Peter Pauls verlässt die Chefredaktion Ende des Jahres. Fotos: DuMont

Peter Pauls (63) hatte seine journalistische Karriere vor 40 Jahren als Lokalredakteuer des Kölner-Stadtanzeigers in Bergisch Gladbach begonnen und war vor sieben Jahren zum Chefredakteur des regionalen Marktführers aufgestiegen. Zum Jahresende zieht er sich auf den Posten des Chefautors zurück und macht Raum für einen Generationswechsel.

Selbst Bild-Chef Kai Diekmann verneigte sich angesichts dieser Nachricht vor Pauls:

Der Nachfolger Carsten Fiedler (46) kommt vom Boulevard-Blatt Express, das ebenso zur Mediengruppe DuMont gehört. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Carsten Fiedler wechselt von Express zu KSTA

Die Herausgeber Isabella Neven DuMont und Christian DuMont Schütte erklärten Fiedler zum „idealen Nachfolger”. Er garantiere „den hohen journalistischen Qualitätsanspruch der Zeitung.” Was sie nicht sagten: Die Redaktionen von KSTA und Express sollen sich auch inhaltlich austauschen (siehe unten).

Und die Herausgeber weiter: Fiedler „steht auch für die konsequente Weiterentwicklung im gewaltigen digitalen Veränderungsprozess, den die Medienbranche durchlebt“. Gründungsherausgeber Alfred Neven DuMont war vor gut einem Jahr gestorben.

Fiedler hatte in der Euskirchener Lokalredaktion des KSTA angefangen, war Parlamentskorrespondent für „Welt“ und „Berliner Morgenpost“, Leitender Redakteur der „Rheinischen Post“ und zuletzt Chef des Express.

Fiedler äußerte sich über Twitter:

Nicht nur deshalb kommen auch auf die lokalen Ausgaben weitere Veränderungen zu. In Bergisch Gladbach hatte DuMont bereits vor einiger Zeit die Lokalredaktion mit dem Büro der Bergischen Landeszeitung, der regionalen Ausgabe der Kölnischen Rundschau zusammen gelegt.

Die Online-Ausgabe beider Zeitungen wird seither von Köln aus ferngesteuert – was man vielen Überschriften anmerkt. Gleiches gilt für den Facebook-Auftritt des KSTA Rheinberg.

Geschäftsführer Philipp M. Froben

Philipp M Froben, Geschäftsführer von DuMont Rheinland hob hervor, dass Fiedler „Digital und Print auf Augenhöhe denkt”. Daher werde der Stadt-Anzeiger auch digital konsequent weiter entwickelt.

Vorgänger Pauls, der viele Jahre als Korrespondent in Afrika arbeitete, gilt als Mann der alten Schulen, der mit dem Internet und den Sozialen Medien zunächst fremdelte. Erst vor wenigen Monaten hatte er dem Trend nachgegeben und verschickt seither einen Chefredakteurs-Newsletter.

Der Kölner-Stadtanzeiger hat in den vergangene Jahren einige Umbrüche erlebt und eine fast vollständige Fusion mit der Kölnischen Rundschau vollzogen. Vor allem im Internetbereich hatte es zahlreiche Strategiewechsel gegeben.

Die Zeitung hat derzeit gemeinsam mit der „Kölnischen Rundschau” eine verkaufte Auflage von noch 272.995 Exemplaren in der gesamten Region – und keine echte Konkurrenz. Die Lokalausgaben für Rhein-Berg und Oberberg haben für KSTA und BLZ eine Auflage von rund 30.000 Exemplaren, hatte der Verlag bei der Fusion verkündet.

Grafik: Meedia/Screenshot

In Zukunft, so heißt es jetzt in Köln, wollen die Redaktionen von Stadt-Anzeiger und Express „auf die Anforderungen des digitalen Wandels reagieren”. Sie prüfen unter Leitung von Thilo Knott, Chefredakteur Digitale Transformation der DuMont Mediengruppe, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit.

Im Klartext: Der Verlag untersucht, ob die Redaktionen der klassischen Tageszeitung und des Boulevard-Blattes Artikel austauschen können. Das verriet Geschäftsführer Froben im Interview mit dem Branchenblatt Horizont.

Leser bezahlen mit ihren Adressdaten

Froben räumt ein, dass das zuletzt erprobte Bezahlmodell im Internet nicht funktioniert hatte. Auch DuMont hatte mit der Kostenlosmentalität brechen wollen und verlangt, dass man ab dem zehnten aufgerufenen Artikel ein Abo abschließen müsse. Das hat offenbar niemand gemacht, gleichzeitig gingen Leser verloren.

Daher wurde dieses Modell schon vor Monaten stillschweigend eingestellt, aktuell sind alle Inhalte kostenlos abrufbar – und werden durch zum Teil aufdringliche Werbebanner finanziert. Die Preise, die DuMont dafür bekommt, gehen laut Froben weiter nach unten.

Jetzt, so Froben, experimentiere die Zeitung mit einem Registrierungsansatz. Die Leser von Dossiers oder längerer Hintergrundartikel müssten „nur” ihre Adressdaten heraus geben, werden aber nicht direkt zur Kasse gebeten.

Im Geschäftsjahr 2015 hatte DuMont nach schwachen Jahren den Gewinn wieder auf 10,3 Mio Euro mehr als verdoppelt. Der Umsatz war um 1,2 Prozent auf 546 Mio Euro gestiegen

In Zukunft müsse das Unternehmen über den „Aufbau neuer Geschäftsfelder nachdenken“, sagte Froben im Horizont-Interview. Dabei setzt DuMont auch auf Kooperationen: „In fast allen Segmenten werden wir nicht alles selbst machen“.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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