Der künftige Kreisverkehr Schnabelsmühle in einer Simulation. Die Gestaltung des Innenraums soll ein Wettbewerb entscheiden.

Das Unternehmernetzwerk „Best of Bergisch” (BoB) hat nur 30 Mitglieder, doch die haben viel vor. Im Verbund wollen sie ihren Kunden beste Qualität bieten. Und darüber hinaus mit einem großen öffentlichen Projekt für Aufmerksamkeit sorgen: Die Unternehmen haben mit der Stadtverwaltung vereinbart, für die Gestaltung des neuen Kreisverkehrs an der Schnabelsmühle zu sorgen.

„Wir wollen uns in der Region breit machen, wir wollen ein Ausrufezeichen setzen”, sagte Vorstand Hendrik Walter (Wohngrund GmbH) beim ersten Frühjahrsempfang von „Best of Bergisch” im Ballsaal von Schloss Bensberg. Zuvor hatte BoB-Direktor Andreas Maria Klein (Leonhard & Imig Rechtsanwälte) das Ziel ausgegeben: „raus aus dem Mittelmaß, hin zur Spitzenqualität”. Im Umgang mit den Kunden, aber eben auch in der Wirkung nach außen.

Daher hat BoB mit der Stadtplanung vereinbart, einen Wettbewerb zu veranstalten, der zu einer „attraktiven, identitätsstiftenden und  für die Stadt kostenneutralen Gestaltung” des Kreisel-Innenraums an der Schnabelsmühle führen soll.

Vertreter von Best of Bergisch mit Baurat: Andreas Maria Klein, Heinz-Peter Buschmann, Stephan Schmickler, Frank Heller, Daniel Ruhfus, Hendrik Walter

Werbung für das Netzwerk, eine kostenlose Gestaltung für die Stadt

Bei dieser „Public Private Partnership” handele es sich um eine Chance, bei der alle Beteiligten nur gewinnen könnten, stimmt Wolfgang Honecker, Leiter der Stadtplanung, zu. Die Unternehmen könnten öffentlichkeitswirksam Know-how demonstrieren. Die Stadt bekomme umsonst eine Leistung, die sie sonst nicht bezahlen könne.

Denn im Konzept des Megaprojektes „Strunde hoch vier”, zu dem auch der Kreisverkehr gehört, sei nur eine Einfachlösung für den Innenraum vorgesehen worden. Sprich: eine Rasenfläche. Und das, obwohl es sich bei diesem „Kreisverkehrsplatz” vor der Villa Zanders um den neuen Stadteingang handele – mit einer entsprechend großen stadtplanerischen Bedeutung.

Noch muss die Politik zustimmen, dann folgt ein Wettbewerb

Viele Fragen sind noch offen, auch muss sich zunächst einmal der Stadtplanungsausschuss am 27.4. mit dem Thema befassen. Damit es keine vergaberechtlichen Probleme gibt wird die Gestaltung des Innenraums vom Projekt „Strunde hoch vier” abgetrennt, sagt Honecker. Ziel sei eine möglichst breite Akzeptanz der künftigen Gestaltung durch die Bürger.

Für BoB ist klar, dass die Gestaltung „charakteristisch für die Stadt, transparent und von hoher künstlerischer Qualität” werden soll, sagt Heller. Dahin soll ein zweistufiges Verfahren führen: zunächst gibt es einen Ideenwettbewerb, offen für alle Bürger, Organisationen und Institutionen der Stadt.

Diese Vorschläge sollen von einer Jury, besetzt mit sachkundigen, prominenten Vertretern der Stadt, bewertet werden. Drei Vorschläge gehen in einen Wettbewerb, an dessen Ende die Jury einen Sieger kürt – möglichst ein Architekt aus der Region mit einem günstigen Preis.

So sieht es aktuell an der Schnabelsmühle aus

Baurat Stephan Schmickler, ebenso wie Bürgermeister Lutz Urbach Gast des Frühjahrsempfangs, steht voll und ganz hinter dem Projekt, auch wenn noch viel zu klären sei. Bei der Beauftragung von BoB als Projektentwickler würden alle rechtlichen Auflagen gelten, ein transparentes Verfahren sei also gewährleistet.

Ähnliche Public Private-Partnerships habe die Stadt bislang nur im sehr kleinen Umgang bei der Kooperation mit Gärtnern bei der Pflege von Anlagen vereinbart; doch dieses Vorhaben könne als Pilotprojekt für weitere größere Dinge dienen.

„Best of Bergisch” bleibt klein, genießt großes Interesse

Auch „Best of Bergisch” hat weitere große Aktionen vor. Das Netzwerk selbst kann und will zwar gar nicht wachsen, pro Gewerk ist jeweils nur ein Mitglied zugelassen. Diese 30 Mitglieder treffen sich einmal pro Woche in aller Hergottsfrühe zum Frühstück im Schloss, tauschen sich aus und treiben sich gegenseitig an.

Mehr Informationen:
Alle Beiträge zur Schnabelsmühle
Aus BNI Schloss Lerbach wird „Best of Bergisch”
Best of Bergisch: WebsiteFacebook

BoB war Ende 2014 aus einem lokalen Ableger des globalen Business Netzwerk International entstanden und hat sich seither schwer gemausert. Zwar ist die Region mit den Rotarier, den Lions, dem Junge Unternehmer Club (JUC), dem Arbeitskreis Bergische Unternehmerinnen, den Wirtschaftsjunioren, dem Verein „Wir für GL“ oder der „Initiative für Leben und Arbeit” nicht arm an Unternehmernetzwerken, aber das Interesse an BoB ist sehr groß.

Das bewies auch das hochkarätige Publikum des Empfangs. (Wolfgang Bosbach steuerte einen launigen Beitrag zum Programm bei. Doch das ist ein anderes Thema, dazu mehr in einem späteren Beitrag.)

Das nächste dicke Ding: Das BoBtikum

Im Kern ist BoB wie zuvor BNI ein reales Empfehlungsnetzwerk: „Wenn Sie einen von uns beauftragen haben Sie uns gleich alle am Hals”, erläutert Direktor Klein den rund 200 Gästen des Empfangs. Der Anwalt empfehle den Installateur, dieser den Glaser, dieser den Fliesenleger, und so weiter.

Eine schlechte Empfehlung falle auf den Empfehlungsgeber zurück – aber eine „rigide soziale Kontrolle” verhindere schon im Vorfeld, dass so etwas passieren könne: „Wer nicht funktioniert, der steht beim nächsten Frühstück am Pranger”, warnt Klein.

„Ein strenges Regelwerk sorgt für hohe Verbindlichkeit: Rückmeldungen aus der Kundschaft, Empfehlungen sowie durch Empfehlungen erzielte Umsätze, die zuverlässige Anwesenheit der Mitglieder bei den Treffen – all das wird statistisch erfasst, gemessen und bewertet”, wird die Philosophie des Netzwerks auf der BoB-Website beschrieben.

Diesen Geist wollen die Unternehmer auch in einer neuen „großen Idee” aufnehmen. Unter dem Arbeitstitel „BoBtikum” wolle das Netzwerk Praktika für Jugendliche anbieten, die in der Berufsfindung stehen, verrät Klein. Einmal angenommen könne sich der Praktikant dann nach freier Wahl so viele Unternehmen im Netzwerk durchlaufen, bis er den richtigen Beruf gefunden habe.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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