Die Dreifachturnhalle in Heidkamp soll 250 Flüchtlinge beherbergen

Die Dreifachturnhalle in Heidkamp soll 250 Flüchtlinge beherbergen

Von außen betrachtet ist die Dreifachsporthalle des Berufskollegs an der Feldstraße in Heidkamp ein riesiger Klotz.

Von innen wirkt sie schon sehr viel kleiner: vor allem wenn sie mit 130 Etagenbetten voll gestellt wird. Hier sollen schon in den nächsten Tagen 260 Menschen den Tag verbringen, essen und schlafen. So gut es geht.

Flüchtlinge Feldstraße 25 10 600 Betten

Restlos mit Betten gefüllt

Vor zehn Tagen hatte Bürgermeister Lutz Urbach der Bezirksregierung vorgeschlagen, in der Halle bis zu 250 Flüchtlinge in der Erstaufnahme unterzubringen, ab heute soll die Unterkunft bereit stehen und schon in den nächsten Tagen gefüllt werden. Das Deutsche Rote Kreuz, das auch diese Unterkunft für die Stadt betreiben wird, hat inzwischen viel Material und Gerät bewegt, muss aber noch einige Probleme lösen.

Feuerwehr baut Betten, Schüler beziehen die Kopfkissen

Die Feuerwehr hat die Etagenbetten aufgebaut, die Schüler der benachbarten kaufmännischen Berufsschule haben die insgesamt 260 Betten bezogen, Dixiklos und ein mächtiger Generator wurden aufgestellt und vieles mehr. Der Schulhof hinter der Halle ist zur Berufsschule hin durch einen Bauzaun halbiert worden, ein Tor ermöglicht jedoch den Durchgang.

Heute, 18 Uhr: Bürgerinformationsveranstaltung, Bergischer Löwe

Die Gymnastikhalle, die mit eigenen Sanitärräumen ebenfalls in dem Gebäude liegt, wird vom DRK nicht genutzt und steht den Kunstturnern weiter zur Verfügung. Der Sportunterricht des Berufskollegs sowie der Badminton- und der Tischtennisverein mussten in andere Hallen ausweichen.

Flüchtlinge Feldstraße 25 10 600 Besprechung

DRK und Stadtverwaltung arbeiten in der Feldstraße Hand in Hand

Trotz der großen Umbauaktion ist Sabine Schöngen, beim DRK eigentlich Fachbereichsleiterin Soziale Dienste, aber inzwischen längst Projektleiterin für alles Mögliche und Unmögliche, mit dem Stand der Dinge noch nicht zu 100 Prozent  zufrieden. Ihr größtes Problem: die Halle ist trotz ihrer Größe für die Betreuung eigentlich zu klein und bietet so gut wie keinen Spielraum für Aktivitäten über das Schlafen und Essen hinaus.

Von Privatsphäre keine Spur

Zum einen fehlen die üblichen mit Planen behängten Bauzäune zwischen den Bettenreihen. Hier hegt Bürgermeister Urbach die Hoffnung, mit Hilfe einer Kooperation für preiswertere, aber dennoch stabilere, drei Meter hohe feste Abtrennungen sorgen zu können.

Zum anderen ist in der Halle neben den Betten so gut wie kein Platz. In zwei Nischen, die sonst die Sportgeräte beherbergen, ist kaum genug Raum für die Essensausgabe. Zwar werden auf dem Parkplatz noch Container aufgestellt, aber die werden für Büros und Lager des DRK benötigt. Zelte oder womöglich eine Leichtbauhalle für Betreuungsangebote und auch die Essensausgabe werden erst später folgen.

Flüchtlinge Feldstraße 25 10 600 Dixi

Gut ausgestattet ist die Halle dagegen mit Duschen. In einem Teil der insgesamt drei Umkleideräume will Schöngen Wäschekammern einrichten und mit Waschmaschinen ausstatten, damit die Bewohner ihre Wäsche selbst waschen können.

