Der moderne Kommunalpolitiker zu Herrlisch Raubach ist via Racelook und Splitter rund um die Uhr verbunden mit jenem unterbrechungslos fließenden Datenstrom der digitalen Informationskanäle. Doch jüngst hätte ein kleiner Schluckauf in der digitalen Luftröhre der Partnerstadt Bergisch Gladbachs beinahe zu einem großen Kollaps des politischen Körpers geführt. Zugleich ein unfreiwilliger Beweis auch für die Wirkungsmacht der Netzpforte in-HR.

Denn mit seiner expeditiven Netzpforte in-HR verfügt Herrlisch Raubach über ein virtuelles Informations- und Nachrichtenportal, dem einstmal der zweifellose Ruf gebühren wird, dem digitalen Zeitalter auch im beschaulichen Schlundetal zum Durchbruch verholfen zu haben. Wer in der Metropole des Rheinisch-Herrlischen Kreises auf sich hält, für den ist es, je nachdem, höchstes Bedürfnis oder tiefste Furcht, von der allgegenwärtigen Netzpforte in-HR bemerkt und erwähnt zu werden.

Das gilt zumal für die Sphäre der Politik. Wer deren Puls ganz unmittelbar spüren will, braucht nur seinen Finger auf die vibrierenden Nachrichtenkanäle der Netzpforte zu legen. Umgekehrt gilt das auch für die politischen Amts-, Verantwortungs-, Würden und sonstigen Träger, die am selbigen Pulsstrom das Herz des Stadtvolkes schlagen hören können. Hier schlägt er also, der digitale Puls von Politik und Volk.

Der digitale Pulsschlag von Politik und Volk

So mögen sich die Auswirkungen des erwähnten Schluckaufs in der digitalen Informationsröhre erklären, die eben jüngst zumindest einige der gewichtigsten Akteure des politischen Ensembles in Herrlisch Raubach vorübergehend einem Zustand höchster Aufregung zuführten.

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Es war ein wahrhaft prachtvoll prangender Sonn- und Sonnentag dieses goldenen Oktobers, der Herrlisch Raubach da in beschaulicher Ruhe  verschwenderisch überglänzte. Bürgermeister Trutz Altwasser durchschritt just leichtfüßig und gedankenenthoben eines der überall lockend in die Stadt ragenden Waldgebiete, den leuchtenden Himmel und strahlende Baumkronen über sich, eine tiefe Zufriedenheit in sich. Lebte man nicht in der besten aller Städte? Mit dem besten aller …

Also sprach die Netzpforte

… da signalisierte sein mobiles Kommunikationsgerät die Meldung, eiligst vom schwarzen Ratsmitglied Godehard Möring weitergeleitet:

Also sprach die Nachricht der Netzpforte in-HR. Trutz Altwasser registrierte seinen kurz aufschießend eigenen Puls. „Live von der Ratssitzung“??! Heute??! Jetzt??! Ohne ihn??! Das angekündigte Splitter-Protokoll ließ sich nicht öffnen. Gleichwohl, er kontrollierte es sofort, fand sich die Ankündigung auch in der Racelook-Gruppe Politik in HR. Wie stets zu jeder Ratssitzung.

Aber wenn jetzt eine Ratssitzung stattfand, wer leitete sie? Und wer hatte sie überhaupt einberufen? Und warum? Und wieso wusste er nichts davon? War es seinem ersten Stellvertreter und Parteifreund Johann Brillnbecker zuzutrauen, dass er …?! Nur aus welchem Grund …?

Trutz Altwasser war stehengeblieben. Um ihn ergoss sich eine durch das im ersten Stadium herbstverfärbte Blattwerk sanft gefilterte Lichtflut auf den Waldboden und schien dessen erdige Festigkeit in einem bizarren Musterspiel geradezu bodenlos aufzulösen.

Wenn der Boden bodenlos wird

Etwa zur gleichen Zeit erreichte auch Pit Schnell die Meldung der Netzpforte in-HR. Der gelbe Fraktionschef durchschnitt in seinem Roadster gerade auf einer der um Herrlisch Raubach verlaufenden, zum Leidwesen mancher leider nicht unmittelbar an es heranreichenden Autobahnen pfeilgeschwind die goldblau schimmernde Sonnenluft

– Ratssitzung?! Wieder ein Trick der Schwarzen, die sich seit dem Zerbrechen des schwarzgelben Politbundes und besonders seit dem vergangenen Kommunalwahlkampf wie ein rachedurstiger Ex-Ehepartner aufführten? Und von den Hellroten war ohnehin nichts mehr zu erwarten …

Pit Schnell beschloss spontan, seinem Namen alle Ehre zu machen, zog von der Überhol- auf die Standspur, legte dort eine Vollbremsung hin und den Rückwärtsgang ein, um mit möglicher Höchstgeschwindigkeit die gerade passierte Ausfahrt zu erreichen und den Umweg bis zur nächsten zu vermeiden.

