Bernd Martmann und Beate Schlich erläutern die Pläne.

Bernd Martmann und Beate Schlich erläutern die Pläne, im Lübbe-Gebäude 100 Flüchtlinge unterzubringen.

Ende Januar, so die optimistische Planung, soll das ehemalige Lübbe-Verlagsgebäude in Heidkamp für die Aufnahme von 100 Flüchtlingen fertig sein. Je nachdem, wie viele Kleinkinder zu den dort untergebrachten Familien gehören, könnten es sogar 120 Menschen werden, die nicht versorgt werden müssen – sondern auch angemessen betreut.

Die Stadtverwaltung unter Leitung von Beate Schlich, Fachbereichsleiterin Jugend und Soziales, kümmert sich mit Hochdruck um den ersten Teil der Aufgabe. Derzeit hat sie rund 350 Flüchtlinge unter ihrer Obhut, Monat für Monat werden es 20 bis 30 mehr. Sie wohnen in den kleineren Wohnheimen der Stadt, aber auch in angemieteten Wohnungen und Hotelzimmern.

Gerade prüft die Stadt, ob sie ein bereits teilweise genutztes Hotel komplett für zehn Jahre anmietet. Inzwischen ist sie sogar bereit, Maklergebühren zu übernehmen, um Familien mit einer Arbeitserlaubnis in Wohnungen zu bekommen und mehr Luft für neu ankommende Flüchtlinge zu schaffen. „Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen“, sagt Beate Schlich, die sich um einen sehr pragmatischen Kurs bemüht.

Wo die Bürger helfen können

Bei der Betreuung der Flüchtlinge jedoch können die Bürger der Stadt helfen. Und offenbar sind viele dazu auch bereit. Nach der Ankündigung, das Lübbe-Gebäude zu nutzen, habe es keine negativen Reaktionen gegeben, sondern vor allem positive, berichtet Beate Schlich. Einzelne Personen, aber auch Vereine meldeten sich mit Hilfsangeboten.

Um diese Angebote zu bündeln hat die Verwaltung eine Hotline eingerichtet: unter der Telefonnummer 02202 142 848 meldet sich Frau Henning, die Vorschläge entgegen nimmt.

Im Lübbe-Gebäude sollen ab Ende Januar rund 100 Flüchtlinge untergebracht werden.

Gebraucht werden allerdings weniger gebrauchte Möbel oder Bekleidung als vielmehr Zeit, betont Fachbereichsleiterin Schlich. Damit die Flüchtlinge mit ihren Familien hier überhaupt erst einmal ankommen und sich in die neue Situation einrichten könnten, sei vor allem Hilfe bei Behördengängen, Übersetzer, Deutschlehrer oder Freizeitangebote für Kinder gefragt. Benötigt werden auch Freiwillige, die in den geplanten Gemeinschaftsräumen im Lübbe-Gebäude Gruppenangebote etablieren. Es geht also nicht um Sachspenden – sondern um die Spende von Zeit.

Auch jetzt gibt es bereits ein Netz von Institutionen, von den städtischen Netzwerken über Vereine bis hin zu den Wohlfahrtsorganisationen und Kirchen, die sich um die Flüchtlinge in der Stadt kümmern. Allerdings sind diese Angebote noch auf die Zahl von gut 100 Flüchtlingen ausgerichtet – und nicht auf 350 oder gar 400.

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Als erfolgsversprechenden Ansatz sieht Beate Schlich ein Vorhaben der Freiwilligenbörse RheinBerg auf Initiative von Roland Schundau hin. Sie will sich unter dem Motto „Flügel für Kinder“ um die Betreuung der jungen Flüchtlinge kümmern und sucht dafür Mitstreiter.

Hilfsbereite Bürger organisieren sich über Facebook

Regelrecht ungeduldig warten einige Bürger auf Hinweise, was sie nun eigentlich tun können. Unter dem Namen „Neue Heimat Bergisch Gladbach“ hat sich sogar schon eine Facebook-Gruppe gebildet. Einen Ansatz zur Koordinierung von Angebot und Nachfrage könnte auch der nächste Stammtisch des Bürgerportals sein, der sich am 4.11. mit dem Thema beschäftigt.

Urbach: Prüfen, ob ein neuer Verein nötig ist

Verhalten reagiert die Stadtverwaltung auf einen Vorschlag der Linken. Um die verschiedenen Engagements zu koordinieren und private Ressourcen zielgerichtet einzusetzen solle ein überparteilicher gemeinnütziger Verein unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Lutz Urbach gegründet worden –  als Bindeglied zwischen Bürgerschaft und Verwaltung. Diesen Vorschlag veröffentlichte die Linke am Freitag in Form eines offenen Briefs an den Bürgermeister.

Nach Meinung von Lutz Urbach ist aber im Moment nicht klar, ob ein solcher neuer Verein nötig ist oder „ob die Aufgabe auch mit den bestehenden und bereits funktionierenden Strukturen zu bewältigen ist“. Das müsse geprüft werden, bevor man einen entsprechenden Vorschlag an die Politik richtet, erklärte Urbach gegenüber dem Bürgerportal.

Koordinierte Aktionen seien wichtig; der Fachbereich für Jugend und Soziales der Stadt sei aber ja gerade dabei, entsprechende Strukturen zu schaffen bzw. vorhandene auszubauen. Eine Schirmherrschaft schließt der Bürgermeister aber nicht aus: „Wenn die Vereinsinitiatoren das möchten, können wir gern über eine Schirmherrschaft sprechen. Entscheidend ist ja die Frage, wie geholfen werden kann.”

