Unternehmernetzwerke gibt es an jeder Ecke, aber die sogenannten Chapter des Business Netzwerk International (BNI) sind eine ganz besondere Nummer. Jede Woche früh um sieben treffen sich die weltweit 100.000 Mitglieder zum Frühstücken, zum Netzwerken und zum Geschäftemachen. Wer mit wem wieviel Umsatz macht, darauf kommt es an – und das wird genau registriert, in Ranglisten gewertet und an die Muttergesellschaft des Franchiseunternehmnes in den USA gemeldet.

In Bergisch Gladbach gibt es gleich zwei dieser Chapter, eins beheimatet im Hotel Schloss Lerbach und eins im Gronauer Tannenhof („Unternehmerteam Bergischer Löwe“). „Allein in den letzten 12 Monaten haben wir uns gegenseitig provisionsfrei 3.223.583 € Neugeschäft vermittelt“, meldet das Team Bergischer Löwe stolz auf seiner Website – und kommt im Ranking innerhalb des deutschsprachigen Netzwerks immerhin auf Platz 29.

Ab dem 1. Oktober gibt es allerdings nur noch ein BNI-Chapter vor Ort – denn die 31 Lerbacher Netzwerker machen sich selbständig und firmieren ab sofort als eigener Verein unter dem Namen „Best of Bergisch – das Unternehmernetzwerk“.

Regional statt international

„Wie bleiben den bewährten strengen BNI-Regeln treu; weiterhin zählt das gegenseitige Vertrauen und gute Kenntnisse, um sich empfehlen zu können”, betont Georg Eckel, Schädlingsbekämpfer aus Odenthal und Best-of-Bergisch-Sprecher. Doch statt einer internationalen Ausrichtung wolle man sich nun sehr viel stärker regional orientieren und daher ohne BNI weitermachen.

„Wir wollen gute Leute im Handel, Handwerk, bei Dienstleitungen und freien Berufen vermitteln, uns gleichzeitig aber auch um Dinge kümmern, die für Bergisch Gladbach wichtig sind“, erläutert Eckel.  Die Energie der Internationalität, die diese Gruppe zusammengeführt habe, wolle „Best of Bergisch“ jetzt auf die Region konzentrieren- „im Sinne jedes einzelnen Gewerks, aber auch kulturell und sozial“.

Damit hat BNI in der Tat wenig am Hut; dort zählen Leistung, gemessen an Kontakten und Umsätzen. Zudem verlangt BNI eine Abführung der Beiträge an die Deutschland-Vertretung und die US-Konzernmutter. „Die Organisation hat die Mundpropaganda professionalisiert. Mit dieser schlichten Idee ist der Amerikaner Ivan Misner reich geworden“, urteilte die FAZ bereits 2007 in einem ausführlichen Bericht.

Zahlungen, die sich „Best of Bergisch“ in Zukunft sparen kann. Die Beiträge sollen auf gleicher Höhe bleiben, aber eben in der eigenen Region eingesetzt werden.

Trennung im Einvernehmen

In der Nebenausrichtung auf soziale und kulturelle Zwecke trifft Best-of-Bergisch allerdings auf ein gut bestelltes Feld. Denn hier sind auch die Rotarier, die Lions, der Junge Unternehmer Club (JUC), die Bergischen Unternehmer, der Arbeitskreis Bergische Unternehmerinnen, die Wirtschaftsjunioren, das Bergische Unternehmernetz, „Wir für GL“, die „Initiative für Leben und Arbeit” oder die Bürgerstiftungen der Banken aktiv.

Mit BNI habe man sich im Einvernehmen geeinigt, betont Eckel. Die Trennung sei auch kein Einzelfall, es gebe immer wieder Chapter, die ihren eigenen Weg gehen wollen. Der BNI-Regionaldirektor Bergisches Land, Markus Bosdorf, konnte zunächst für eine Stellungnahme nicht erreicht werden.

Neuer Vorstand bereits gewählt

All zu weit weg vom BNI-Prinzip will Best of Bergisch auch gar nicht. Es bleibt dabei, dass jedes Gewerk nur einmal vertreten sein darf, damit man sich nicht innerhalb des Netzwerkes gegenseitig Konkurrenz macht. Zudem soll die Gruppe begrenzt bleiben, damit sich die Mitglieder wirklich kennen.

Den Vorstand von Best of Bergisch bilden Frank Heller (Bauunternehmer), Heinz-Peter Buschmann (Steuerberater), Hendrik Walter (Hausverwaltung) und Daniel Rufus (Versicherungen). Bis auf zwei, so Eckel, seien alle Mitglieder den Weg von BNI zu BoB mit gegangen. Das neue Logo hat Heiko Thurm, ebenfalls Mitglied und auch als Stadtgrafiker in Bergisch Gladbach bekannt, entworfen.

Best of Bergisch hat bereits eine Facebook-Seite und eine Website vorbereitet, die sollen jedoch erst zum 1. Oktober frei geschaltet werden. Die Treffen finden jeden Mittwoch von 7 bis 8:30 Uhr in Schloss Lerbach statt.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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