So kannte man die Schlossstraße 1-3, wenn man die Kölner Straße heraufkam

Aus den 60er Jahren stammt der Bebauungsplan für die Schlosstraße. Und er ist eindeutig: Ganz am Anfang der Schlossstraße, neben dem Terassenhaus soll drei- bzw. 5-geschossig gebaut werden, mit einem Flachdach und einem Überhang in den Straßenraum hinein.  „Völlig aus der Zeit gefallen und überhaupt nicht umsetzbar”, urteilt Elisabeth Sprenger, die als Fachbereichsleiterin in der Stadtverwaltung für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz zuständig ist. Und die daher rasch für eine sehr individuelle Lösung zu haben war, als der Investor Rainard Osebold hier ganz anders bauen wollte.

So sieht das gleiche Gebäude heute aus

Knapp zweieinhalb Jahre später hat sich der schmucklose Zweckbau an der Schlossstraße 1-3 komplett verwandelt – und könnte von einem Flachdach nicht weiter entfernt sein: Über dem dunklen Sockelgeschoss mit der Filiale der Commerzbank ziehen sich zwei ruhige Geschosse, die durch freundliche Farben aufgelockert werden. Doch darüber erhebt sich eine Dachlandschaft, die dieser Bezeichnung alle Ehre macht: Wie ein Bergrelief erhebt sich ein zwei- bis dreistöckiges Zinkdach, mit dramatischen Einschnitten und vielfältigen asymetrischen Flächen, auf denen sich Licht und Schatten abwechseln.

Bauleiter Michael Müller-Offermann, Elisabeth Sprenger, Manfred Stommel-Prinz und das Ehepaar Osebold präsentieren das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen

„Wenn man die Kölner Straße herauf kommt und hier in die Schlossstraße einbiegt fällt der Blick zunächst auf den ruhigen, klaren Unterbau – und dann auf die sehr bewegte Dachlandschaft”, beschreibt Architekt Manfred Stommel-Prinz sein Konzept.

Das Gebäude ungewöhnlich zu nennen wäre eine Untertreibung. Und auch die Lage, Geschichte und Umbaugeschichte sind ungewöhnlich.

Auf dem Grundstück befand sich vor 100 Jahren die Gaststätte „Zur schönen Aussicht”, mit Blick auf die Kölner Bucht und dem Bensberger Schloss zur Seite. Später stand hier ein eingeschossiger Bau mit der Möbelfabrik Dahnen dahinter, Anfang der 60er Jahre wurde zwei dreigeschossige Häuser errichtet. In diesen Jahren wurde dieser Teil der Schlossstraße schwer gebeutelt, ein wenig alte Substanz wechselt sich mit Bausünden der 70- und 80er Jahre ab.

Die Dachlandschaft. Hinter jedem „Berg” verbirgt sich ein 2- bis 3-geschossiges Haus im Haus

2011 erwarb Rainard Osebold, der nebenan wohnt und den Lehrstuhl für Baubetrieb und Projektmanagement an der RWTH Aachen inne hat, das Haus. Gemeinsam mit seiner Frau wollte er aus dem Haus etwas machen, „und wenn man etwas will, dann sollte es auch Spaß machen”, trotz der Risiken, die der Umbau einer alten Immobilie immer mit sich bringt. Osebold ging die Sache gründlich an, ließ sich von drei Architekten Konzepte und Entwürfe machen und wurde schließlich mit Stommel-Prinz aus Moitzfeld einig, der das Gelände ebenfalls seit Kindesbeinen kennt.

Die Ansicht von hinten. Rechts schließt sich das Terrassenhaus an

In enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung entwickelten Bauherr und Architekt dann einen Plan, der sich über den alten B-Plan in Form von individuellen Befreiungen hinweg setzt. Dann mussten nur noch für den Brandschutz sehr aufwendige Lösungen gefunden werden, denn das gesamte Obergeschoss wurde aus statischen Gründen aus Holz gebaut, verstärkt durch viele Tonnen Stahl.

Insgesamt hat Osebold gut 2,8 Millionen Euro investiert, die gesamte Mietfläche beträgt 1328 Quadratmeter. „Wir haben zwei Jahre geplant und ein Jahr gebaut”, bilanziert der Bauherr, der das Ergebnis sichtbar zufrieden präsentiert.

Schlossblick aus dem Dachfenster

Denn ebenso ungewöhnlich wie die Fassade sind auch die Innenräume. Die ersten drei Etagen, die neben der Commerzbank ein Einzelhandelsgeschäft, Arztpraxen und Rechtsanwaltskanzleien beherbergen, sind noch relativ konventionell. Doch das Dachgeschoss ist spektakulär. Unter dem Zinkdach verbirgt sich hinter jedem der „Berge” eine individuell gestaltete Penthousewohnung über zwei oder drei Etagen, mit Eisentreppen und grandiosen Aussichten.

Panoramablick aus dem Neubau auf die Schlossstraße und die Kölner Straße

Nach hinten fällt der Blick (über den Hinterhof der Post hinweg) auf die Nikolauskirche, zur Seite auf das Schloss, nach vorne auf die Kölner Bucht. Allerdings muss man dabei ein paar hässliche Bauten direkt vor der Nase ausblenden, der Deutsche Platz zur rechten Hand ist im überwuchernden Grün gar nicht auszumachen. Aber auf der Schlossstraße tut sich etwas: das bislang sehr dunkle Haus gegenüber wird gerade weiß gestrichen und selbst das hässliche, von einem Brand zusätzlich entstellte Weissenberger-Haus wird nun saniert.

Die Schlossstraße von oben: links der Weißenberger-Bau, hinten rechts das neue Osebold-Haus

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. @Markus bollman:
    Diese asymmetrische bauweise ist sehr aufwänding und nicht grade einfach zu planen und auszuführen. Nicht alle bauherrren können sich solche spielereien leisten…

  2. B R A V O !!! Ein tolles Ergebnis! Lasst die wirklich alten Häuser stehen und renoviert sie – gebt ihnen ihr attraktives Äußeres zurück. Die (noch) vorhandenen Klötze jedoch mit Hilfe kreativer Architekten und Investoren zu “schleifen” ist eine hervorragende Idee.

  3. Herzlichen Glückwunsch dem Investor zu so viel Mut, dem Architekten zu so viel Kreativität und der Bauaufsicht zu so viel aktivem Einsatz für eine schönere Stadt. Solche Bauten wünscht man sich mehr in unserer Stadt. Warum können andere Architekten nicht auch so kreativ planen, und warum haben nicht mehr Investoren den Mut und den Anspruch solche wunderbaren Pläne auch umzusetzen?