Eine Sozialarbeiterin und ein Sicherheitsmann beobachten die Putzaktion in der Aufenthaltshalle

Anfang Dezember hatte ich die Leichtbauhallen in Katterbach besucht, um zu beschreiben, wie das Alltagsleben der damals 200 Flüchtlinge aussieht und wie das DRK die Versorgung bewältigt. Das Fazit vor einem Monat: nicht einfach, aber es läuft; nicht zuletzt die professionelle und engagierte Arbeit des DRK vermeidet Konflikte. Dazu sagte Einrichtungsleiter Matthias Burghardt: „Die Flüchtlinge sollen sich einbringen können, wir wollen früh wissen, wenn es Unzufriedenheiten gibt.“

Heute berichtet die Lokalzeitung KSTA/BLZ über eine Petition der Flüchtlinge, die sich über fehlende Steckdosen, mangelnde Sauberkeit und vor allem über das DRK beschwert haben: „Wir bedauern den Mangel an elementarem Respekt, den uns die Leitung der Einrichtung entgegenbringt.“

Wie passt das zusammen? Eine Frage, die einen Faktencheck, einen weiteren Ortsbesuch, ein Gespräch mit DRK-Geschäftsführer Reinhold Feistl, mit der Stadtverwaltung und einigen Flüchtlingen erfordert.

DRK-Geschäftsführer Reinold Feistl vor den Bürocontainern in Katterbach

Das sind die Ergebnisse:

Belegung

In den acht Tagen vor Weihnachten hat das DRK allein in Katterbach 140 weitere Flüchtlinge aufgenommen, die Gesamtzahl liegt jetzt bei 344, maximal möglich sind 390. Insgesamt wurden von der Stadt bislang 90 Bewohner aus Katterbach in feste Unterkünfte oder gar Wohnungen vermittelt.

Links und hinten stehen die Schlafhallen, rechts die Büro- und Sanitärcontainer, in der Mitte die geteilte Aufenthalts- und Familienhalle

Sauberkeit

Die drei Leichtbauhallen (und ein Nachtaufenthaltszelt) stehen auf dem alten Ascheplatz, der zum Teil aufgeschottert wurde, in Teilen aber aufgeweicht und matschig ist. Bis auf einige Plastikstäbchen zum Umrühren des Kaffees gibt es keinen Unrat; in einer Ecke versieht eine Müllpresse ihren Dienst.

Die Dusch- und Toilettencontainer sind an Donnerstagvormittag sauber, auf dem Fußboden sieht man aber viele matschige Fußspuren. Der Sanitärbereich wird zweimal täglich von einer Reinigungsfirma geputzt. Eine Aufgabe, die laut DRK-Chef Feistl die Flüchtlinge schon aufgrund der  Hygienestandards des DRK nicht übernehmen können.

Auf zehn Bewohner kommt eine Toilette.

Die Duschen und Toiletten der Grundschule werden nicht mehr genutzt. Auf jeweils zehn Flüchtlinge kommt eine Toilette. Ein Zustand, den Feistl als „überlebenswert” einstuft.

Die Schlafhallen und die Aufenthaltshalle werden von den Flüchtlingen gereinigt. Während des Besuchs wurde die Aufenthaltshalle in einer Gemeinschaftsaktion gründlich gewischt. Die Eingangsbereiche der Schlafhallen waren sauber.

Zu den Sanitärcontainern und zur Aufenthaltshalle müssen die Menschen aus den Schlafhallen quer über den matschigen Ascheplatz gehen. Weder bei den Containern noch bei den Hallen gibt es Vorräume oder auch nur Vordächer. Die Schuhe vor Betreten der Hallen auszuziehen, ist daher keine Option.

Auch die DRK-Helfer und die Sicherheitsleute gehen ständig ein und aus, auf dem gerade gewischten Boden gab es nach wenigen Minuten trotz gründlicher Nutzung der Fußmatte neue Fußspuren.

