Der Vorstand von Bürger für uns Pänz: David Roth, Inge Krey, Volker Damm, Sylvia Zanders, Martin Schilling, Johannes Zenz, Ute Glaser. Es fehlt Maria Vagedes

Der Vorstand von Bürger für uns Pänz: David Roth, Inge Krey, Volker Damm, Sylvia Zanders, Martin Schilling, Johannes Zenz, Ute Glaser. Es fehlen Wilfrid Krüger und Maria Vagedes

Früher war alles besser? Vielleicht, aber auch vor 30 Jahren hatte die Stadt Bergisch Gladbach bereits Schwierigkeiten, für die Kinder der Stadt das zu machen, was sie für richtig und nötig hielt. Doch der damalige Bürgermeister Franz Heinrich Krey hatte eine Idee, die bis heute Früchte trägt: die Gründung eines Vereins, der dort hilft, wo die öffentliche Hand an ihre Grenzen stößt. Das war die Geburtsstunde für „Bürger für uns Pänz e.V.”, der jetzt zum Jubiläum Bilanz zog.

797.000 Euro hat dieser Verein inzwischen in unzählige große, kleine und kleinste Förderungen und Projekte gesteckt, die unmittelbar einem Kind in Bergisch Gladbach zu Gute kommen. 680.000 Euro wurden an Spenden eingenommen, 68.000 an Mitgliedsbeiträgen und weitere 50.000 Euro an Zinsen und sonstigen Einnahmen.

Zwischen 50 und 70 Förderungen bewilligt der Verein derzeit pro Jahr – und ist stolz darauf, Null Euro Verwaltungskosten verbuchen zu können.

Dafür sorgt nicht zuletzt Sylvia Zanders, die seit 30 Jahren den Vorsitz führt. Auch das sei die Idee von Krey gewesen, berichtet Inge Krey, die Ehefrau des damaligen Rathauschefs und ebenfalls seit Anfang an im Vorstand von „Für uns Pänz”. Zanders, Mutter von vier Kindern und damals bereits bei DRK und „Essen auf Räder” engagiert, zögerte zwar, räumt sie gerne ein. Aber nachdem klar war, dass sie von einem tatkräftigen Vorstand und Wilfrid Krüger als Geschäftsführer unterstützt würde, sagte sie zu und legte los.

„Unter einem guten Stern”

Von Anfang an, sagt Sylvia Zanders, habe der Verein „unter einem guten Stern gestanden”. Die Zusammenarbeit sei immer sehr gut, die Unterstützung von Stadt und Bürgern sehr groß gewesen.

Dafür sorgt nicht zuletzt die Philosophie des Vereins: „Nicht nur in der 3. Welt gibt es Armut, auch vor der eigenen Haustür leben Kinder in Not. Dafür ist ein hoher Anteil Alleinerziehender, der Werteverlust und eben auch die Finanznot der Kommunen verantwortlich”, fasst Zanders zusammen.

Ausdrücklich bedankt sich der Verein bei den vielen Spendern, die es erst möglich machen, dass die „Bürger für uns Pänz” so viel, so unbürokratisch und so schnell helfen können. Neben vielen Einzelspendern, die gerade bei Familienfeiern oder Firmenjubiläen an den Verein denken, gibt es einige starke Unterstützer.

Premiere 2013. Der Spendentreff 2016 findet an diesem Donnerstag im Fordstore Lüttgen statt

Dabei hebt Zanders vor allem den „Junge Unternehmer Club” (JUC) hervor, der alleine rund 150.000 Euro an Spenden eingeworben habe. Waren es früher die Fußballturniere, so ist es jetzt der Spendentreff, bei dem der JUC für den Verein aktiv ist. Der nächste Spendentreff findet an diesem Donnerstag statt.

Ein weiterer Kassenschlager für den Verein ist der traditionelle Gläserverkauf zu Weihnachten, für den sich jedes Jahr Dreigestirn und Prinzengarde engagieren – und auch hier sind insgesamt 80.000 Euro zusammen gekommen. Die Kreissparkasse ist ein weiterer großer Spender für die Sache der Kinder.

Derzeit hat der Verein 110 Mitglieder, „das könnten aber gerne noch etwas mehr werden”, wirbt Geschäftsführer Johannes Zenz (Kontakt: s.u.).

