DRK-Einsatzleiter Steffen Schmidt (links) inspiziert die Betten in Sand Noch fehlen die Abtrennwände. Foto: W. Schmitz-Dietsch

Die  Flüchtlingssituation in der Stadt Bergisch Gladbach hat sich seit Mittwoch verschärft. Per Telefon kündigte die Bezirksregierung Köln am Nachmittag des 22. Juli 2015 an, dass am Donnerstag, 23. Juli 2015, 150 Flüchtlinge zur Unterbringung nach Bergisch Gladbach gebracht werden sollten. Im Gespräch mit der Bezirksregierung konnte erreicht werden, dass 80 Flüchtlinge am Freitag, 24. Juli 2015, aufgenommen werden.

Da alle Flüchtlingsunterkünfte besetzt sind, muss die Stadtverwaltung unter Leitung von Bürgermeister Lutz Urbach nach Alternativen für die Unterbringung suchen.

Ein Krisenstab, bestehend aus Verwaltung, Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz, versucht die Aufgabe zu meistern, in weniger als 24 Stunden adäquate Notunterkünfte in der Turnhalle im Stadtteil Sand und in einem Schulpavillon in Herkenrath einzurichten.

Beate Schlich

„Die Menschen kommen im Rahmen der Erstaufnahme zu uns“, erläutert Beate Schlich als zuständige Fachbereichsleiterin. Das bedeutet für die Sozialverwaltung, dass die Flüchtlinge weder registriert noch medizinisch untersucht worden sind.

Urbach zeigt sich entsetzt über die Art und Weise, wie aktuell die Kommunen von Seiten der Landesregierung belastet werden: „Diese kurzfristigen Zuweisungen sind eine Zumutung. Hinzu kommt, dass das Land auch noch die Erstaufnahme delegiert. Für eine Stadtverwaltung ist das eine extrem schwierige Aufgabe.“

„Bisher haben wir in Bergisch Gladbach gute Standards in den Einrichtungen für die Flüchtlinge anbieten können. Das ist nun vorbei“, erläutert Urbach im Pressegespräch am Donnerstag. „Wir kommen nicht umhin, eine Turnhalle mit Feldbetten einzurichten. Nur so können wir den Menschen eine Unterkunft anbieten.“

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Die DRK-Mitarbeiter bei einer Lagebesprechung in Sand. Foto: DRK

Das Deutsche Rote Kreuz hat die Aufgabe übernommen, die Logistik samt Verpflegung an der Turnhalle in Sand, in der 60 Menschen untergebracht werden, zu organisieren.

Weitere 20 Flüchtlinge kommen in Herkenrath unter. Der Schulpavillon war bereits mehrere Monate als Flüchtlingsunterkunft genutzt worden, stand aber zuletzt leer.

Der Pavillon in Herkenrath. Foto: Werner Schmitz-Dietsch

Wer, woher, wie lange: viele Fragen sind offen

Viele Fragen sind zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. So wird der Stadt nicht mitgeteilt, wer kommen wird und aus welchen Ländern die Menschen stammen. Unklar ist auch, wie lange diese Flüchtlinge in Bergisch Gladbach bleiben werden. Organisiert werden müssen zudem ein Wachdienst und die Betreuung durch Sozialarbeiter.

Nach Aussagen der Bezirksregierung Köln wird das Land NRW für die Flüchtlinge, die am Freitag ankommen werden, die Kosten zu 100 Prozent übernehmen. Die Zahl der Flüchtlinge wird auf die städtische Quote im Rahmen der Aufnahmepflicht angerechnet.

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Bürgermeister Urbach appelliert an die Bürgerinnen und Bürger, die neue Situation anzunehmen und bestmöglich zu meistern. „Wir haben schon tolles Engagement für die rund 680 Flüchtlinge, die bereits in Bergisch Gladbach leben. Ich hoffe, dass sich noch mehr Menschen finden, die uns bei der Bewältigung dieser Aufgabe unterstützen.“

Privater Wohnraum wird dringend gesucht

Urbach weist darauf hin, dass für die Unterbringung von Flüchtlingsfamilien mit Aufenthaltsgenehmigung nach wie vor dringend privater Wohnraum gesucht wird. „Wenn jemand eine Wohnung vermieten kann, dann hilft uns das sehr, bis wir in den Notunterkünften wieder Platz für die Aufnahme von Neuankömmlingen haben.“

In den privaten Wohnräumen kommen Flüchtlinge, die voraussichtlich als Asylanten anerkannt werden und die somit länger in Deutschland bleiben werden, wie zum Beispiel Familien aus Syrien.

Das Sozialamt nimmt unter der Rufnummer 02202 – 14 2862 Wohnraum-Angebote entgegen.

DRK-Einsatzleiter Steffen Schmidt (l.) und Feuerwehr-Chef Huppartz

Ergänzend berichtet der DRK:

Die Alarmierung erreichte die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer heute um 16:24 Uhr. Kurze Zeit später fanden sich 53 Helferinnen und Helfer am Katastrophenschutzzentrum der Jakobstraße in Bergisch Gladbach ein, um von dort die notwendigen Materialien zur Notunterkunft nach Sand zu bringen.

Bis morgen früh müssen Schlafmöglichkeiten in Form von Feldbetten und Decken aufgebaut, ein Untersuchungsraum hergerichtet, eine Versorgungsstation mit Getränken und Snacks aufgebaut, eine fachgerechte Registrierung durch das Kreisauskunftsbüro sichergestellt und eine Erstausstattung in Form von Hygienepacks zusammengestellt werden. Wie lange diese Form der Unterbringung notwendig ist, werden die nächsten Tage zeigen. Die Rotkreuzler sind auf jeden Fall vorbereitet und können die Erstversorgung in gewohnt fachmännischer Form gewährleisten.

Ein Klinikbus steht für die Erstuntersuchungen bereit

„Für genau so etwas sind wir da“, bestätigt die erste Vorsitzende des DRK-Kreisverbands Rheinisch-Bergischer Kreis, Ingeborg Schmidt. Sie selbst war gemeinsam mit dem stellvertretenden Kreisbereitschaftsleiter Steffen Schmidt seit dem ersten Anruf der Stadt Bergisch Gladbach in die Planungen involviert und kümmert sich mit einem Team von mehr als 50 Helferinnen und Helfern um die Unterbringung der Flüchtlinge.

„Mit unseren Helferinnen und Helfern aus dem Betreuungs- und Verpflegungsdienst, Technikern und Sanitätern wird es uns gelingen, den Flüchtlingen einen sicheren und angemessenen Aufenthaltsort für die nächsten Tage zur Verfügung zu stellen.“ bestätigt Steffen Schmidt das Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.

Pressestelle Stadt BGL

Hier werden offizielle Pressemitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung des unabhängigen Bürgerportals iGL wieder.

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