200 Menschen leben in den Leichtbauhallen in Katterbach, die Tag und Nacht hell beleuchtet werden. Bald werden es bis zu 390 Flüchtlinge sein. Aber was geht in der Unterkunft ab?

390 Flüchtlinge wohnen womöglich schon recht bald in Katterbach. Vor wenigen Tagen wurden dort ein Bewohner und ein Sicherheitsmann bei einem Konflikt verletzt. Kann das gut gehen? Wir haben den Alltag in der DRK-Einrichtung beobachtet; das Ergebnis könnte Sie langweilen.

Gerade noch haben hier mehr als 100 Menschen gegessen, jetzt räumen einige junge Männer den Müll weg. Der Kicker in der Mitte der Halle ist dicht umlagert, auf einer Decke in der Ecke spielt ein Mädchen Gitarre, umringt von Kleinkindern. Eine bunte Truppe 5- bis 25-Jähriger stapelt Bananenkartons und übt die Treffgenauigkeit mit einem kleinen Ball. Drei Halbwüchsige packen Deutschbücher aus und sprechen sich Vokabeln vor.

Laut, aber spektakulär unspektakulär geht es an diesem Nachmittag im großen Gemeinschaftszelt der Flüchtlingsunterkunft Katterbach zu, dem Wohn-, Spiel- und Arbeitszimmer von mehr als 200 Menschen aus 21 Ländern.

Nur wenige Tage zuvor standen sich genau hier 40 Syrer in zwei Gruppen im Streit um ein verschwundenes Handy gegenüber. Vorwürfe und Beschimpfungen flogen hin und her, dann ein Plastikstuhl. Ein Flüchtling und ein Sicherheitsmann, der dazwischen ging, wurden leicht verletzt. Dann erschien die Polizei und beruhigte die Streithähne rasch. (Mehr Infos zu dem Vorfall.)

Wie passen der friedliche Alltag und die abrupte Eskalation zusammen? „Bei so vielen Menschen auf engem Raum gibt es eine Gruppendynamik, da kann ein Einzelner nichts ausrichten, dann brauchen wir die Polizei“, sagt Matthias Burghardt, der die Flüchtlingsunterkunft in Katterbach für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) leitet. Aber über diesen einen Vorfall und einigen individuellen Streitigkeiten hinaus habe es keine ernsthaften Auseinandersetzungen gegeben. Dafür gibt es gute Gründe.

Matthias Burghardt, Ethnologe und Leiter der DRK-Unterkunft in Katterbach

Keine Drohungen gegen Christen, keine Gewalt gegen Frauen

Weder von Christen noch von Frauen gebe es Hinweise, dass sie sich bedroht oder belästigt fühlen. „Bei uns leben Muslime, Christen, Jesiden und Atheisten – da gibt es einige, die sich aufgrund schlechter Erfahrungen nicht dazu bekennen wollen,“ erläutert Burghardt. „Aber wir haben bislang keinerlei religiöse Konflikte registriert.“

Von Beschwerden in anderen Unterkünfte habe er gehört, aber auch dann müsse man hinterfragen, ob solche Vorwürfe nicht als Argument für einen Umzug in eine Wohnung genutzt werde, sagt der Mann, der Ethnologie, Soziologie und Religionswissenschaften studiert hat.

Die wenigen alleinreisenden Frauen sind in Katterbach im Familienzelt untergebracht, der Sicherheitsdienst soll dafür sorgen, dass sie auch nachts ungestört in die Sanitärräume gelangen können. Der Bezirksbeamte der Polizei schaut immer mal wieder auf dem Gelände vorbei. Tag und Nacht sind mehrere Sicherheitsmänner vor Ort – die eigentlich nur das Objekt bewachen, de facto aber auch als Ansprechpersonen für alle unterwegs sind.

Um eine Eskalation in der Unterkunft zu vermeiden, sei jedoch das allgemeine Klima viel wichtiger, betont Burghardt. Seien die Flüchtlinge anständig versorgt und hätten das Gefühl, willkommen zu sein, bleibe es auch in großen Einrichtungen wie in Katterbach ruhig. Dafür tut das DRK im Auftrag der Stadt und mit Hilfe freiwilliger Bürger einiges.