Fullspeed im Rückwärtsgang

Fullspeed im Rückwärtsgang – Das war sozusagen unmittelbar auf die Straße gebrachte Parteiprogrammatik! Und die Schwarzen sollten sich noch wundern, wenn erst Blasius Schwindtner, der alleroberste Gelbe, den ganz großen U-Turn verkünden würde …

Trutz Altwasser hatte inzwischen und mit der Begründung überstädtischen Notstandes, das Fahrrad eines verblüfften Waldausflüglers requiriert, um seinerseits schnellstmöglich den Ratssaal zu erreichen und durch seine dort wohl überraschende Präsenz welche Dinge auch immer noch wenden zu können.

Aufrechten Schrittes würde er den Ratssaal betreten, seinen Blick fest über die Reihen streifen lassen, um dann mit der Kraft des Wortes das vielleicht schon von fremder Hand ursupierte Amt wiederzuerlangen …

Begrüntes Schwarz statt roter Rost

Vielleicht hatte das Ganze doch mit diesem verdammten HeLKuW(Herrlische Lisch-, Kraff- un Wasserwerke)-Deal zu tun, von dem ihm zwar der Chefberater Ambrosius Tünchlein immer wieder versichert hatte, er wäre undurchsichtig genug, soweit er die Verträge gelesen habe …

Am Ende steckten die hinterlistigen Hellroten hinter allem! Hatte er es nicht immer gesagt? Lasst uns Schwarz ein wenig begrünen, statt uns roten Rost ins Haus zu holen …War nicht seinem hellroten Amtsvorgänger Hans Platz der versprochene HeLKuW-Aufsichtsratsvorsitz zugefallen und waren nicht … Oh wie undankbar waren sie, diese Hellroten!

Claas Forsthauer indessen, hellroter Fraktionschef, befand sich zur fast gleichen Stunde und zusammen mit weiteren Interessierten auf einer Exkursion unter Führung seines alten und just emeritierten Parteikollegen Friedrich Wilhelm Stiege. „Auf den Spuren der Rauen die Zukunft bauen“, so hatte der eine kleine Wanderung zu verschiedenen, von ihm vermuteten Kultplätzen des sagenhaften und von ihm verehrten Herrlisch Raubacher Urvolkes übertitelt.

„In die Arena wie ein Raue!“

Das angekündigte Splitter-Protokoll „live von der Ratssitzung“ jagte auch Claas Forsthauer gehörigen Schrecken ein. Er wusste nicht, was sollte es bedeuten, dass er so ahnungslos war?! Und wer vertrat dann überhaupt die hellrote Fraktion? Winston Churchill kam ihm spontan in den Sinn. Auch der war ja, nachdem er sein Land gerettet hatte, undankbar entmachtet worden …

Sollte es ihm nun, nachdem er die Hellroten auf die saftigen schwarzen Wiesen geführt hatte, genauso gehen? Bestimmt steckte Rüdiger Buschek dahinter, dieser Abtrünnige! „Du musst in die Arena wie ein Raue!“ riet ihm Stiege. „Stelle Dich deinen Feinden Aug´ in Aug ´…“

Der schwarze Fraktionssprecher Godehard Möhring schaukelte ungefähr zeitgleich in einer Hängematte im Garten seines Hauses und betrachtete das sanfte Spiel der bauschig weißen Wolken auf glanzblauem Himmelsgrund. Ja, so war sie, die Welt, so war das Leben, ein wunderbares Wolkenspiel …

– Ratssitzung?! Splitterprotokoll?! Seine Finger tippten schneller als seine Gedanken sich noch sammeln konnten:

Wie konnte er das bloß vergessen haben?!

Livestream per Kleindrohne

Für Dieter Schaeumle-Furth, den Hochtechnologie-affinen Fraktionschef der grünen Partei, war die ebenfalls vollkommen überraschende Splitter-Mitteilung der Netzpforte nach üblich kurzklarem Bedenken willkommener Anlass, seine neueste Erwerbung auszuprobieren. Von seinem strahlend übersonnten Garten startete er die per Äpp zu steuernde Kleindrohne DSF-1in Richtung Rathaus. Per Bildübertragung würde er bald wissen, was es mit der sonderbaren „Ratssitzung“ auf sich hatte.