Gerade gewischt, schon wieder verschmutzt. Und kein Platz, um die Schuhe auszuziehen

Wäsche

Aus technischen Gründen ist ein Aufstellen von Waschmaschinen in großer Zahl nicht möglich, daher wird die Wäsche von einem Dienstleister gereinigt. Dabei komme es manchmal zu kleinen Verzögerungen, sagt Feistl.

Stromversorgung

In der Aufenthaltshalle sind die provisorischen Steckerleisten verschwunden, an einer Wand wurde rund 40 Steckdosen fest installiert. Eigentlich ausreichend, aber immer wieder ein Auslöser für Konflikte, berichtet Feistl: weil die Handys für die meisten Flüchtlinge als einziger Wertgegenstand und einzige Verbindung zu Heimat und Familie sehr wichtig sind, will sie niemand aus dem Auge lassen. Steckdosen in den Schlafhallen gibt es aus Gründen des Brandschutzes nicht.

Mehr Informationen zu den Menschen in Katterbach, der Unterbringung und zum Tagesablauf finden Sie im ausführlichen Bericht vom 7.12.2015

Ein Wlan ist bislang noch nicht funktionsfähig, die Initiative Freifunk arbeitet aber daran.

Die frisch gereinigte Aufenthaltshalle. Hinten links die Ladestationen.

Rückzugsräume

Die Schlafhallen sind durch relativ stabile Trennwände einer Messebaufirma in Räume für vier bis acht Personen abgetrennt, aber nach oben offen. Inzwischen wurden Lampen installiert, die für die einzelnen Räume getrennt geschaltet werden können. Dennoch ist es hier extrem hellhörig und eng; bis auf die Betten gibt es keine Möbel.

Der gesamte Aufenthaltsbereich besteht aus einer halben Halle, in der gerade für die Essensausgabe ein Bereich abgetrennt wird. Der zweite Teil der Halle ist mit Schlafabteilen für Familien und Frauen belegt.

Die Schlafhallen sind durch leichte, aber feste Wände abgeteilt. Nach oben ist alles offen.

Darüber hinaus gibt es nur ein sogenanntes Nachtaufenthaltszelt: hier können abends diejenigen Rauchen und Fernsehen, die nicht schlafen können oder wollen. Das Zelt ist nur notdürftig beheizt. Die Schlafhallen sind offiziell für Temperaturen von bis zu minus 20 Grad ausgelegt.

Standort für neue Aufenthaltshalle

Seit Anfang an hat das DRK für die Betreuung, für Hausaufgaben und andere ruhigere Beschäftigungen eine weitere Halle gefordert. Diese Halle ist nach Angaben der Stadtverwaltung inzwischen auch bewilligt und soll möglichst rasch aufgestellt werden.

Am Donnerstag wurde mit der Leitung der benachbarten Gemeinschaftsgrundschule auch besprochen, wo diese Halle in Containerbauweise stehen soll: Auf dem asphaltierten Sportplatz hinter der Schule und hinter den Hallen, der bislang noch durch einen Zaun von dem Gelände der Unterkunft getrennt ist.

Hier soll eine Aufenthaltshalle aufgebaut werden

Respekt

Die Arbeit der DRK-Mitarbeiter fusst nach Angaben von Geschäftsführer Feistl auf einem hohen Verständnis für die Lage der Flüchtlinge. Allerdings falle es einigen Flüchtlingen schwer zu verstehen, warum zum Beispiel Einrichtungsleiter Burghardt nach einem 10-stündigen Arbeitstag immer noch in seinem Büro an Verwaltungsaufgaben sitze und nicht alle fünf Minuten für Anliegen zur Verfügung stehe.

Konflikte gebe es vereinzelt mit schwer traumatisierten Flüchtlingen. Das DRK habe jedoch zum 1. Januar eine Psychologin einstellen können, die sich nur um Katterbach kümmert.