200 Bewohner, 30 hauptamtliche Betreuer

30 Personen beschäftigt das Rote Kreuz in Katterbach, täglich von 8 bis 20 Uhr, sieben Tage die Woche. Die Sanitätsstation ist mit zwei Personen besetzt, um die Verpflegung kümmern sich 13 Mitarbeiter, 15 (Sozial-)pädagogen und Sozialarbeiter sind für die direkte Betreuung der Menschen zuständig; in ihren roten Jacken sofort zu erkennen und immer ansprechbar.

Einige von ihnen haben einen Migrationshintergrund, beherrschen Arabisch, Farsi oder Paschtu – doch die allgemeine Umgangssprache im Camp ist Englisch, vermischt mit deutschen Bruchstücken.

Allen gemeinsam ist die gute Laune, die Begeisterung für ihre Arbeit. Einige kommen frisch von der Universität, andere haben ihre Jobs in anderen sozialen Einrichtungen aufgegeben, weil sie das Gefühl haben, etwas bewegen zu können. „Hier gehen Theorie und Praxis perfekt Hand in Hand, hier bewirkt jeder jeden Tag etwas“, bringt es Burghardt stellvertretend für sein Team auf den Punkt.

Couscous mit Tomatensoße. Vanillepudding.

Vollpension bietet wenig Möglichkeiten zur Mithilfe

Das Essen wird von der DRK-Küche des Ortsvereins Bergisch Gladbach geliefert, dreimal am Tag. An diesem Mittag gibt es Couscous mit Tomatensoße, Bananen und Schokopudding. Dieses Essen, berichtet der Koch an der Ausgabe, kommt gut an.

Schwer tun würden sich die Flüchtlinge dagegen mit typisch deutschen Gerichten. Schweinefleisch gibt es natürlich nicht; aber auch Geflügelwürstchen würden nicht gerne genommen. Morgens und abends gibt es Brot, Käse, Aufschnitt und Marmelade in Selbstbedienung.

Die Möglichkeiten der Flüchtlinge, selbst etwas zu tun, sind begrenzt. Zur Essensausgabe dürfen die Flüchtlinge aufgrund von Hygienevorschriften nicht hinzu gezogen werden. Beim Auf- und Umräumen fassen sie mit an; aber ihre Wäsche waschen können sie nicht.

Waschmaschinen können nicht aufgestellt werden, weil die Kanalisation für das Abwasser auf dem Sportplatz fehlt. Also geht die gesamte Schmutzwäsche einmal die Woche in numerierten Beuteln in eine Bensberger Wäscherei.

Gemeinsame Aufräumarbeiten. Hier finden alle Aktivitäten statt; einen zweiten Fernseher gibt es im zugigen „Nachtaufenthaltszelt”

Kleidung soll und darf etwas kosten

Die Flüchtlinge erhalten bei ihrer Ankunft eine Erstausstattung, alles weitere können sie sich für einen symbolischen Preis in der DRK-Kleiderkammer dazu kaufen. Das ist nach Ansicht des DRK auch für das Selbstwertgefühl enorm wichtig: viele Flüchtlinge wollten die Kleidung gar nicht geschenkt bekommen.

Sie dürfen die Einrichtung jederzeit verlassen und haben einen Mobilpass bekommen, der 50 Prozent Rabatt bei allen öffentlichen Verkehrsmitteln bringt.

Insgesamt machen die Menschen in Katterbach einen gut ausgestatteten Eindruck. Aber bei bestimmten Kleidungsstücken wird der Vorrat der einst so gut bestückten Kleiderkammer knapp, berichten die DRK-Mitarbeiter. Aktuell werden vor allem Handtücher, Socken und Unterwäsche benötigt und wie immer gute Männerkleidung in kleinen Größen.

143 Euro für alle privaten Bedürfnisse

Wie alle Flüchtlinge in Sammelunterkünften erhalten die Menschen in Katterbach pro Monat von der Stadt 143 Euro Taschengeld in bar ausgezahlt, für alle privaten Ausgaben. Ein Teil des Geldes geht für die Handykarten weg, weil der Kontakt zur Heimat unverzichtbar ist. Ein Wlan, das zum Beispiel auch Skype-Telefonate erlaubt, will die Stadtverwaltung in Kürze auch in Katterbach einrichten.

