Andreas Euler, seit Ende 2013 Geschäftsführer von Metsä Board Zanders

Andreas Euler ist und bleibt Optimist. „Unser Fokus liegt ganz eindeutig auf dem Verkauf“, sagt der Chef von Metsä Bord Zanders. Wenige Stunden zuvor hatte Metsä Board, der finnische Eigentümer der Bergisch Gladbacher Traditionsfirma, angekündigt, das Werk innerhalb von sechs Monaten zu verkaufen – oder „zu anderen Maßnahmen“ zu greifen.

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Was diese „anderen Maßnahmen“ sein könnten, das weiß auch Euler nicht so genau. Er arbeitet seit exakt einem Jahr daran, den Gemischtwarenladen Zanders Gohrsmühle zu einem überlebensfähigen Spezialisten für hochwertiges Papier und Verpackungen umzubauen.

„An eine Schließung von Zanders glaube ich persönlich nicht”, sagt Euler im Gespräch mit dem Bürgerportal. Ein solcher Schritt würde auch für den Konzern Metsä Board keinen Sinn machen.

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Die Finnen verweisen auf hohe Verluste, die Zanders nach wie vor einfährt. Auf der Basis der ersten drei Quartale rechnet man bei Metsä mit einem Verlust von 20 Millionen Euro der Tochter in Bergisch Gladbach.

Gleichzeitig zieht sich der Konzern insgesamt aus der Papierproduktion zurück und investiert statt dessen massiv in die Kartonproduktion im schwedischen Husum. Für die traditionsreiche Gohrsmühle von Zanders ist damit kein Platz mehr im Konzern. [Tweet “Euler: #Zanders für Spezialpapierhersteller „nicht uninteressant“ #gl1 #metsä”]

Euler interpretiert die Ankündigung von Metsä etwas anders. Schon vor der Restrukturierung von Zanders vor zweieinhalb Jahren habe Metsä nach einem Käufer gesucht. Diese Bemühungen seien im Hintergrund weiter gelaufen – und jetzt öffentlich gemacht worden. Gegenüber dem Aufsichtsrat habe das Management einen Plan B vorlegen müssen. Daraus seien die Deadline „innerhalb von sechs Monaten“ und die „anderen Maßnahmen“ offenbar entstanden.

Aber warum sollte Zanders heute leichter einen Käufer finden als vor zwei oder drei Jahren? Euler ist zuversichtlich, dass es „im europäischen Umfeld“ tatsächlich Interessenten gibt, für die die Produktion hochwertiger Papiere zum Kerngeschäft zählten.

Die PM3 – das Herzstück der Papierfabrik Zanders

Personalabbau, Rationalisierung und Spezialisierung zeigen Wirkung

Der Zanders-Chef zählt einige Argumente auf, warum sein Unternehmen als „Vollsortimenter für hochwertige Etikettenpapiere und flexible Verpackungen” inzwischen eine attraktive Braut für ein Übernahme sei.

Der Personalbestand ist im Rahmen der Restrukturierung und der noch laufenden Betriebsvereinbarung von einst 3000 auf 480 Beschäftigte heruntergefahren, der Betrieb sei darüber insgesamt stark rationalisiert worden, sagt Euler.

Zudem habe das Unternehmen mit der Einrichtung eines so genannten Papierparks begonnen, in dem verwandte Branchen angesiedelt werden sollen. Allein die Vermarktung von brachliegenden Hallen und Flächen auf dem riesigen Gohrsmühle-Komplex sei gescheitert.

Das Zandersgelände direkt am Rand der Bergisch Gladbacher Innenstadt

Daher geht Euler davon aus, relativ rasch einen Käufer finden zu können. Und zwar für den gesamten Komplex Zanders Gohrsmühle.

Auf Nachfrage räumt er allerdings ein, dass es auch andere Möglichkeiten wie zum Beispiel einen Verkauf in Einzelteilen gebe:

Wie das Ergebnis am Ende aussieht, steht jetzt noch in den Sternen“.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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