Der Marktplatz von Pszczyna. Fotos: Martin Rölen

Lange Zeit vor der viel beschworenen Globalisierung haben deutsche Städte zahlreiche Partnerschaften in der ganzen Welt aufgebaut. So auch Bergisch Gladbach. Von je her pflegen die Verantwortlichen der Stadt internationale Kontakte zu Städten in England, Frankreich und den Niederlanden. Die Grundidee ist so einfach wie zeitlos: Durch intensive Beziehungen der Menschen untereinander zur Völkerverständigung beitragen und für Toleranz gegenüber Anderen werben.

Dieser Leitgedanke des Miteinanders ist gerade in unserer schnelllebigen Zeit brandaktuell. So hat Bergisch Gladbach in den letzten drei Jahren neue Partnerschaften mit Ganey Tikva in Israel und Beit Jala in Palästina ins Leben gerufen. Insbesondere den jungen Menschen kann, unabhängig ihre Herkunft, Religion, politischer Überzeugung und nicht zuletzt auch ihrer finanziellen Mittel der Austausch untereinander ermöglicht werden.

Rückblick: Partnerschaften haben lange Tradition

Seit dem Jahr 1956 besteht eine Freundschaft mit Städten in England, zunächst mit Luton, neun Jahre später kam Runnymede hinzu. Partnerschaften gibt es auch mit Joinville-le-Pont in Frankreich (1960) und Bourgoin-Jallieu in Frankreich (1956), Limassol in Zypern (seit 1991), Marijampole in Litauen (1989) und seit 20 Jahren mit Pszczyna in Polen.

Viele offizielle Kontakte sind seitdem entstanden, aber auch persönliche Beziehungen. Freundschaften haben sich über die Jahre hinweg entwickelt und gefestigt. Wenn auch bereits in den neunziger Jahren Kontakte nach Polen geknüpft wurden, die Verbindungen mit Pszczyna führte bislang eher ein Schattendasein.

„Ein reges Miteinander sieht sicher anders aus“, erläutert Klaus Farber. Als ehemaliges Ratsmitglied, der lange Zeit Vorsitzender des Integrationsrates in Bergisch Gladbach war, kümmert er sich nun aktiv darum, die Kontakte in die polnische Stadt neu zu beleben.

Völkerverständigung „von unten“ mit Leben füllen

„Sicher, es gab bislang Delegationen, Arbeitstreffen, gegenseitige Besuche der Offiziellen, Feierlichkeiten und die ein oder andere gemeinsame Aktion. Erst jetzt aber kommt das Projekt so richtig in Schwung,“ schwärmt Farber von der Reise.

Als anerkannter Krakau-Experte hat er zusammen mit Pfarrer Achim Dehmel von der evangelischen Kirche zum Heilsbrunnen das Programm der Bürgerreise auf die Beine gestellt. „Zum ersten Mal sind die Menschen so richtig in Kontakt getreten.“ Mit viel Herzblut, Beharrlichkeit und Leidenschaft organisiert Farber die Treffen zwischen den Menschen beider Länder, auf allen Ebenen.

Die Reisegruppe in Pszczyna. Fotos: Martin Rölen

Ein Tag in der „Perle Oberschlesiens“

Der Besuch der Partnerstadt Pszczynas ollte, wie könnte es anders sein, mit dem Besuch beim Bürgermeister beginnen: Vorfahrt mit dem Reisebus auf dem Marktplatz, roter Teppich, Blasmusik, Eintrag ins goldene Buch, Kaffee trinken, Kuchen essen, Stadtführung, Abfahrt zurück nach Krakau. So in etwa die naive Vorstellung einiger Teilnehmer.

Es sollte alles anders kommen, ganz anders. Denn schließlich hatte man einen pensionierten Lehrer als Reiseleiter gebucht. „Wo bleibt ihr denn, wir müssen weiter. Ihr seid schließlich nicht zum Vergnügen hier“.

Nach dem ersten Treffen im Rathaus wurden die Gladbacher zunächst in verschiedene Familien aufgeteilt. Besonders spannend war das Zusammentreffen mit den polnischen Jugendlichen. Gemeinsam besichtigte man ein kleines Freilichtmuseum, ging Eis essen und plauderte nett über die gleichen Themen, die wohl alle jungen Leute auf der Welt interessieren: Schule, Freunde, Hobbys, Sport. „Die Polen können kein Fußball spielen, Podolski spielt ja schließlich für Deutschland“, so die 16jährige Lena, die selbst leidenschaftlich gerne kickt.

Kontakte in Kunst, Kultur und Religion

Weiter ging es mit der Besichtigung des Schlosses und eines urigen Museums. Hier konnten alte Druckmaschinen und altertümliche Musikinstrumente ausprobiert werden. Was für eine Kombination. Die Gruppe wurde von einer Künstlerin eingeladen, die hübsche Aquarelle malt und sich vorstellen kann, diese in Bergisch Gladbach auszustellen.

Besonders beeindruckend auch die Begrüßung des Pfarrers der einzigen evangelischen Kirche im Ort. „Obwohl unsere Gemeinde nur 1500 Mitglieder zählt, kommen jeden Sonntag fünfhundert davon in den Gottesdienst“. Was von dem Ausflug blieb, war die schöne Erfahrung, dass die Menschen in Pszczyna offen für den Dialog und neugierig auf Bergisch Gladbach sind.

Polen: Vergangenheit und Gegenwart

Die Tagestour war eingebettet in eine sechstägige Reise nach Krakau mit dem Besuch des Museums Auschwitz und des Konzentrationslagers Birkenau und die bewegende Konfrontation mit der deutschen Vergangenheit. Gleichzeitig konnten die Teilnehmer das moderne Polen kennenlernen.

