Hartmut Schneider mit einem Teil der Gruppe in Sand

Als Nachbar hatte Hartmut Schneider an der Bürgerversammlung in Sand teilgenommen, bei der es um die Unterbringung von 78 Flüchtlingen in der Turnhalle gibt. Ausführlich schilderte dort Ingeborg Schmidt, die an der Spitze des DRK das Lager betreibt, wie es den Flüchtlingen dort geht – und was ihnen fehlt. Vor allem eins: Beschäftigung.

Schneider, pensionierter Lehrer mit 35 Jahren Erfahrung in der Vermittlung von fotografischen Kenntnissen und Ausstellungen, brachte das auf eine Idee: Ein Fotografieprojekt mit den Sander Flüchtlingen. Sein Konzept erläutert er so:

Nicht über Flüchtlinge berichten, sondern ihre Perspektive dokumentieren

Die Teilnehmer sollen, nach einer Einführung in die Technik und Bildgestaltung, ihre individuelle Situation, ihre Erfahrungen, ihre Sicht auf Deutschland, speziell auf ihre Bergisch Gladbacher oder auch Kölner Umgebung, fotografisch dokumentieren. Es wird also nicht, wie üblich, ÜBER Flüchtlinge berichtet und gesprochen, sondern sie zeigen die Realität aus ihrer Sicht.”

Die Tatsache, dass die Menschen in der Turnhalle jederzeit in eine andere Kommune verwiesen werden könnte, ignorierte Schneider und machte sich nach Absprache mit Ingeborg Schmidt an die Arbeit.

Zunächst galt es, eine Mindestzahl an Kameras, einen Drucker, einen Computer und Verbrauchsmaterial zu organisieren. Die großen Kölner Fotohäuser reagierten zwar nicht, dafür unterstützte der Kölner Mäzen, Sammler und Fotograf Michael Horbach das Projekt sofort. Ein Spendenaufruf über Facebook brachte ein überwältigendes Echo und eine für mich überraschende Spendenbereitschaft”, erzählt Schneider weiter. Inzwischen verfüge er unter anderem über knapp 30 hochwertige Digitalkameras.

Spendenaufruf – für Verbrauchsmaterial

Was jetzt noch fehlt sind Fotopapier und Druckertinte. Falls Sie dafür etwas spenden wollen, hier sind die Kontoangaben:

Hartmut Schneider: Stichwort „Flüchtlingsprojekt”
IBAN: DE33 3705 0299 1311 1041 02
BIC: COKSDE33XXX

Die Fotos der Flüchtlinge sollen im Bürgerportal, später auch in Ausstellungen und in einem Buch präsentiert werden. Auch eine Kölner Galerie habe Interesse gezeigt, berichtet Schneider. Fortschritte des Projektes werden auf einer Facebook-Seite dokumentiert.

Zweimal hat er sich mit den Interessierten getroffen. Die Nachfrage war so groß, dass er nun 20 statt zunächst geplant 10 Teilnehmern hat. Die 16 Männer und  vier Frauen stammen, soweit ihm bisher bekannt, aus Albanien, Syrien, Irak, Iran, Eritrea, Ghana und Algerien.

Am Montag geht es los – wenn die Bezirksregierung es zulässt

Am kommenden Montag startet das Projekt, das Berufskolleg Bergisch Gladbach stellt einen Unterrichtsraum zur Verfügung, in dem die fotografischen Grundlagen erarbeiten sowie die Bildbesprechungen durchgeführt werden können.

Schneider ist sich bewusst, dass dieser erste Projektanlauf ein schnelles Ende finden kann. Nämlich dann, wenn der Bus kommt, um die Flüchtlinge zur Asylantragstellung nach Dortmund zu bringen. Denn nach allem, was die Bezirksregierung bislang sagt, werden die 78 Sander Flüchtlinge dann einer anderen Kommune zugewiesen.

Von dieser Perspektive will sich Schneider aber nicht abhalten lassen. Für den Start am Montag ist alles vorbereitet. Und sollte das Projekt mit dieser Gruppe abgebrochen werden müssen, will der Fotograf mit der „Nachfolgebesetzung” weiter machen.

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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