Über das Jahr hinaus planen

Fachbereichsleiterin Schlich denkt noch einen Schritt weiter. Angesichts der internationalen Nachrichtenlage fühlt sie sich in ihrer Einschätzung bestätigt, dass der Zustrom von Flüchtlingen in absehbarer Zeit nicht nachlassen wird. Die Konsequenz ist klar: „Schon jetzt müssen wir uns den Kopf zerbrechen, was wir eigentlich machen, wenn das Lübbe-Gebäude voll ist“, mahnt Schlich.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. @Jaqueline k.: Ihre Äußerungen empfinde ich als sehr polemisch und möchte sie nicht unkommentiert stehen lassen.
    Wieso schieben Sie Kinder und ältere Leute vor, wenn Sie selbst Angst vor „Flüchtlingen“ haben? Flüchtlinge, das sind Menschen, die ihre Heimat unfreiwillig verlassen haben, weil sie dort nicht mehr leben konnten, die ihre Familien und sich schützen wollen. Sie sind nicht per se kriminell.
    Meine Großmutter kam 1947 auch mit 2 kleinen Kindern als Flüchtling hier nach Bergisch Gladbach. Sie hat erzählt, wie es war, unwillkommen zu sein. Aber auch, dass Einzelne sehr menschlich gehandelt haben. Unterhalten Sie sich einmal mit Menschen der Weltkriegsgeneration, wie das damals war mit den Flüchtlingen. Und damals waren es viel mehr als heute. Zudem war damals auch hier Vieles zerstört, Arbeitsstellen und Wohnraum waren knapp etc. Es hat trotzdem funktioniert.
    Das geschilderte Vorhaben soll ja eben verhindern, dass ein sozialer Brennpunkt entsteht.
    Ich wünsche Ihnen, dass Sie nie in eine solche Situation kommen, in der die Flüchtlinge heute sind. Und falls doch, dass Sie nicht nur auf Menschen treffen, die hartherzig nur an sich denken: „Sowas brauchen wir hier echt nicht!“

  2. Sehr geehrte Frau K.,
    Ihr Kommentar ist fremdenfeindlich, von Vorurteilen geprägt und egoistisch. Die Frage ist nicht, wer so etwas „braucht“, sondern ob wir hier in Bergisch Gladbach menschlich genug sind, diesen Menschen in Not zu helfen. Wahrscheinlich stehen sie mit Ihre Haltung nicht alleine, aber wir sind uns ziemlich sicher, dass die meisten Bergisch Gladbacher anders denken. Das öffentliche Echo ist auf jeden Fall positiv. Vielleicht kommen Sie zu unserer Veranstaltung am 4. November („Wie BGL mit seinen Flüchtlingen umgeht“), dann können wir das diskutieren. Auf Ihre Anonymität müssten Sie dann allerdings verzichten. Die Redaktion

  3. Was soll eigentlich dieser mist mit Flüchtlingen bei uns in Bergisch Gladbach/ Heidkamp so einen scheiß braucht keiner. Bergisch Gladbach ist so ein wunderschöner ort und wenn dann sowas fast direkt um die ecke gemacht wird ist das unverständlich sowas kann man schön den groß Städten überlassen aber nicht hier bei uns. Man zahlt nicht umsonnst so viel um in einem relativ ruhigen umfeld zu leben. Und nachher trauen sich ältere Mitmenschen nicht mehr auf die straße und an die Kinder hier in Heidkamp denkt ja wohl auch keiner!!!! Wer kann ruhigen gewissens seine kleinen kinder alleine da lang schicken um in die Schule zu gehen. So ein mist sollte abgestimmt werden und da wäre brstimmt die mehrheit der gladbacher dagegen gewesen weil sowas wird bestimmt nur zu einem sozialenbrennpunkt und sowas brauchen wir hier echt nicht.

  4. „Schon jetzt müssen wir uns den Kopf zerbrechen, was wir eigentlich machen, wenn das Lübbe-Gebäude voll ist, mahnt Schlich.“

    Das Problem hat Bundestagsabgeordneter Martin Platzelt (CDU) , Innenminister Stefan Stundt (SPD) wie auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grün).
    Jeder Deutsche nimmt bei sich nen Flüchtling auf. Erst ein dann zwei dann drei. Berg.Gladbach hat damit kein Problem. Hier gibt es vorzugsweise Einfamilienhäuser die im Schnitt 150m² Wohnfläche haben und meist von nur einem älteren Ehepaar bewohnt werden. Da is genug Platz und zumeist haben beide auch noch ne Rente. Also wär auch die Versorgung geklärt.
    Nur mal so am Rande gefragt, weil es beim Gutmensch nich gern gehört wird.

    Gibt es kein schlechtes Gewissen den Ländern gegenüber denen man diese Menschen weg nimmt, vorenthält. Menschen die sie eigentlich selbst dringend bräuchten um ihr Land zu ändern und neu aufzubauen?

    Wo würde Deutschland, die EU heute stehen wenn nach dem Krieg alle nach Amerika oder Afrika ausgewandert, also vor ihrer ureigensten Verantwortung geflohen wären um ein neues, glückliches, Problem und sorgenfreies Leben zu beginnen?

    Wo bleibt eigentlich die wahrhaftige und aufrichtige Hilfe zur Selbsthilfe für diese Länder?

    Nachdenkliche Grüße…..