Das Camp auf dem Ascheplatz in Katterbach, das zunächst aus zwei eilig aufgestellten Großzelten bestand, ist inzwischen in stabilere, gut beheizbare Leichtbauhallen umgezogen. Eine Halle ist zur Hälfte mit dem Speise- und Sozialraum belegt, in der anderen Hälfte schlafen Familien und alleinstehende Frauen. Die zweite Halle ist mit Männern belegt.

Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag ist sehr detailliert und sehr lang – mit Absicht. Weil wir Antworten auf die Fragen zum Alltag der Flüchtlinge liefern wollen, die bei den Bürgerversammlungen, in den Kommentaren, auf Facebook, immer wieder gestellt wurden. Sie haben noch mehr Fragen? Stellen Sie diese Fragen, unten in den Kommentar oder per Mail (info@in-gl.de); wir bemühen uns um Antworten.

Zwei Drittel Männer, ein Drittel Frauen – aus 21 Nationen

Zwei Drittel der Bewohner in Katterbach sind Männer, ein Drittel Frauen, das Durchschnittsalter ist sehr niedrig: Die meisten Flüchtlinge sind jünger als 30 Jahre, in der Generation über 50 gibt es nur sehr wenige Vertreter. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge kommt aus Syrien; mit großem Abstand folgen Irak, Afghanistan, Eritrea und Serbien – sowie 16 weitere Länder mit Zahlen im einstelligen Bereich.

Einrichtungsleiter Burghardt hat einen guten Überblick, wer sich im Lager befindet, hat für jeden Bewohner eine Personalnummer vergeben und eine Akte angelegt. Die Flüchtlinge dürfen sich in NRW frei bewegen und auch Verwandte besuchen; dazu müssen sie sich nur abmelden.

Unterteilte Schlafhallen, aber von Rückzugsraum keine Spur

Die Hallen sind durch Holzwände einer Messebaufirma in Kabinen mit fünf bis sieben Betten aufgeteilt. Das ist besser als in vielen anderen Hallen, die nur durch Bauzäune und Planen unterteilt sind – aber auch hier gibt es keine wirkliche Ruhe, keinerlei Rückzugsmöglichkeiten.

Bislang mussten die Flüchtlinge Toiletten und Duschen in der Turnhalle der benachbarten Grundschule nutzen. Zudem hat die Stadt jetzt endlich Dusch- und Toilettencontainer geliefert bekommen, die nun am Rande des Ascheplatzes stehen und gerade angeschlossen werden – womit die Nutzung der Turnhalle sehr bald wegfällt.

Beschwerden von Eltern

Nicht immer hatten sich die Flüchtlinge auf dem Gelände der Grundschule an die vorgeschriebenen Wege gehalten, was zu einigen Konflikten und Beschwerden der Eltern führte. Doch inzwischen wurde der Wachdienst angewiesen, darauf zu achten, dass der Notausgang über den Schulhof wirklich nur als Notausgang und der Spielplatz erst nach der OGS-Zeit genutzt wird.

Der Unterricht einer privaten Sprachschule in einem Raum der 1.-Klässler wurde eingestellt. Auch hier hatte es Kritik von Eltern gegeben, die sich schlecht informiert fühlten. Nach Angaben der Stadtverwaltung wurde der Unterricht aber nur deshalb in der Schule beendet, weil der private Anbieter nicht bereit war, die übliche Miete für die gewerbliche Nutzung der Räume zu bezahlen.

Eine halbe Halle ist für Essensausgabe, Lernen, Freizeit vorbehalten. Derzeit für 200 Personen, demnächst für 390.

Eine Halle fehlt, zum Spielen und Lernen

Über die zwei Hallen hinaus gibt es nur noch eine schlecht beheiztes, zugiges „Nachtaufenthaltszelt“ mit einem Fernseher. Für alle diejenigen, die bei Anbruch der Nachtruhe um 22 Uhr noch nicht schlafen wollen oder können. Tagsüber gibt es hier einige Betreuungsangebote für Kinder – doch dafür ist es eigentlich jetzt schon zu kalt.

