Am späten Montagabend hat Bürgermeister und CDU-Kandidat Lutz Urbach noch einen Blick auf Facebook geworfen, ein paar Kommentare ab- und einen Beitrag weiter gegeben. Dabei handelte es sich um ein sogenanntes Selfie (Selbstporträt mit dem Handy) von Klaus Graf, Bürgermeisterkandidat der Demokrative14, beim Biertrinken mit einem Freund.

Das Foto hatte Graf in seinem privaten (aber öffentlichen) Facebook-Profil veröffentlicht. Urbach „teilte“ das Foto mit einem größeren Empfängerkreis, indem er es in der offenen Facebook-Gruppe „Politik in Bergisch Gladbach“ veröffentlichte und mit einem Kommentar versah: „Der Bürgermeisterkandidat der “Demokrative”. Eher nicht mein Favorit…“

Damit löste Urbach eine hitzige Debatte aus. Die Gruppe „Politik in BGL” wird vom Bürgerportal geführt und zählt knapp 700 Mitglieder aus allen Parteien und Altersschichten. Viele davon äußerten sich in mittlerweile mehr als 260 Kommentaren. Pro oder contra Urbach, mehr oder weniger sachlich, mit kurzen und langen Kommentaren, mit echten wie verfremdeten Wahlplakaten. Im Internetjargon ein typischer „Shitstorm“.

Klaus Graf reagierte rasch: „Hallo Lutz Urbach. Das mehr oder weniger witzige Bier-Selfie mit meinem Trauzeugen und ältesten und besten Freund, den ich seit 7 Jahren nicht mehr in persona gesehen habe und der mir das aus meinen Studienzeiten geliebte Bamberger Mahrs Bräu mitbrachte, gegen mich verwenden zu wollen, ist nicht sonderlich selbstbewusst. Mal ganz nüchtern betrachtet “Bing Bong Bing….der kleine Lutz möchte aus dem Bierparadies abgeholt werden”…..

Andere Gruppenmitglieder reagierten heftiger. Die Kritik entzündete sich vor allem daran, dass Urbach ein privates Foto genutzt habe, um einen politischen Konkurrenten schlecht zu machen. Das sei schlechter Stil, seinem Amt nicht angemessen. Andere Diskutanten bezweifelten, dass der Bürgermeister das Foto tatsächlich selbst geteilt habe, verdächtigten den berühmten „Praktikanten“ bzw. empfahlen, die Social-Media-Strategie zu überdenken.

Lutz Urbach sagte dem Bürgerportal am Dienstag, Klaus Graf habe sich mit seiner Kandidatur für das Bürgermeisteramt ein Stück weit zu einer öffentlichen Person gemacht. Urbach betont, er habe den Beitrag unverändert geteilt – und zwar in der Gruppe „Politik in Bergisch Gladbach“, weil ein Bürgermeisterkandidat genau dorthin gehöre. Die ganze Aufregung könne er nicht nachvollziehen, sagt Urbach, „da habe ich mir in den vergangenen Wochen Dinge in ganz anderen Dimensionen anhören müssen.“

Informationen: Alle Beiträge zur Bürgermeisterwahl am 25.5.2014

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Korrektur: In einer ersten Fassung hieß es, Lutz Urbach sei am Montag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bensberger Kneipen gewesen. Das ist falsch, das sogenannte Kneipen-Canvassing findet erst heute wieder statt.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Der SPD Bürgermeister-Kandidat Michael Schubek lässt durch seinen Wahlkampf-Pressesprecher erklären: “Die Aktion des alten Bürgermeisters Lutz Urbach gegen Klaus Graf lehne ich klar und eindeutig ab. Das gilt sowohl für die Form als auch für den Inhalt. Aber auch für die heftigen Reaktionen von Befürwortern und Gegnern dieser Aktion habe ich kein Verständnis. Diese Art von Wahlkampf entspricht nicht meinem Verständnis von politischer Auseinandersetzung mit den politischen Wettbewerbern. Eine klare Trennung von Privatleben und Politik ist für mich eine wichtige Voraussetzung für eine sachliche Diskussion unter demokratischen Parteien. Mein Thema – mehr Bürgerbeteiligung – kann durch diese Art und Weise der Diskussion nur beschädigt werden. Mein Ziel ist es, als Bürgermeister eine sachbezogenen Debatte mit allen Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam zu führen. Persönliche Diffamierungen sind für mich indiskutabel. Meine Bitte an alle Parteien: Nur die Sache, nie die Person, sollte Gegenstand unserer politischen Äußerung sein. Als Privatperson bin ich seit 2010 bei Facebook und das wird auch nur privat bleiben.
    Olaf K. Marx
    Wahlkampf Pressesprecher

  2. Was Klaus Graf in seiner Freizeit macht, ist im wahrsten Sinne des Wortes, sein Bier. Das der alte Bürgermeister diese Spielchen macht, ist peinlich bis dumm.

  3. Sehr geeherte Wahlkämpfer und Gegenkandidaten,

    ich kann ja gut verstehen, dass die Nervosität bis zum Wahltag täglich ansteigt. Es ist gut, wenn sich die politische Auseinandersetzung bis dahin weiter zuspitzt, denn dann werden die inhaltlichen Unterschiede zwischen den Parteien deutlicher und die Entscheidungen der Wählerinnen und Wähler ehrlicher.

    Ist es nun lustig oder peinlich, dass sich die Bürgermeisterkandidaten von CDU und D14 über ein „Selfie“ echauffieren ohne dabei über Inhalte zu reden?
    Wer mitten im Wahlkampf sein eigenes biertrunkendes „Selfie“ in Facebook einstellt kann sich nicht auf Welpenschutz berufen, denn er rechnet ja mit Kommentaren unter seinem eigenem Foto. Allerdings muss er nicht damit rechnen, dass die anderen Kandidaten wie mobbende Schulkinder darüber herfallen, um den politischen Mitbewerber mit Schmutz zu bewerfen. Antworten wie „Arschwasser“ müssen aber auch nicht sein.

    Ich kann verstehen, dass die aktiven Wahlkämpfer mit einem „Tunnelblick“ durch die Stadt laufen, denn das tue ich die letzten Tage zuweilen auch. Doch glauben Sie mir, die Welt sieht ganz anders aus und besteht eben nicht nur aus Wahlkampf, Flyern und Plakaten. Fragen sie mal die Menschen in der Stadt, ob sie sich für solche Albernheiten im Netz wirklich interessieren und wie sie den Wahlkampf wahrnehmen. Die Realität sieht anders aus, als wir glauben! Also einfach mal „Tunnelblick“ abschalten und „Mensch sein“ einschalten!

    Vielleicht liegen diese Auswüchse schlicht nur daran, dass den Parteien die politischen Inhalte fehlen und den Wahlkämpfern sonst nichts mehr Sachliches einfällt.

    Lutz und Klaus, jetzt habt Ihr beide es solange in der Container-WG ausgehalten, Ihr werden es auch noch die letzten paar Tage bis zum 25. Mai 2014 durchhalten. Reißt euch etwas zusammen, ihr seit doch schon dreimal zwölf.
    … Contenance, Kinder!

    Ich jedenfalls bleibe bis zum 25 Mai 2014 und auch danach hart in der Sache aber sicher auch menschlich!

    Mit freundlichen Grüßen, Tomás M. Santillán