Hört sich nach einer Nebensächlichkeit an, ist aber aus mehreren Gründen wichtig: So können die Flüchtlinge einen Teil ihrer Versorgung selbst übernehmen – und sie müssen das wenige, was sie überhaupt noch besitzen, nicht in die riesigen Wäschesäcke zur Reinigung weggeben.

Je besser die Betreuung, desto weniger Konflikte

Ein Beispiel dafür, wie sich das Rote Kreuz intensiv bemüht, den Bedürfnissen der Flüchtlinge entgegen zu kommen. Das haben auch die Erfahrungen in Sand, in Katterbach und jetzt auch in der Schwerfelstraße in Refrath gezeigt: Eine gute und flexible Betreuung der Menschen, die hier unter schwierigsten Bedingungen zusammen leben müssen, sorgt Konflikten vor.

Auch Schöngen kann von Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen oder zwischen einzelnen Flüchtlingen und den Betreuern berichten – die  jedoch immer rasch ausgeräumt wurden. Fälle wie in anderen Städten, wo muslimische Männer zum Beispiel die Essensausgabe durch Frauen verweigerten, habe es im Kreis nicht gegeben. Die Mitarbeiterinnen des DRK seien resolut genug, ihre Regeln durchzusetzen.

Der Schulhof des Berufkollegs ist mit einem Zaun abgetrennt. Ein Tor führt hindurch

Der Schulhof des Berufkollegs ist mit einem Zaun abgetrennt. Ein Tor führt hindurch

Insgesamt rund 100 hauptberufliche Kräfte (Sozialpädagogen, Betreuer, Hauswirtschaftskräfte, Mediziner) habe das DRK im Rheinisch-Bergischen Kreis in den vergangenen sechs Wochen zusätzlich eingestellt, berichtet Schöngen. Denn die Aufgaben sind gewaltig, auch in vielen anderen Orten im Rheinisch-Bergischen Kreis betreut das DRK Flüchtlingsunterkünfte – sowohl in der Erstaufnahme als auch bei Regelzuweisungen.

Schüler stellen sich für Mithilfe zur Verfügung

Daher ist das DRK auf die Hilfe von ehrenamtlichen Kräften angewiesen. Schüler des Berufkollegs haben sich bereits als Helfer gemeldet. Auch bei der Beschäftigung der Flüchtlinge, beim Sprachunterricht und der Kinderbetreuung wird das DRK auf Initiativen der Bevölkerung zurückgreifen. Das funktioniert in anderen Stadtteilen schon hervorragend, ist in Heidkamp aber noch nicht geklärt.

Bürgerversammlung: Heute um 18 Uhr im Bergischen Löwen

Diese (und alle anderen offenen) Fragen sollen bei der Bürgerversammlung am Mittwoch, 18 Uhr, im Bergischen Löwen geklärt werden. Hier steht erneut Bürgermeister Lutz Urbach mit den zuständigen Vertretern der Stadtverwaltung zur Verfügung.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Ich bin gespannt, wie lange das noch gut gehen wird.

    In dem Presseartikel vom 21.10.2015 heißt es, dass der Bürgermeister keine Alternative zu dieser Entscheidung (Feldstraße) sehe.
    Dabei war es doch Herr Urbach selbst, der den Vorschlag zur Errichtung dieser Erstaufnahmeunterkunft an die Bezirksregierung Köln herangetragen hat.
    Man möchte dem Bürgermeister hier nicht vorauseilenden Gehorsam, vielmehr die allerbesten Absichten unterstellen.
    Dennoch: Wenn die Feldstraße alternativlos ist, wo kommen dann die weiteren Flüchtlinge unter, die Bergisch Gladbach in allernächster Zukunft zugewiesen werden?

    Genau wie „Sand“, wird wohl auch die Feldstraße EAE bleiben. Insofern ist die Aussage, die „Provisorien“ mittelfristig wieder aufgeben zu können, wohl eher ein frommer Wunsch.
    Dass der Sportunterricht und der Vereinssport vielerorts zum Erliegen kommen werden, dürfte sehr bald zu den kleineren Problemen zählen.

