Gesetzgeber gefordert sind mindestens acht Prozent. Und auch bei dem Kriterum, das der oben zitierten Studie zur Wettbewerbsfähigkeit der Genossenschaftsbanken zu Grund liegt, schneidet die VR Bank sehr gut ab: Das „Cost Income Ratio“ misst das Verhältnis von Aufwand zum Ertrag. Konkret: wieviel Cent muss ein Institut ausgeben, um einen Euro zu erzielen. Wer unter 60 Prozent liegt, gilt als wettbewerbsstark, wer dagegen über 74 Prozent liegt, ist akut gefährdet.

Die VR Bank Bergisch Gladbach, verkündet Uedelhoven, liegt bei 59,5 Prozent und sei damit „eine der Top-Banken”.

Aktualisierung 20.1.2014: Die Bensberger Bank hat Angaben zur Eigenkapitalquote und zur Cost-Income-Ratio  nachgereicht. Demnach liegt der Anteil des Eigen- am Risikokapital der Bensberger mit 16,58 Prozent auf einem ähnlich starken Niveau wie bei der VR Bank. Bei der Kosten-Ertrag-Relation schneiden sie mit 64,9 Prozent nicht ganz so gut ab, liegen aber ebenfalls weit außerhalb der Gefahrenzone.

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Ein weiterer Pluspunkt der Genossenschaftsbanken (und ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal) ist die Tatsache, dass ihre Kunden auch Mitglieder werden können – und das ist bei der VR Bank immerhin jeder Zweite. Mitglied Nummer 30.000 konnte gerade begrüßt werden. Die Mitgliedschaft zahlt sich für die Genossen aus: wie im Vorjahr schlägt der Bankvorstand auch 2014 eine Dividende von sieben Prozent vor. Auf diesem Weg schüttet die Bank knapp eine Million Euro ihres Gewinns aus. Allerdings: reich wird man damit nicht, denn kein Mitglied darf mehr als zwei Anteile über jeweils 110 Euro halten. Bei der Bensberger Bank sind es immerhin zehn Anteile á 150 Euro.

Regulierungswut macht Fusionen zum Thema

Natürlich leidet auch die VR Bank in Bergisch Gladbach unter den extrem niedrigen Zinsen („darauf muss man sich dauerhaft einstellen”), kämpft gegen die Online-Konkurrenz und stöhnt über die ständig wachsende Regulierungswut der Behörden. Bei diesem Problem spricht Uedelhoven das Thema Fusionen (was die Kollegen bei der Bensberger Bank für überhaupt kein Thema halten) indirekt an: auch als mittelgroße Bank müsse man für diese Regulierungsaufgaben spezialisierte Mitarbeiter einstellen, die man dann alleine gar nicht auslasten könne.

Allerdings: aktuell denke auch die VR Bank nicht über eine Fusion nach. Allenfalls in einer Notlage irgendwann in der Zukunft könnte der Zusammenschluss mit anderen Banken in der Region eine Option sein.

Ein ganzer Wald für Herrenstrunden

Klar, dass die VR Bank großen Wert auf die Ausbildung im eigenen Haus legt und relativ viel Geld für Projekte in der Region spendet. Das waren 2013 260.000 Euro – und damit 100.000 Euro weniger als in den beiden Vorjahren. Denn dieser Betrag war 2011 und 2012 als Zustiftung in die Bürgerstiftungen geflossen, was bei der aktuellen Niedrigzinsphase  keinen Sinn mache.

Besonders Stolz sind Uedelhoven und Büscher auf ein ungewöhnliches Projekt, weil es so schön veranschauliche, wie sehr die VR Bank in der Region verwurzelt sei: für jedes neue Mitglied wird ein Baum gespendet. Demnächst ist Herrenstrunden dran – und erhält mit 2174 Bäumen gleich einen ganzen Wald.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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