Daher wünscht sich Matthias Burghardt sehr dringend eine weitere Halle für Betreuungs- und Beschäftigungsangebote und als ruhigen Lernraum. „Wir sind hier eine echte Regelunterkunft, die Menschen bleiben unter Umständen für viele Monate – daher muss die Infrastruktur für so viele Menschen alltagstauglich sein“, betont der Einrichtungsleiter.

Auf dem Ascheplatz wird derzeit eine weitere große Leichtbauhalle fertig gestellt – aber auch sie soll komplett mit Betten belegt werden; noch in diesem Jahr kann die Einrichtung also auf 390 Menschen wachsen.

Mehr als 1700 Flüchtlinger in Bergisch Gladbach

Insgesamt bringt Bergisch Gladbach derzeit in Hallen, Hotels, Bürogebäuden, Containern und Wohnungen knapp 1400 Flüchtlinge in der sogenannten Regelzuweisung unter: Diese Flüchtlinge haben bereits ihren Asylantrag gestellt und warten jetzt den Gang des Verfahrens ab, das immer noch viele Monate dauern kann. Hinzu kommt die sogenannte Erstaufnahme in Amtshilfe für das Land; hier hält die Stadt in der Dreifachturnhalle in der Feldstraße und in der Sporthalle in Sand rund 340 Plätze vor.

Dabei greift die Stadt (wie auch andere Kommunen im Kreis RheinBerg) immer stärker auf das DRK zurück. Die Erstaufnahmen in Sand und Katterbach und die Regelunterkunft in der Sporthalle in der Refrather Schwerfelstraße wurden ohnehin vom DRK betrieben, jetzt ist auch die Containeranlage in der Frankenforster Taubenstraße hinzugekommen, nächstes Jahr folgt das Containerdorf hinter der IGP in Paffrath.

Ende September wurde die erste Gruppe in den eilig aufgebauten Zelten aufgenommen. 80 der 160 Personen aus der Erstbelegschaft konnten schon weiter vermittelt werden.

Aufenthaltdauer: unbekannt

Wie lange die Menschen in Katterbach ist den Hallen bleiben, ist sehr unterschiedlich. Von den 160 Flüchtlingen, die bei der Erstbelegung Ende September dabei waren, sind schon etwa 80 verlegt worden. Vor allem Familien mit kleinen Kindern und Kranken weist die Stadt so schnell wie mögliche eine Unterkunft in einer Wohnung oder einem festen Container zu; aber auch jetzt wohnen 41 Minderjährige in Katterbach, darunter auch ein Säugling und einige Kleinkinder.

„Die meisten unserer Leute kommen aus Syrien, haben einen guten Bildungshintegrund und in klein- bis gutbürgerlichten Verhältnissen gelebt“, berichtet Burghardt. Sie hätten nicht nur Familie und Freundeskreis zurück gelassen, sondern auch ihre Wohnungen, Häuser und Arbeitsstellen, „ihre ganze Normalität“. Daher seien die meisten Flüchtlinge sehr dankbar, in Sicherheit trocken, warm und satt zu werden. Doch nach zwei Monaten würden viele von ihnen ungeduldig: „Das Camp hier ist nur eine Zwischenlösung, die Menschen brauchen Wohnraum und Beschäftigung.“

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So können Sie helfen: Ansprechpartner und Kontakte
DRK-Website zur Flüchtlingshilfe

Nach dem Aufbau der Strukturen in Katterbach wollen Burghardt und sein Team nun allmählich mit der inhaltlichen Arbeit anfangen und mittel- bis langfristig die Strukturen für eine Integration legen.

Zuvor aber müssen die internen Strukturen noch einmal aufgebohrt werden. Mit der Inbetriebnahme der dritten Halle kommt das Lager in eine neue Größenordnung. Dafür wird das Personal aufgestockt, aber auch der Arbeitsalltag muss ein Stück weit bürokratisiert werden. „Bei 160 Bewohnern kannte ich noch jeden einzelnen, bei vielen war mir ihr Hintegrund bewusst – bei 390 wird das anders,“ ahnt der Einrichtungsleiter.

