Wieder einmal scheint Herrlisch Raubach seiner Partnerstadt Bergisch Gladbach um Einiges voraus. Denn hier, an den Ufern der nur scheinbar so stillen Schlunde, wird nicht nur unter striktem Finanzierungsvorbehalt weiter gedacht, sondern mit einem revolutionären Finanzierungskonzept nun auch heiter in die Zukunft gelacht.

Und der von seinem Amtskollegen in GL dementsprechend beneidete Godehard Möhring, Pressesprecher der schwarzen Fraktion, konnte schon vorab frohgemut splittern:

„Wir sind zu Ihnen gekommen, Ihnen mitzuteilen …“

Die schwarze und hellrote Partei hatten nicht nur ihre Mitglieder, sondern per großformatigen Zeitungsanzeigen, Plakaten an zentralen Punkten der Stadt sowie Ankündigungen über H-Radio Raufunk alle Bürger Herrlisch Raubachs für diesen Abend auf den zentralen Platz der Stadt vor dem Rathaus geladen:

Herrlisch Raubach schreitet herrlischen Zeiten entgegen – Seien auch Sie zugegen, wenn der Startschuss fällt!“

Sichtlich bewegt und mit belegter Stimme sprach dann Bürgermeister Trutz Altwasser, auf dem durch die frühabendliche Dunkelheit hinweg fast aureolisch angestrahlten Rathausbalkon, dabei verhalten stolz vornan und neben dem aus HR stammenden Topmodel und TV-Star Rita Wumm stehend, zur gespannt lauschenden Menge.

Zugleich konnten die auf dem Erhard Moldenauer-Platz vor dem Rathaus in großer Zahl versammelten Menschen das Bild auf einer gleich neben St. Spekulatius aufgestellten Großleinwand verfolgen.

Wir sind heute zu Ihnen gekommen, Ihnen mitzuteilen, dass heute Abend … Ihre Schulden …“

Der Rest des Satzes ging in einer über den Platz tosenden Jubelwelle unter.

Vollbeladen mit Krediten und der Pleite zugewandt …

Das ist jetzt Vergangenheit, ab sofort wird sie schön wie nie strahlen, die Sonne über der Schlunde! Denn der Schuldenwall ist weg. Die große Koalition aus Schwarz und Hellrot hat die Bürger der Stadt in einem sensationellen Akt auf einen Schlag entschuldigt.

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Und die sich daraus ergebenden, in vollem Umfange noch gar nicht absehbaren Perspektiven, werden Herrlisch Raubach von einer Stadt im haushalterischen Dauer-Ausnahmezustand zu einer Art neuem „Finanzemirat unter den Kommunen“ machen, wie es in der Presse bereits heißt.

Germany´s Next Top-GroKo

Auf dem engen Balkon des bürgermeisterlichen Büros hinter Trutz Altwasser und Rita Wumm stehend, hüpften dann die beiden Fraktionschefs von Schwarz und Hellrot, Karl Dönekes und Claas Forsthauer, abwechselnd in die Höhe, um wenigstens während der launigen Worte des Stargastes im Bilde zu sein.

Rita Wumm, die einen beruflichen Aufenthalt in Deutschland für den Abstecher in ihre Heimatstadt nutzte, gab der eigenen Begeisterung über Herrlisch Raubachs fundamentalen Neustart erfrischenden Ausdruck:

So jubilierte sie unter dem Beifall vor allem der auf dem Platz für Stimmung sorgenden Jungschwarz-Bündler und Hellrot-Käppchen ins Mikrophon, herzte den etwas verlegenen Trutz Altwasser und wies darauf hin, dass Herrlisch Raubach mit seinem kreativen und mutigen  Finanzierungsmodell, an dem sie auch selber Anteile erwerben werde  – und natürlich mit seiner GroKo-Ko-Ko-Ko –  bald genauso international würde wie ihre Topmodels.