Ein Auszug aus dem Programm der Reise zeigt, wie viele Eindrücke die Teilnehmer mit nach Bergisch Gladbach nehmen konnten: Abendessen mit Livemusik, Stadtführung durch Krakau, Bummel im Trendviertel Kazimierz, Jazzkonzert für Nachteulen, Besuch Museum Schindler und Besichtigung eines Salzbergwerks.

Bildungsreise mit vielen Emotionen

Sechs Tage Krakaureise mit Klaus Farber ist wie Achterbahn fahren. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Zum einen Krakau als lebendige, moderne Studentenstadt mit vielen netten Cafés kennenlernen, in der das Leben an jeder Ecke pulsiert. Eine Reise ins mittelalterliche Herz der Stadt mit etwas Geschichtsunterricht darf ebenso wenig fehlen wie die Besichtigung des weltberühmten Veit-Stoß-Altars in der Marienkirche, ein Meisterwerk aus Holz und Blattgold.Krakau macht Laune auf mehr.

Neues aus dem Arbeitskreis:
Reise nach Pszczyna im Sommer 2104
Aufbau der Kontakte mit einer Schule für Kinder mit Behinderung
Gegenbesuch im August: Bürger aus Pszczyna kommen nach Bergisch Gladbach. 
Dazu werden noch private Unterkünfte gesucht!
Die nächste Krakau-Reise findet vom 23. bis 27. September statt, 
Kosten etwa 350 € incl. Flug, Unterkunft

Zum anderen der Besuch von Auschwitz und Birkenau: Trauer, Wut, Scham, Ohnmacht – einfach unbeschreiblich grausam und unfassbar. Aber eben auch Hoffnung, denn die Begegnungen mit polnischen, gut gelaunten und neugierigen Jugendlichen in einer Partnerstadt von Bergisch Gladbach macht wieder Mut. Toleranz heißt das Zauberwort. Toleranz gegenüber “anders sein”. Eigentlich ganz einfach und noch dazu bereichernd. Das sollten wir den jungen Leuten mit auf den Weg geben!

Über den Besuch in Auschwitz hat auch Achim Dehmel ausführlich in Bild und Text berichtet

Mehr Informationen zum Arbeitskreis Städtefreundschaft Pszczyna-Bergisch Gladbach und der nächsten Reise gibt es bei Klaus Farber, E-Mail: kgfarber@t-online.de, Rufnummer: 0 22 04/6 52 66

Weitere Informationen:

Zbick

PR-Berater (Deutsche Akademie für Public Relations)

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4 Kommentare

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  1. @ Stephan Rauhut: Ja, das stimmt, wir waren in Pleß in Oberschlesien.

    @ Martin Rölen und Rainer Dlugosch: Das eine schließt das andere nicht aus. Persönlicher Kontakt auf der einen Seite und vielleicht eine eigene Facebook-Gruppe auf der anderen Seite. Das wäre doch ein prima Projekt für die Schüler beider Städte, nachdem man sich per direktem Austausch kennengelernt hat.

  2. Ich nehme an, daß die Fahrt nach Pleß in Oberschlesien ging. Warum verwenden Sie nicht den deutschen Ortsnamen für die Stadt? Sie verwenden ja auch für Krakau oder Auschwitz die deutschen Ortsbezeichnungen!!

  3. Danke, Herr Dlugosch, ich hätte ohne Sie das Haar in der Suppe, pardon, im Borschtsch nicht gefunden. Ich war einer der “Elitären”, die kürzlich Pszczyna besucht haben, habe satte 350 Euro für eine knappe Woche Polenreise bezahlt und fühle mich nun natürlich auserwählt. Spaß beiseite, eine Internetplattform ist sicher eine schöne Sache, wobei die natürlich sehr stark sprachfixiert ist und jemand, der nicht perfekt polnisch oder deutsch spricht, sich möglicherweise scheut, öffentlich lesbare Nachrichten zu hinterlassen. Die direkte Begegnung, so habe ich es wahrgenommen, ergibt einen sehr umfassenden Zugang zu den Menschen; wir haben “mit Händen und Füßen” kommuniziert, uns ins Gesicht geschaut und miteinander gelacht. Ein schöner Anfang! Ich bin mir sicher, es kommt noch einiges nach, nicht nur die Bürgerreise im September, zu der bereits 20 Anmeldungen vorliegen, oder der ebenfalls projektierte Gegenbesuch aus Polen im August. So bahnen sich zur Zeit Schülerbegegnungen an, und auch bei der Erwachsenenbildung tut sich einiges. Nicht zu vergessen die regelmäßigen Zusammenkünfte des Arbeitskreises zur Partnerstadt. Darin sind ganz einfach interessierte Bürgerinnen und Bürger engagiert. Gerade letzten Mittwoch haben wir wieder zusammen gekocht. Polnische Kroketten und Borschtsch, ganz ohne Haar und sehr lecker! Danke an Klaus Farber und alle Mit-Organisatoren!

  4. Die Städtepartnerschaften sind in der breiten Bevölkerung wenig bis nicht bekannt, geschweige werden sie wirklich von den Bürgern “gelebt”. Organisierte Rentnerreisen einmal im Jahr oder Delegationsbesuche elitär Auserwählter in Partnerstädte sind viel zu wenig.. Ich plädiere für Internetplattformen, wo ein ständiger Austausch der Menschen hier und drüben möglich ist, wo man mehr Einblick in die örtlichen und kulturellen Gegebenheiten der Partner bekommt, wo die Bürger der Partnerstädte miteinander kommunizieren und zumindest virtuell partizipieren können Das Internet würde wirkliche lebendige Partnerschaften möglich machen. Nich immer nur ” in alten Löchern puhlen” !!!