Immer dahin, wo es wehtut.“

Etwas ungläubig stehen sie da, die Teilnehmer des neuen TS-Kurs und folgen dann den Anweisungen des Trainers.

+ Anzeige +

Krav Maga ist ein Selbstverteidigungskurs und will fit machen für den Ernstfall. Körperliche Übergriffe kommen nicht nur in New York oder Mexico City vor, auch in Bergisch Gladbach. Und es kann jeden treffen.

Daher wundert es nicht, dass die Gruppe bunt gemischt ist. Jung und alt, Frauen wie Männer  sind gekommen um Krav Maga, das ursprünglich für das israelische Militär entwickelt wurde, kennenzulernen.

Fliehen oder kämpfen

Immer dann, wenn man Konfrontationen nicht mehr vermeiden kann, gilt es entweder zu fliehen oder zu kämpfen. Dazwischen gibt es nichts! Bei realen Auseinandersetzungen ist die häufigste Form der Bedrohung der Schwitzkasten, den viele noch aus der Grundschulzeit kennen. „Da müsst ihr rauskommen, egal wie, denn sonst seid ihr Opfer. Wenn’s richtig schlecht läuft, schlagen mehrere Leute auf euch ein,“ warnt Carsten Draheim.

Draheim und sein Team vom Krav Maga Institut in Köln geben an diesem sonnigen Frühlingstag in der Doppelturnhalle der TS einen Schnupperkurs. Wobei der Begriff spätestens nach den ersten drei Übungen durchaus wörtlich zu nehmen ist. Man kommt sich nahe, sehr nahe sogar.

Krav Maga ist eine Nahkampftechnik, die auch das deutsche Militär und Polizei anwendet. „Gebt mal Gas, wir sind hier nicht im Ballett.“ Unmissverständlich machen die Trainer klar, dass man sich heute nicht zum Ponyreiten getroffen hat.

Gelungene Prävention: Weglaufen

Dennoch, richtig brutal ist das nicht, was die etwa 50 Interessenten so miteinander anstellen. Prävention durch taktisches Verhalten ist ein essentieller Bestandteil des Trainings. Weglaufen als Prävention ist sehr hilfreich. Im Bewusstsein darüber, dass es in einem realen Kampf keine Regeln und keinen Wettkampf gibt, wird Krav Maga grundsätzlich ohne mentale Limits trainiert. In der zivilen Variante wird im Unterricht viel Deeskalation trainiert.

Als erstes lernen die Teilnehmer, klare Grenzen zu setzen. „Will euch jemand umarmen und ihr wollt das nicht, so duckt euch weg.“ Imposant mit anzusehen, wie auch die zierlichste Frau in der Runde ihren vermeintlichen Gegner jetzt massiv anschreit: „Stopp, geh weg.“ So gehe es zunächst darum, sich den Gegenüber zu erziehen.

Hart gegen weich

„Spätestens wenn euch aber jemand an den Hals will, dann ist Schluss mit lustig.“ Beim „Zombi-Game“ erfahren die Gruppenteilnehmer, was es heißt, sich aufdringliche Personen vom Leib zu halten. Wichtig sei es dann keinen Tunnelblick zu entwickeln und sich nicht allein auf einen Gegner zu konzentrieren. Sollte der Aggressor noch immer nicht von einem ablassen, dann heißt es selbst nach vorne zu gehen. Es gilt das Prinzip „hart gegen weich“, also harter Ellenbogen gegen weichen Muskel.

Ein kräftiger Schubs unterhalb vom Hals schafft Zeit und Raum, selbst das Weite zu suchen. „Schaut aber vorher immer nach hinten, damit der Fluchtweg klar ist.“ Überhaupt scheint das Thema Flucht besonders wichtig zu sein. So gehe es immer an erster Stelle darum, am besten sofort aus der Situation herauszukommen. Und zwar unbeschadet.

Spannend wird es, als die Sportler besonders empfindlichen Stellen, wie die Augen oder Weichteile maltretieren sollen. Schließlich sollen Angriffe einfach aber effektiv abgewehrt werden. Der Gegner müsse man durch eigene Aktionen schocken, das hilft. „Da kann schon mal was ins Auge gehen.“ Der Mann hat Humor.

„Werdet ihr aber mit einer Waffe bedroht, dann gebt alles her was ihr habt. Handy, Geldbörse, Autoschlüssel. Doch was macht ihr, wenn eure Kinder im Auto sitzen?“

Gute Frage, keiner der Anwesenden hier würde dann wohl die Schlüssel so einfach herausrücken. Hier gilt das Prinzip “fight or flight”, also fliehe wenn du kannst und wenn du nicht mehr kannst, dann verteidige dich und deine Liebsten. Mit allem, was Du hast:

schreie, beiße, spucke.

Krav Maga gibt es seit etwa 15 Jahren in Deutschland. Der Trainer Carsten Draheim ist Instructor und unter anderem zuständig für die militärische Ausbildung im Dachverband. Er ist vom Verteidigungsministerium bestellter Nahkampfausbilder und gibt regelmäßig Unterricht für Soldaten der Bundeswehr.

Im Juni: Spezialkurs nur für Frauen, Samstag, 20. Juni,
18 bis 19 Uhr, TS-Haus, Langemarckweg

2012 hat er das Krav Maga Institut geründet, mittlerweile mit Standorten in Köln-Deutz, Köln-Nippes, Bonn, Much und Sankt Augustin  sowie zwei in den Niederlanden. In seinem Institut trainieren etwa 800 Mitglieder aktiv, dazu kommen die beruflichen Anwender. Das Kindertraining startet ab 5 Jahren. Es gibt separate Kurse für Teenager und Erwachsene. Regelmäßig werden Kurse für Sehbehinderte angeboten.

Gut vorbereitet für den Ernstfall

„Wir sind sehr froh, dass wir die Profis aus Köln für das neue TS-Angebot gewinnen konnten,“ sagt Sportlehrer Jowa Bacher, der sich mehrere Anbieter angesehen hatte. Letztlich hat ihn das Konzept vom Kölner Krav Maga-Institut überzeugt.

Die Unterrichtsstunden bauen nicht etwa, ähnlich wie beim Judo oder Karate, aufeinander auf. Man kann jederzeit samstags einsteigen. Das Training findet im TS-Haus von 16:30 bis 18 Uhr statt. Das neue Angebot ist für Studiomitglieder kostenlos, alle anderen zahlen einen kleinen Beitrag.

„Man kann bei uns keinen Gürtel oder Zertifikate erwerben. Wir wollen, dass die Teilnehmer gut vorbereitet auf den Ernstfall sind.“ Außerdem sei das Training anstrengend, schweißtreibend und damit auch konditionsfördernd. Den Teilnehmern hat der Schnupperkurs jedenfalls viel Spaß gemacht!

Mehr Informationen:
Website der TS 79
Website des Krav Maga Instituts in Köln

PDFDrucken

Zbick

PR-Berater (Deutsche Akademie für Public Relations)

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.