Bis Januar ist die Zahl der Flüchtlinge in Bergisch Gladbach rasch und scheinbar unaufhaltsam gestiegen. Doch mit den 1637 Menschen, die die Stadtverwaltung am 1. Februar in der Regelzuweisung untergebracht hatte, war der vorläufige Höhepunkt erreicht: im Februar und März sank die Gesamtzahl zum ersten Mal seit vielen Monaten.

170 freie Plätze meldete die Stadtverwaltung Anfang April wie bereits einen Monat zuvor an die Bezirksregierung. Dabei sind die Plätze in der fast fertigen Containerunterkunft in Paffrath und ein neues Wohnhaus in Heidkamp noch gar nicht mitgezählt. Und auch in den Notunterkünften für die Erstaufnahme in Sand und in der Feldstraße sind viele Betten frei, berichtet die Verwaltung.

Im Februar versiegten die Zuweisungen

Damit hat sich die Lage innerhalb kürzester Zeit erneut drastisch verändert. Noch im Januar hatte Bürgermeister Lutz Urbach vor einer Überlastung gewarnt und damit gedroht, Flüchtlinge an die Bezirksregierung zurück zu schicken.

Wenige Tage danach setzte die Landesregierung die Zuweisung in die Kommunen (mit Ausnahme einiger großer Städte, die ihre Quote nicht erfüllt hatten) bis Ende März aus, der Zustrom versiegte. Und angesichts der Schließung der EU-Außengrenze in Griechenland ist im Moment auch kaum mit neuen Flüchtlingen zu rechnen.

In Paffrath wurden die Module für die L-Anlagen im März aufgestellt.

Ausbau läuft langsam, aber kontinuierlich

Gleichzeitig baut die Stadtverwaltung, wie seit einigen Monaten geplant, ihre Kapazitäten aus. Die Containerunterkunft in Paffrath ist in Teilen schon seit Wochen bezugsfertig, soll aber nun doch erst im Laufe des Aprils genutzt werden, wenn die gesamte Anlage mit vier Gebäuden komplett eingerichtet ist.

Ebenfalls im April steht der Bezug des sogenannten Kenfenheuer-Gebäudes an der Bensberger Straße in Heidkamp an. Die Stadt hat den kompletten Neubau mit 18 Wohnungen gemietet, im Erdgeschoss soll nach derzeitigen Überlegungen ein internationales Begegnungszentrum für die ganze Stadt eingerichtet werden.

Und auch die Pläne für die (auf 300 Plätze reduzierte) Containerunterkunft in Lückerath werden unverändert weiter verfolgt. Hier sollen die ersten Flüchtlinge im Sommer einziehen.

Außerdem mietet die eigens eingerichtete Taskforce der Stadt weiterhin Wohnungen an; rund 50 Plätze kommen dabei pro Quartal zusammen.

Auswahl der Personen für die besseren Unterkünfte

Im Moment wählt die Stadt die Personen aus, die aus der Leichtbauhalle in Katterbach, aus der Turnhalle in der Schwerfelstraße und anderen schwierigen Unterkünften in die Container und Wohnungen umziehen dürfen. Dabei werden vor allem Familien, Frauen und Kinder berücksichtigt; doch spielen auch die Nationalität eine Rolle – weil die Menschen in diesen Unterkünften unter Umständen für lange Zeit miteinander auskommen sollen.

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Trotzdem trauen die Verantwortlichen in der Stadt und auch beim DRK der Lage nicht. Weder von der Bezirks- noch der Landesregierung gibt es Hinweise, Prognosen oder auch nur Szenarien, worauf sich die Kommunen in den kommenden Monaten einzustellen haben.

Stadt arbeitet mit Szenarien

Ein Zustand, für die der sonst mit seiner Kritik an der Landesregierung nicht gerade zimperliche Bürgermeister Urbach sogar Verständnis hat: „Auf welcher Grundlage soll man jetzt auch Prognosen aufstellen? Niemand, wirklich niemand kann voraussagen, was in der nächsten Zeit an den Grenzen geschieht”, sagt Urbach dem Bürgerportal.

Die Stadtverwaltung selbst arbeitet mit unterschiedlichen Szenarien:

  • Die mittlere Variante nimmt an, dass für den Rest des Jahres rund 30 Flüchtlinge neu zugewiesen werden. In diesem Fall käme Bergisch Gladbach mit den jetzt geplanten Unterkünften bis zum Jahresende aus.
  • Die „nach derzeitigem Bauchgefühl pessimistische Variante” (so Urbach) geht von 50 Personen pro Woche aus. Und auch dann wäre die Stadt bis ins vierte Quartal auf der sicheren Seite. Aber auch nicht länger.

Rangliste der Hallen-Unterkünfte

Vor diesem Hintergrund will die Stadt zwar die kleine Unterkunft in der Turnhalle in der Refrather Schwerfelstraße möglichst bald schließen, lässt sich aber auch dafür auf keinen Termin festlegen. Die Erstaufnahme in der Sander Turnhalle soll Ende Juni geschlossen werden.

Dagegen will die Stadt die derzeitige Erstaufnahme in der Feldstraße nach wie vor in eine Regelunterkunft umfirmieren und auch die Leichtbauhallen in Katterbach weiter in Betrieb halten. Alleine dort sind derzeit 170 Betten frei; die Turnhallen in Sand und in der Feldstraße sind nur etwa zur Hälfte ausgelastet.

Angesichts der völlig unklaren internationalen Lage hält die Stadt daher an allen Ausbauplänen fest und fährt auf Sicht. Die Verträge mit dem DRK laufen auf Monatsbasis, können also relativ kurzfristig gekündigt werden. „Sobald wir neue Erkenntnisse haben, steuern wir nach. In zwei Monaten sind wir wahrscheinlich wieder klüger als heute”, sagt Urbach.

An der Planung für Lückerath wird das aber kaum etwas ändern. Nach der Rückgabe der Turnhallen in Sand und in Refrath wäre zunächst die sehr große und schwierige Unterkunft auf dem Sportplatz in Katterbach ein Kandidat für eine Schließung; irgendwann dann auch die Feldstraße.

Die Container in Paffrath und demnächst auch in Lückerath haben dagegen viel Geld gekostet und bieten einen relativ hohen Wohnstandard, sie werden daher für längere Zeit für diejenigen Flüchtlinge beherbergen, die in Bergisch Gladbach bleiben.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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