Gutes Angebot an Sprachkursen

Derzeit sind viele der Flüchtlinge mit Sprachkursen gut ausgelastet. Ein Sonderprogramm der Agentur für Arbeit finanziert allen Flüchtlingen aus Syrien, Irak, Eritrea und Iran Intensivkurse mit täglich vier Stunden Deutsch-Unterricht, das DRK-Familienbildungswerk des KAB bietet Mutter-Kind-Kurse und die Bürgerinitiative „Willkommen in Schildgen“ kümmert sich um die 12- bis 18-Jährigen und zum Teil um die Erwachsenen der anderen Herkunftsländer.

In der Kinderbetreuung helfen viele Ehrenamtler mit

Ehrenamtliche Hilfe über die eingeführten Initiativen

Ehrenamtliche Hilfe ist in Katterbach gerne gesehen. Doch legen Burghardt und seine Kollegen Wert darauf, dass diese Arbeit über bekannte und eingeführte Organisationen erfolgt – in Katterbach vor allem über „Willkommen in Schildgen“; aber auch über das Mentorenprojekt, die KAB oder andere Einrichtungen.

Wer helfen möchte sollte sich bei diesen Adressen oder der Verwaltung des DRK melden. Besucher sind in der Einrichtung erlaubt, müssen sich aber beim Wachdienst am Eingang anmelden und dabei angeben, wen sie besuchen.

Den Wunsch von Anwohnern nach einem Tag der offenen Tür hatte das DRK abgelehnt; da gehe die Privatsphäre der Bewohner vor. „Das hier ist schließlich nicht nur ihr Wohnzimmer, sondern auch ihr Schlafzimmer“, erklärt Burghardt.

Kinder gehen in die Schule – nach und nach

Alle Kinder in Katterbach im entsprechenden Alter sind schulpflichtig, sechs von ihnen besuchen bereits die benachbarte Grundschule, weitere acht sollen bald folgen. In die einzelnen Klassen kommt derzeit nur ein Flüchtlingskind, später könnten es aber auch zwei pro Klasse werden. Zum Teil kommen die Kinder ohne Sprachkenntnisse in die Schule, saugen die Sprache aber geradezu auf. Für die älteren Schüler vermittelt das Kommunale Integrationszentrum des Kreises Plätze in den weiterführenden Schulen, aber das kann eine Weile dauern.

Die DRK-Mitarbeiter nutzen jede Gelegenheit, ihren Schützlingen die deutsche Sprache, aber auch die hier üblichen Regeln und Umgangsformen nahe zu bringen. Das reicht vom Hinweis an den Jungen, sich erst einmal Jacke und Schuhe anzuziehen, bevor er sich ein Fahrrad ausleihen darf – bis zur klaren Ansage, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind.

Flüchtlinge und DRK-Mitarbeiter begrüßen Bundespräsident Joachim Gauck in Katterbach

Staatskundeunterricht: Demokratie und Deeskalation

Diesen „informellen Staatskundeunterricht“ weitet das DRK nun aus. Regelmäßig sollen Vollversammlungen stattfinden, ein „Küchenbeirat“ soll etabliert und Delegierte gewählt werden. Zunächst nur für jeweils eine Woche, „in längeren Zeiträumen denkt hier keiner“, sagt Burghardt. Auch diese Vorhaben versteht er als Maßnahmen zur Deeskalation: „Die Flüchtlinge sollen sich einbringen können, wir wollen früh wissen, wenn es Unzufriedenheiten gibt.“

Dabei fängt das DRK nicht bei Null an, viele Flüchtlinge haben ein starkes Gefühl der Solidarität, unabhängig von Religion oder Nationalität. Das zeigte sich auch bei einer spontanen Zusammenkunft am Vortag des Besuchs von Bundespräsident Joachim Gauck. „Der Sicherheitsdienst hatte mich alarmiert, es gebe einen Tumult,“ erinnert sich Burghardt. „Doch dann ging es nur um die Frage, wer die Flüchtlinge bei dem Besuch repräsentieren werde – und ob auch alle Gruppen angemessen vertreten sind.“

Bundespräsident Joachim Gauck im Gespräch mit Flüchtlingen in Katterbach

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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