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Sehr breit ist das Spektrum der Vereinsaufgaben. Zu den Kriterien für eine Förderung gehört zunächst, dass sie unmittelbar dem Kinder oder den Kindern nutzt und punktuell hilft. So unterstützt der Verein zwar das Frauenhaus – aber finanziert eben ganz konkret die Ausstattung eines Spielzimmers für die Kinder im Frauenhaus.

Zudem übernimmt der Verein keine Aufgaben, die eindeutig in den Aufgabenbereich des Staates gehören; auch wenn die Grenzen da nicht so eindeutig sind. „Wir wollen nicht nur für die Stadt in die Bresche springen, sondern etwas Zusätzliches bieten”, erläutert David Roth, der für seinen Vater Fritz Roth in den Vorstand nachgerückt ist. Damit könne Bergisch Gladbach einige Dinge für Kinder bieten, die es in anderen Städten nicht gebe.

Um zu demonstrieren, wie breit das Spektrum ist, tragen die Vorstandsmitglieder Zanders, Krey, Roth,  Zenz, Volker Damm und Ute Glaser beim Pressegespräch einige Beispiele aus der Geschichte des Vereins klar, die vom Klassiker bis zur ungewöhnlichen Finanzierung eines Vaterschaftstests reichen:

  • eine Waschmaschine für eine Familie, die sie sich nicht leisten kann
  • eine Jahresmitgliedschaft und Fußballschuhe für den Sportbegeisterten
  • den Beitrag für eine Klassenfahrt
  • das Bett für das zweite Kind
  • die Klamottenausstattung für das Vorstellungsgespräch für eine Ausbildungsstelle
  • der Spielplatz am Papiermuseum Alte Dombach
  • die Verteilung der „Elternbriefe”
  • das Malprojekt für Flüchtlingskinder in der GGS Gronau
  • die Einrichtung für eine Behinderten-WG
  • die Ersatz-Kinderbetreuung für den Notfall
  • Unterstützung für Trauerbegleitung für Kinder
  • die Sanierung des Spielplatzes Saaler Mühle
  • den Kauf einer Hüpfburg für den Spieleverleih der Gnadenkirche
  • der Vaterschaftstest, der eine junge Familie wieder auf sichere Füße stellte

Das Verfahren ist sehr unbürokratisch, weil der Verein dabei auf Instanzen zurückgreift, die die einzelnen Fälle kennen und fachlich beurteilen können sowie für eine zweckgemäße Verwendung der Gelder sorgen: Jugendamt, Caritas, Diakonie und andere Wohlfahrtsorganisationen, aber auch Kindergärten oder Schulen.

Häufig kommen die Anträge über Johannes Zenz, der nicht nur Geschäftsführer des Vereins, sondern eben auch im Jugendamt der Stadt arbeitet ist. In der Regel ist sich der Vorstand schnell einig; und in der Regel kommt die Hilfe schnell.

Kontakt: 
Geschäftsstelle Bürger für uns Pänz e.V.
Johann-Bendel-Straße 2, 51429 Bergisch Gladbach
Tel.: 02204 53465
Spendenkonten:
VR Bank Bergisch Gladbach, Iban DE27 3706 2600 3608 1840 14
Kreissparkasse, Iban DE48 3705 0299 0311 0150 14

Allerdings ist es manchmal gar nicht so einfach, die Bedürftigen zu erreichen. Zum Beispiel fördert „Bürger für uns Pänz” regelmäßig Aufführungen im Bergischen Löwen. So steht am kommenden Sonntag das Kindermusical „Kleiner Rabe Socke” auf dem Programm. Einkommensschwache Familien können sich im Vorfeld Karten für einen Euro pro Person im Jugendamt abholen. Eine tolle Sache, da sind sich alle einig; aber bei den Aufführungen werden nur zwischen 20 und 30 Karten abgerufen.

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Kindermusical „Der kleine Rabe Socke”, an diesem Sonntag

Auch über die Förderung der Kultur hinaus verfolgt der Verein einen sanften pädagogischen Ansatz. So will er sich jetzt mit dem Projekt „Sprich mit mir” darum kümmern, dass Eltern wieder ihren Kindern mehr Aufmerksamkeit schenken als ihrem Smartphone.

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Hinweis der Redaktion: In einer ersten Variante hatten wir Inge Krey als „Witwe des damaligen Rathauschefs” bezeichnet. Das ist falsch,  Franz Heinrich Krey lebt. Wir bitten, diesen sehr bedauerlichen Fehler zu entschuldigen.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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