Jörg Krell, Klaus Graf, Tomas M. Santillan, Michael Schubek, Peter Baeumle-Courth: fünf der sechs Kandidaten nach der Lesung. Lutz Urbach war da bereits auf dem nächsten Termin.

Seien wir ehrlich: Der konventionell laufende Politikbetrieb sieht in der Regel wenige bis überhaupt keine Leuchtfeuer des Geistes. Zwar sind die durchaus nicht verboten, aber manche Routiniers im Politgeschäft würden in mehr oder weniger geistreicher Formulierung, aber deutlich zugestehen, dass „Geist“ dort, also im politischen Betrieb, auch nichts zu suchen habe.

Denn Politik sei zum Einen das vorgeblich sachzwangbestimmte Verwalten der vielzitiert komplexen Notwendigkeiten oder Unausweichlichkeiten, zum anderen das praktisch wirksame Organisieren von Funktionsmehrheiten innerhalb des Entscheidungsapparates zu wessen Vorteil und Gunsten auch immer.

Wer Geist sucht, sollte ins Theater gehen

Dazu gesellt sich dann, zumal in Wahlkampfzeiten, gern die rhetorische demonstrative Selbstforderung, dass Politik „erklären“ müsse, den „Bürger mitnehmen“, gar „beteiligen“, dass sie „nah am Menschen“ sein solle.

Dabei fällt kaum auf, dass diese Forderungen gar keine Forderungen sein dürften – also etwas, das nicht ist, sondern erst (vielleicht) noch kommt – , sondern im Grunde Selbstverständlichkeiten demokratischer Politikwirklichkeit zu sein hätten.

Aber zurück zum „Geist“. Wer eben den suche oder, noch schlimmer, selber einbringen wolle, der solle doch die Politik damit verschonen, dafür lieber zum Beispiel, ins Theater gehen.

Als Zuschauer oder auch selber auf die Bühne. Obwohl Politik qua naturae ja auch eine Bühne ist, nur eben nicht unbedingt für den „Geist“, oft genug leider auch für´s krasse Gegenteil. Eine zuweilen verblüffend in sich selbst kreisende Machtmechanik passgenau organisierter Unvernunft. Und robuster Ignoranz.

Auf den Brettern, die dem Geist gern Heimat sind

Vergangenen Montag aber versammelte sich „die Politik“, gesellten sich die besagten sechs Bürgermeister-Kandidaten aber ´mal auf jene Bretter, die just dem „Geist“, dem offenen Horizont, dem freien Denken, den öffnenden Ideen gerne Heimat sind:

Zum Zwecke der Unterstützung des in seiner Existenz gefährdeten Theas-Theaters stellten bzw. setzten sich alle sechse nacheinander auf die Bühne, lasen und präsentierten dort selbst Gewähltes und Zusammengestelltes und zeigten – „Geist“!

Geist und Politik sind kompatibel

Georg Watzlawek hat hier auf dem Bürgerportal darüber berichtet. Und dem Zuschauer wurde klar: Geist und Politik sind kompatibel. Inmitten der heißen Wahlkampf-Phase ließen gerade die sechs politischen Front-Matadore nicht bloß erkennen, dass sie selber Geist haben, sondern auch, jeder auf seine Weise, dass ihr Geist auch auf der politischen Bühne gerne frei atmen würde – frei von ideologischem Tunnelblick, von taktischem Fraktionszwang, von fesselnden Politritualen und so genannten „Sachzwängen“ als selbst angelegter Garotte der Vernunft.

Also endlich weg damit. Wie heißt jener Befehl an die Funkentruppe: „Sidd´er so joot, un doot dat!“

Die Praxis folgte auf dem Fuße

Klaus Graf, Kandidat der Demokratie14

Soweit Wunsch und Theorie – Aber die Praxis ließ gar nicht auf sich warten. Wie sagte es Klaus Graf, Bürgermeister-Kandidat der Demokrative14 in der Anmoderation seines Beitrages:

Kultur sei gerade auch deshalb unterstützenswert, weil sie einen freien Raum für Begegnungen und Gespräche biete, aus denen neue Ideen erwachsen können.

Kultur ist ein Zubringer zur Vernunft. Und so begegneten sich noch am selben Abend und im Nachgang der gemeinsamen Theas-Lesung Lutz Urbach und Klaus Graf in virtuell engagiertem Disput über Sinn und Zweck städtischen Finanzengagements.

Kultur ist ein Zubringer zur Vernunft – Klaus Graf lädt zum Befahren ein

78 Millionen Neuschulden für den heftig diskutierten Belkaw-Deal hier, keine Mittel für das Theas-Theater da; die rechtlichen Möglichkeiten und formalen Grenzen für städtisches und auch bürgermeisterliches Handeln; das gar nicht so seltene Missverhältnis von eigentlich eigenstem Wunsch und schließlich gefangen realisierter Wirklichkeit …

Statt Theater um die Belkaw, bald Belkaw für´s Theater?

Und die neue Idee?! Nun, Klaus Graf schlug das Folgende vor: Sollte es zu keinem Bürgerbegehren gegen den Belkaw-Deal mehr kommen bzw. ein solches zuletzt nicht erfolgreich sein, …

Wie wäre es, wenn die dann künftigen neun (neun !) Belkaw-Aufsichtsratsmitglieder der Stadt Bergisch Gladbach je die Hälfte ihrer Aufwandsentschädigung für einen Zeitraum X an das Theas spendeten?! Belkaw hin, Theas her, das wäre dann eine realistische win-win-Situation. Und ein Zeichen für findigen Geist in den gern behauptet „harten Realitäten“ des politischen Geschäfts.

Natürlich bleibe es die freiwillige Entscheidung eines jeden einzelnen Aufsichtsratenden. Aber wenn der (dann amtierende) Bürgermeister zudem öffentlich eine entsprechende Empfehlung ausspräche …

Lutz Urbach

Wenn der Geist seinen Weg in die Politik findet: Do simmer dabei!

Lutz Urbach jedenfalls, selbst ja ein Freund des Theas, zeigte seine uneingeschränkte Sympathie für diesen Vorschlag eines seiner Kontrahenten. Na bitte, über die Brücke der Kultur führt so mancher Weg der Vernunft über die zahllosen Selbstfesselungen des „politisch-administrativen Komplexes“.

Zwar sind Spekulationen über mögliche neue koalitionäre Konstellationen zu weit gegriffen, zumal die Demokrative14 auch der SPD ihren selbst gewählten Platz nicht streitig machen will – aber wenn immer der Geist sich gerade in politischen Angelegenheiten zeigt: Do simmer dabei!

H-G. Ullmann

ist gebührend ratloser Bürger, gelegentlicher Zaungast am Spielfeldrand, findet interessante Gespräche ohne Scheuklappen inspirierend und bewahrt sich den Reiz (manchmal auch fassungslosen) Staunens als Mittel geistiger Ausgeglichenheit.

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