Im Taxi sitzend, legte Claas Forsthauer sich inzwischen die Worte zurecht, mit denen er dem Verräter aus den eigenen Reihen im Rat begegnen würde. Zwar blieb ihm rätselhaft, wie Buschek, der ja nicht einmal Ratsmitglied war, überhaupt … Aber vielleicht hatte es zuvor einen Umsturz in der Partei gegeben, von dem er auch nichts wusste … Umstürze hatten ja Tradition bei den Hellroten …  Aber dass selbst Trutz Altwasser sich zu alledem hergegeben hatte?! Verrat war doch stets die Rückseite der politischen Münze …

Verrat stets die Rückseite der politischen Münze

Von weitem sah Trutz Altwasser, auf dem requirierten Rad dahinjagend, endlich den Turm des Rathauses, in dessen Sitzungssaal sich gerade jetzt Ungeheuerliches vollziehen mochte … Aber vielleicht gab es auch Widerstand! Vielleicht stellten sich einige gegen … oder eben hinter …

Mit wem mochte Forsthauer wohl paktiert haben? Und wer aus den eigenen Reihen war zum Verräter geworden? Forsthauer – Von ihm hätte er das nicht erwartet. Von Buschek ja, aber der hatte doch nun endgültig gar nichts mehr zu melden …

Als die Silhouette des Rathauses in Sicht kam, sah Pit Schnell kurz und stolz auf die Uhr im Armaturenbrett – Damit würden sie nicht rechnen! Aber jetzt würde er ihnen beweisen, dass sie mit ihm rechnen mussten, mit ihm und den Gelben, zu jeder Zeit … ACHTUNG!

Er zog im Reflex die Handbremse, riss das Steuer herum, der Roadster schleuderte in haarscharfem Abstand zwischen einem Taxi und einem Fahrradfahrer hindurch auf den Innenhof des Rathauses, rollte dort aus.

Im Schleuderkurs auf den Rathaushof

Auch das Taxi hatte mit quietschenden Reifen gebremst, der Fahrradfahrer war in einer halsbrecherischen Kurvenbewegung neben dem Taxi zum Stehen gekommen.

Auf dem Bildschirm seines Tablets hatte Dieter Schaeumle-Furth die Szene mittels seiner Kleindrohne DSF-1 beobachtet und bereits zuvor einen Blick durch die Panoramaverglasung in den leeren Ratssaal werfen können, dessen Leere sich in der des Parkplatzes vor dem Gebäude ebenso spiegelte wie in der über allem liegend sonntäglichen Stille.

Aus dem Taxi stieg inzwischen ein etwas verzagter Claas Forsthauer, vom Rad ein nicht minder verlegener Trutz Altwasser, und aus dem geöffneten Fahrerfenster des Roadsters blickte sichtlich irritiert Pit Schnell.

„Heimlicher Rat = Volksverrat!“

Deren gemeinsam ratlose Verblüffung steigerte sich, ergänzt um die des seinerseits nicht minder verwirrt heraneilenden Godehard Möhring, noch einmal im Angesicht von Atticus Fernando Magellan, der Seite an Seite mit der ausfraktionierten Dunkelroten Amandine Deckel kämpferisch die Szenerie betrat, gemeinsam ein Transparent in die Höhe haltend: „Heimlicher Rat = Volksverrat!“

Auf seinem Tablet verfolgte Dieter Schauemle-Furth schließlich eine Art stummes Ballett des wechselseitigen Rückzuges unter ebensolchen Grußbezeigungen. Obwohl anscheinend sonst nichts gesprochen wurde, lag in der zufälligen Choreographie dieser sich diskret auflösend indirekten Zusammenkunft doch so etwas wie die Verabredung eines Stillschweigens über eine merkwürdige Begegnung an einem strahlend goldblauen Oktobersonntag.

Bloß ein digitaler Schluckauf

Und die alles auslösende Splitter-Meldung? Wie sich herausstellte eben bloß ein digitaler Schluckauf auf Seiten des Splitter-Providers der Netzpforte, sehr bald korrigiert und, bis auf einige intensive Momente einiger intensiver Akteure, so gut wie folgenlos.

H-G. Ullmann

ist gebührend ratloser Bürger, gelegentlicher Zaungast am Spielfeldrand, findet interessante Gespräche ohne Scheuklappen inspirierend und bewahrt sich den Reiz (manchmal auch fassungslosen) Staunens als Mittel geistiger Ausgeglichenheit.

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