Bahndamm Doppelgleis HDR 600

Beim Autobahnzubringer über den Bahndamm geht es nicht nur um den Bahndamm, sondern immer auch um den 2. Abschnitt: die Verbindung von der Kölner Straße zur A 4. Ohne direkte Anbindung an die Autobahn, da herrscht weitgehend Konsens, macht das ganze Projekt wenig Sinn.

Allerdings hatte die Landesregierung die Planung für diesen 2. Abschnitt bereits vor Jahren ausgesetzt. Zuletzt hatte sie argumentiert, zunächst müsse geklärt werden, ob und wann die A4 in diesem Bereich von vier auf sechs Spuren ausgebaut wird. Genau das ist im Entwurf für den Bundesverkehrswegeplan vorgesehen – daher war die Frage von Rainer Deppe (Kreisvorsitzender der CDU und Landtagsmitglied) folgerichtig:

„Wann hebt die Landesregierung den Planungsstopp für die direkte Anbindung der L286n an die Autobahn A 4 (Zubringer Bergisch Gladbach) auf?”

Die Antwort in der Kurzform: Nicht in absehbarer Zeit.

In der Langform schreibt Landesbauminister Michael Groschek:

„Aufgrund der Einstufung in die Stufe 2 des Landesstraßenbedarfsplans besteht für den 2. Abschnitt der L 286 kein Planungsauftrag für die Straßenbauverwaltung. Die nachrangige Einstufung erfolgte aufgrund des sehr niedrigen Kosten-/Nutzenverhältnisses von 1,4 und der naturschutzfachlichen Schwierigkeiten im  Bereich der gewünschten Verknüpfung mit der A 4. Vor dem Hintergrund der notwendigen Investitionen in den Erhalt der Landesstraßen und dem hohen Volumen der vorrangig eingestuften Vorhaben steht derzeit die Erteilung eines Planungsauftrages nicht an.”

Eine weitere Frage Deppes (siehe Dokumentation unten) bezieht sich auf Gespräche des Landes mit dem Bund über die direkte Anbindung an die A 4. Hier spricht Groschek das Problem der bereits vorhandenen Dichte von Autobahnauffahrten auf Bergisch Gladbacher Gebiet an und schreibt:

„Auf Grund dieser Gespräche ist davon auszugehen, dass der Bund den Wunsch nach einer weiteren Anschlussstelle an die A 4 sehr kritisch gegenüber steht, da auf Bergisch-Gladbacher-Stadtgebiet bereits drei Anschlussstellen auf kurzer Strecke existieren. (…) Erschwerend kommt hinzu, dass aufgrund des südlich an die A4 angrenzenden FFH-Gebietes mit hohen umweltfachlichen Raumwiderständen zu rechnen ist.”

„Ein Schlag ins Gesicht”

Rainer Deppe, Landtagsabgeordneter der CDU, Rheinisch-Bergischer Kreis

Rainer Deppe

Diese Antworten wertet Deppe als „Schlag ins Gesicht“. Die SPD – die sich sowohl in Bergisch Gladbach wie in Köln vehement für die Bahndammtrasse stark macht – scheitere an der Landes-SPD, die stur an dem von der rot-grünen Landesregierung seit 2010 verhängten Planungsstopp festhalte.

Noch am 1. Oktober 2015 habe Groschek eine Anfrage von Deppe und seinem Landtagskollegen Holger Müller erklärt, der 2. Bauabschnitt werde die beiden parallelen Nord-Süd-Achsen und die L 136 (Bensberger Straße, Dolmanstraße, Kölner Straße und Frankenforster Straße) entlasten; daher bliebe abzuwarten, in welche Dringlichkeit der Bund den 6-streifigen Ausbau der A 4 einstufe.

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Jetzt habe der Bund mit dem Entwurf des Bundesverkehrswegeplans seine Hausaufgaben gemacht und angekündigt, dass die Erweiterung der A 4 in jede Richtung auf drei Fahrspuren in die höchste Priorität eingestuft wird, argumentiert Deppe. „Flugs” finde die rot-grüne Landeregierung neue Gründe, um den Autobahnanschluss nicht anzupacken.

Dabei sei die Erweiterung der A 4 die „beste, wahrscheinlich sogar einzige Chance, die Autobahnanschlussstellen neu zu positionieren und damit den direkten Anschluss zu verwirklichen”, bilanziert der CDU-Abgeorndete. Doch ausgerechnet jetzt, wo die Chancen von der technischen Seite so gut stünden wie noch nie, komme von der SPD ein Rückzug vom direkten Autobahnanschluss.

Damit aber, so Deppe, mache das gesamte Projekt keinen Sinn:

„Ein Autobahnzubringer ohne direkten Anschluss an die Autobahn, so etwas gibt es offenbar nur bei der SPD.”

Dokumentation: Anfrage und Antwort zur L286n

Redaktion

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3 Kommentare

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  1. Herr Havermann, vielen Dank für diesen geistreichen Kommentar. Wenn man üb­ri­gens in ihrem Namen das “v” durch ein “f” ersetzt, ist die As­so­zi­a­ti­on eines Hafersacks durchaus naheliegend. Dabei muss man unweigerlich auch an einen Haferstrohsack denken. Selbstverständlich käme niemand aus diesem Grund auf den Gedanken, den Namesträger oder sein Handeln als strohd… zu bezeichnen. Auch Politiker sind Menschen, die einen respektvollen Umgang erwarten dürfen, wie das auch jeder andere für sich reklamieren würde. Bevor sie den Rest von Bergisch Gladbach und der Welt mit solchen Wortspieln beglücken, bitte erst nachdenken und dann schreiben. Vielen Dank.

  2. Das Wahlkampfbüro von Herrn Rainer Deppe hat offensichtlich frühzeitig beschlossen, für den Landtagswahlkampf 2017 schon einmal mit ein paar Beiträgen Präsenz auch im Bürgerportal iGL zu zeigen. Erst stellt sich Herr Deppe den Wölfen entgegen, nun der SPD.

    Das ist selbstverständlich legitim. Und ich kann Herrn Deppe in einem zentralen Punkt tatsächlich nur zustimmen: ohne die Anbindung an die Autobahn macht der „Zubringer“-Ausbau des alten Bahndamms selbstverständlich keinen Sinn.

    Ich befürchte zwar, dass trotzdem nicht alle verstanden haben (oder aus anderen Gründen dies zugeben würden), dass es – gleichermaßen aus ökonomischen wie ökologischen Gründen – keinen „Zubringer“ auf dem Bahndamm geben wird.

    Trotzdem wiederhole ich den Appell: wir sollten gemeinsam (- natürlich auch mit der Kölner Seite -) konstruktiv die Problemsituation analysieren (- die meiste Zeit ist in Bergisch Gladbach kein Stau! -) und darauf basierend dann über Lösungsbedarf und -wege sprechen.

    Wer monoton den „Autobahnzubringer über den alten Bahndamm“ heraufbeschwören möchte, setzt sich dem Verdacht aus, in Wirklichkeit gar keine echte Problemanalyse und ggf. dazu passende Lösung erreichen zu wollen. Und genau das hat unsere Stadt nicht verdient.