    In einem anderen Artikel auf diesem Bürgerportal habe ich gelesen, dass momentan 1.500 Flüchtlinge in Bergisch Gladbach untergebracht sind. Am Jahresende dürften das bei sehr zurückhaltender Schätzung mindestens 2.000 Menschen (alleine in der Regelzuweisung) sein. Legt man den Königsteiner Schlüssel und die Tatsache zu Grunde, dass jeden Tag 10.000 + Menschen nach Deutschland strömen, dann wird sich diese Zahl wohl deutlich nach oben orientieren.

    Sei`s drum.
    Gehen wir mal von 2.000 Flüchtlingen bis zum Jahresende aus.
    All diese Menschen benötigen adäquaten Wohnraum.
    Im Artikel vom 26.10.15 heißt es auf diesen Seiten, dass man von 40 Wohnungen je 100 Flüchtlinge ausgeht.
    Für 2.000 Flüchtlinge wären das 800 Wohnungen.
    In welchem Zeitraum will Bergisch Gladbach denn 800 Wohnungen bauen?, und wo?
    Das gilt natürlich nur für 2015. Die Zahlen für 2016 dürften noch mal um ein vielfaches höher liegen.
    Bei Immobilienscout findet man- Stand heute -160 Wohnungen in Bergisch Gladbach.

    Und, falls die Frage erlaubt ist: Wo ziehen eigentlich die einheimischen Bürger hin, die ebenfalls händeringend bezahlbaren Wohnraum suchen???

    „Je besser die Betreuung, desto weniger Konflikte“?
    Eine gute und flexible Betreuung der Flüchtlinge wird nicht ausreichen um den sozialen Frieden dauerhaft zu gewährleisten.
    Ein Blick auf die Artikelbilder reicht doch schon.
    Dass es auch in Bergisch Gladbach zu Konflikten kommen wird ist doch eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich.

    Natürlich ist der überwiegende Teil der Schutzsuchenden friedlich.
    Ein gewisser Teil der Flüchtlinge wird sich aber nicht nur mit „Schutz“ begnügen.
    Wenn dem so wäre, dann würden die Menschen nicht mehrere sichere Drittländer durchqueren um mit aller Gewalt nach Deutschland zu kommen.
    (siehe brennende Zelte in Slowenien, das Durchbrechen der Grenzen zu Österreich und mittlerweile auch das resolute Durchbrechen der Grenzen zu Deutschland.)

    Wenn diese Menschen erst einmal merken, dass Ihre Vorstellungen von dem Leben in Deutschland mit der Realität nicht korrespondieren, dann werden sie unzufrieden. Und das wird sich äußern. Zumal ein großer Teil von Ihnen auf sehr sehr lange Zeit in Turnhallen und Zelten (ohne jede Privatsphäre und ohne sinnvolle Aufgabe) eingepfercht sein wird.

    Sollte es dann zu Auseinandersetzungen, zunächst noch unter den Flüchtlingen, kommen, dann glaube ich kaum, dass die Mitarbeiterinnen vom DRK das lösen können.

    Überall dort, wo die Flüchtlinge die Eisenstangen aus ihren Betten ausgebaut haben, um die verschiedenen Konflikte zu klären, konnte selbst die Polizei die Situationen oft nur mit sehr großer Mühe und hoher „Mannstärke“ bereinigen.

    Wie viele Streifenbeamte arbeiten eigentlich pro Schicht in Bergisch Gladbach?

    Das klingt vielleicht sehr düster.
    Sollte der Zustrom nicht abreißen, dann wird es auch in Bergisch Gladbach zu Problemen kommen, die sich viele Bürger gar nicht vorstellen können/wollen.

    Ich wünsche jedenfalls eine friedliche und aufschlussreiche Bürgerversammlung heute Abend.

    Vielleicht kann der Bürgermeister dann auch mal sagen, wie die Stadt gedenkt, die Kosten für die Hartz IV Leistungen gegen zu finanzieren, wenn die Leistungen durch das Asylbewerberleistungsgesetz wegfallen.
    Laut Frau Nahles werden 90% der Flüchtlinge in den Hartz IV Bezug fallen und dort auch verbleiben.