Informationen am Eingang zur Aufenthaltshalle

Hintergrund der Petition

Der Initiator der Petition ist nicht auszumachen, er hat sich auch bei der Stadtverwaltung oder den städtischen Sozialarbeitern nie direkt gemeldet. Unterschrieben ist die Petition von 60 Personen, die zu wenigen Familien gehören.

Beim Besuch am Donnerstag waren nur vereinzelt kurze Gespräch mit Flüchtlingen möglich, Kritik wurde nicht geäußert.

Das DRK hatte die Petition und die Forderungen noch im Dezember zum Thema einer Vollversammlung gemacht. Dabei seien alle Vorwürfe, so Feistl besprochen und abgearbeitet worden. Damit sei das Thema für die Mitarbeiter erledigt gewesen, bis nun der Bericht im KSTA/BLZ erschien.

Hier müssen die Bewohner auf dem Weg zur Toilette lang. Auch nachts. Daher ist das Gelände immer mit Flutlichtern ausgeleuchtet.

Weitere Pläne

Mit Ankündigungen gegenüber den Bewohnern ist der DRK-Geschäftsführer sehr vorsichtig, um keine zu großen Erwartungen zu wecken: „Vieles wollen wir, doch das meiste geht nicht so schnell.”

Dennoch verrät Feistl, dass er an einer ständigen Verbesserung der Einrichtung arbeitet. Ein wichtiger Schritt sei das zusätliche Betreuungszelt. Außerdem will er möglichst rasch das Plastikgeschirr durch Porzellan ersetzen. Aus ökologischen Gründen – und weil er sich über der vertreuten Plastikstäbchen auf dem Gelände ärgert.

Vereinzelte Plastikstäbchen im Matsch des Aschebodens

Auch die Stadtverwaltung arbeitet kontinuierlich an einer Verbesserung der Unterkunft. So soll die Zahl der Steckdosen noch einmal erweitert werden. Vor den Eingängen zu den Hallen sollen Vordächer errichtet werden. Und alle Wege auf dem Gelände werden kurzfristig geschottert.

Hinweis der Redaktion: Auch dieser Beitrag ist lang – mit Absicht. Weil wir Antworten auf die Fragen zum Alltag der Flüchtlinge liefern wollen, die bei den Bürgerversammlungen, in den Kommentaren, auf Facebook, immer wieder gestellt wurden. Sie haben noch mehr Fragen? Stellen Sie diese Fragen, unten in den Kommentar oder per Mail (info@in-gl.de); wir bemühen uns um Antworten.

Lesen Sie mehr:
Alle Beiträge über die Unterkunft Katterbach
Alle Beiträge über Flüchtlinge in Bergisch Gladbach
So können Sie helfen: Ansprechpartner und Kontakte
DRK-Website zur Flüchtlingshilfe

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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  1. Hallo Bsbg, sicher eine Riesensumme, ansonsten würde gerade das DRK die gar nicht machen :-(

  2. Diese gründliche Recherche, die vieles klarstellt, hätte ich auch von den Journalisten des Stadt-Anzeigers und/oder der Landeszeitung erwartet! Leider waren deren Artikel zur Petition weniger ausführlich und informativ. Danke dafür und für all die anderen guten, vielseitigen Berichte zum Thema Flüchtlinge.

  3. Guten Tag Herr Watzlawek,

    ich wollte einfach mal Danke für die Arbeit hinter diesem Bericht sagen; Danke!
    Sehr hilfreich, gerade im Zusammenhang mit ihren anderen Berichten!

    mfg
    R.M. Kraus

  4. Guten Morgen.
    Eine Frage hätte ich gerne beantwortet:
    Was bekommt das DRK monatlich für die Leistungen in den Unterkünften in Katterbach und Sand bezahlt?
    Es gibt das so viele unterschiedliche Behauptungen.
    Mfg