„Ihr Bürger der Stadt, schaut auf dieses Blatt!“

Während Dönekes und Forsthauer hintergründig weiterhin abwechselnd in die Höhe hüpften, hielt Trutz Altwasser schließlich die Präambel des GroKo-Programms vor sich, um der entschuldigten Menge mit einem für ihn sonst ungewöhnlichen Tremolo in der Stimme zuzurufen: „Ihr Bürger der Stadt, schaut auf dieses Blatt!“

Schulden tilgen – Abgaben senken – Investitionen steigern“

Vor allem der schwarze und hellrote jugendliche Nachwuchs kannte nun kein Halten mehr:

Trutz-Trutz-Trutz – Der Trutz haut auf den Putz!“

wurde frenetisch skandiert und, nur wenig leiser:

Mit unser´m Claas macht das Regieren Spaß!“

Der schwarze Fraktionschef Karl Dönekes musste sich, auch ob der Reimsperrigkeit seines Namens, wieder ´mal mit dem stillen Ruhm begnügen, bemühte sich in dem Augenblick aber, gleich hinter dem Bürgermeister stehend, jeweils ein Stück höher zu hüpfen als sein besonders energisch hüpfender Kollege Forsthauer.

Noch breiter als breit ist breiter

Zudem hatte Dönekes in einem Interview bereits vorab jovial verlauten lassen, die schwarze Partei habe sich nach reiflichem Bedenken schließlich dazu entschlossen, „diesen epochalen Neubeginn für die Stadt auf eine noch breitere als ohnehin breite Basis zu stellen.“

Und dies sei bei einem Projekt von solcher Dimension nur durch eine Allianz der größten, stärksten, mächtigsten, regierungserfahrensten, in der Stadt am verwurzeltsten und den Bürgern am verbundensten Partei mit der, wenn hier auch erst nach einigem, nicht zu sagen großem Abstand, nächstgrößeren, d.h. hier eben sehr deutlich kleineren Partei, zu erreichen.

Triumph des Grillens

Und dieses „Projekt von solcher Dimension“ ist eben das spektakuläre Finanzierungsmodell, mit dem die Herrlisch Raubacher GroKo wohl nicht nur Stadtgeschichte schreiben wird, sondern überhaupt ein neues Kapitel in der Kommunalfinanzierung  aufschlägt. Es war während eines spätsommerlichen Grillabends im heimischen Garten Trutz Altwassers geboren worden.

Ein kleiner Kreis aus schwarzer Partei- und Fraktionsführung hatte dort noch einmal mit dem fidelen Beratertrio des HeLKuW(Herrlische Lisch-, Kraff-, un´ Wasserwerke)-Deals den letztlich gelungenen Coup gefeiert. Bei je höherem Alkoholpegel war man schließlich gemeinsam ins desto traulichere Träumen darüber gekommen, warum sich nicht alle Finanzprobleme so elegant beheben ließen:

Mit Nichts für Zuviel und auf fremde Rechnung Wenig kaufen, um für wen auch immer was auch immer am Laufen zu halten.

Breaking Mad – Von der Bad Bank zur Mad City

Irgendwann hatte es dann bei Chefberater Dr. Ambrosius Tünchlein „Heureka“ gemacht – und die Idee der Ideen war geboren: Was im Bankensektor mit dem Modell der „Bad Bank“ funktionierte, das musste auf dem Gebiet der kommunalen Finanzen mit einem Rondell der „Mad City“ doch genauso funktionieren?!! Kapitale Magie in bestem faustischen Sinn: „Es fehlt das Geld. Nun gut, so schaff es denn!“

Der Rest war eigen. D.h. bewährte, natürlich vorab entsprechend hochstellig honorierte Arbeit der Berater. Und an deren Ende stand und steht jetzt die Konstruktion „MC-HR II Ldt.“ (Mad City Herrlisch Raubach II Limited): Eine fiskalische Schattenstadt mit verschachtelten Rechnungsadressen in Luxemburg, St. Peter Port (Guernsey) und Bridgetown (Barbados).

Mad City Herrlisch Raubach II Limited

Zum vergrößern anklicken.

Durch diskrete Zusammenarbeit mit potenten Investoren aus dem kaukasischen, nahöstlichen und bewährt süditalienischem Raum und diese in solider Komplexität konstruierte Offshore-Finanzierungslandschaft, übernimmt MC-HR II Ldt. nicht nur Herrlisch Raubachs aufgelaufene Schulden in Höhe von 350 Mio. EUR, sondern verschafft der Schlundemetropole auch frische Mittel in selber Höhe plus Deckung für weitere 175 Mio EUR, zusammen also ein Investkapital von 525 Mio. EUR.

Vermittels eines routinierten Mix´ aus Abführungsverträgen, Beteiligungsbeziehungen, Abschreibungskonstrukten, gewürzt mit derivaten Zwischenfinanzierungen, kompensativen Hedgegeschäften sowie zusätzlichen Zins- und Währungsswaps, treten die dafür kreditierten Landesmittel und indirekt aktivierten Kommunalbürgschaften, vor allem aber der stille Bürgerbeteiligungs-Sicherungsfonds im Sammelvolumen von 1 Mrd. EUR in den Hintergrund.

„GroKo ist Schoko: Stadt der Bedenken muss (man) sich selbst beschenken!“

So pointierte es dann schließlich Godehard Möhring doppelsinnig. Derartige Volten waren allerdings mit der auch hier von vieler Gedanken Blässe verzagt grünen Partei nicht zu schlagen, weshalb das zeitweis´ zarte Flirten zwischen Schwarz und Grün spätestens an der Schwelle dieser Finanzartistik auch sein prosaisches Ende fand.

Ganz im Unterschied zum Arrangement mit den Hellroten, deren Führungsriege sich in hochprozentigen Runden Zug um Zug ebenso entschlossen wie verdrossen und robust in den bergenden Schatten der schwarzen Schlundepatrone getrunken hatte, um dort wenigstens gewährten Teil zu haben am kommenden Ruhm sowie noch dem ein und anderen weiteren Deputat.

Und für die im Grunde nun überflüssig werdenden Oppositionsparteien ist sogar ein großzügig finanziertes Beschäftigungsprogramm geplant.

Schulden tilgen – Abgaben senken – Investitionen steigern

Eben dieser Dreisatz markiert nun die epochale GroKo-Agenda zu Herrlisch Raubach. Und weil alles im Leben vor allem auch Psychologie ist, soll als erste und symbolisch weithin sichtbar wuchtige Investition der Bau des GroKo-Palastes im Zentrum einer darüber hinaus neu gestalteten Stadtmitte beschlossen werden.

Wir müssen nun allen, vor allem den neu zu akquirierenden Unternehmen, zeigen, dass wir´s haben, dass wir nicht länger eine Stadt monetären Leidens, sondern ab jetzt das pekuniäre Wunder an der Schlunde sind!“, bekräftigte HR´s Erster Nebenbeigeordnete, Stadthaurat Toni Trickler, die imposanten Pläne. Und die sollen erst der Anfang sein.

Nur einen wundert das Wunder an der Schlunde

Und den traf Gregor Platzdaweg nach der Großveranstaltung auf dem Erhard Moldenauer-Platz bei weinselig nachdenklicher Stimmung in seinem gemütlichen Stammlokal, passenderweise in Schlundenähe:

Stadt-Schatzkanzler Johann Hochdrei, stets ebenso leidenschaftlicher wie korrekter Verwalter der städtischen Finanzen und ein ebenso diskreter Mann, bemerkte immerhin soviel:

Die Ketzer sind’s! Die Hexenmeister! Und sie verderben Stadt und Land. Die willst du nun mit frechen Scherzen in diese hohen Kreise schwärzen …“

Und auf Platzdawegs erstaunten Blick:

Lesen Sie nach, lieber Platzdaweg, lesen Sie nach, Faust 2, Erster Akt … Ein wirklich zeitloses Stück …“

H-G. Ullmann

ist gebührend ratloser Bürger, gelegentlicher Zaungast am Spielfeldrand, findet interessante Gespräche ohne Scheuklappen inspirierend und bewahrt sich den Reiz (manchmal auch fassungslosen) Staunens als Mittel geistiger Ausgeglichenheit.

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