Ein solch komplexes Gebilde wie den neuen Flächennutzungsplan den Bürgern nahezubringen, ist eine gewaltige Herausforderung.

Ich selbst war nur am Samstagnachmittag vor Ort und war enttäuscht von einer in meinen Augen sehr geringen Resonanz, sei es an den einzelnen Ständen oder in den Diskussionsforen. Zumindest ich hatte – in Erinnerungen an andere Bürgerveranstaltungen – eine stärkere Besucherzahl erwartet.

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Lag dies am parallel stattfindenden Stadtfest oder am wunderbaren Wetter? Oder lag es an der komplexen Thematik, die den Bürger sehr schnell überfordern kann. Denn wenn man sich zuvor nicht zumindest grundlegend mit der Thematik Flächennutzungsplan beschäftigt hat, warum sollte man dann zu dieser Veranstaltung kommen?

Verbesserungsvorschläge sind dann natürlich eher schwierig, weil man ja wissen muss, was genau im ausgehängten Plan mit seiner Detailtiefe an den diversen Ständen dargestellt wird. Wenn diese Kenntnis nicht vorhanden ist (was eher die Regel sein dürfte), wären dann aber Erläuterungen der anwesenden Mitarbeiter erforderlich gewesen. Diese wurden von mir jedoch – leider – als eher passiv wahrgenommen.

Damit ist ein wichtiger Kritikpunkte genannt. Allerdings ist dem entgegenzuhalten, dass es zum Glück „aktive Bürger” gab, welche die eine oder andere Diskussiosrunde am Stand möglich machten.

Die Diskussionsforen, die ich besucht habe, wirkten auf mich zum Teil recht zäh. Als Ausnahme hervorheben möchte ich allerdings die Runde zum Thema “Mobilität und Verkehr”.

Wenn Experten und Laien aufeinander treffen, dann stellt die Herstellung einer gemeinsamen Kommunikationsebene mit der Möglichkeit zur Ergebnisfindung eine echte Herausforderung dar. Hier sind natürlich in erster Linie die Experten gefordert.

Ich möchte einmal das Bild vom Optiker und seinem Kunden bemühen. Der Optiker präsentiert dem Kunden die verschiedenen in Frage kommenden Brillengestelle sowie die Möglichkeiten bei den Brillengläsern mit ihren Vor- und Nachteilen. Daraus wählt der Kunde dann die Optionen aus, die zu seinem Gesicht passen und die ihm einen optimalen Durchblick verschaffen.

Genauso müsste es bei der Bürgerbeteiligung gehen: Der Bürger bekommt etwas präsentiert INKLUSIVE möglicher Optionen. Auf diese wäre er u. U. zum Teil mangels Kenntnis nicht gekommen. So aber bekommt er Denkanregungen und kann sich dann seine Meinung bilden, was in seinen Augen das beste für seine Stadt oder seinen Stadtteil ist. Er hat dann den „optimalen Durchblick”.

Eine solche “Regiearbeit” seitens der Stadt habe ich jedoch nicht wahrnehmen können. Ob hieran kein Interesse besteht? Der Eindruck KANN sich dem Bürger aufdrängen, das ist für zukünftige Projekte mit Bürgerbeteiligung nicht förderlich. Hier scheint es also Verbesserungspotenzial zu geben.

Zum Schluss sei noch bemerkt: Wäre die Besucherschar an den diversen Ständen größer gewesen, hätte man nicht sofort erkennen können, um welches Thema es dort jeweils geht. Das Themengebiet des Standes war nämlich relativ klein geschrieben und damit aus der Ferne nicht zu lesen gewesen. Also bitte in Zukunft für eine bessere und schnellere Orientierungsmöglichkeit sorgen. Vielen Dank im voraus.

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Martin Wiegelmann

Jurist, aufgewachsen im Ruhrgebiet, wohnt seit 1989 im Rheinland und seit 1996 mit seiner Familie in Bergisch Gladbach.

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1 Kommentar

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  1. Leider war es mir nicht möglich am Samstag die Veranstaltung zu besuchen. Leider habe ich auch nicht den Eindruck, dass die Einwände der Bürgerinnen und Bürger tatsächlich auch umgesetzt werden, oder ob es sich bei den Veranstaltungen nur um “Irreführungsveranstaltungen” handelt und geschulte Mitarbeiter sich die Wünsche anhören aber weder auswerten noch umsetzten werden.

    Bei der Ratssitzung wurde der FNP vorgestellt und bei dem Zurufen der unruhigen beisitzenden Bürger wurde der Redner etwas “freizügiger” in seiner Rede und brachte mit ein, dass es entweder zu einer Erweiterung der Flächen kommt, oder es so beliben wird wie es ist.

    Dann sollte man darüber abstimmen, ob die Bürger überhaupt eine Veränderung wünschen. Waurm sollen sie sich mit einem FNP auseinander setzten, wenn die Bürger gar nicht entschieden haben, ob sie überhaupt weitere Flächen bebaut wissen wollen????

    Hier wird man in eine Situation gebracht, die man als Bürger gar nicht wollte und muss sich nun kümmern, dass der Wahnsinn der Stadt nicht weiter verfolgt wird….

    Stichpunkt Bahndamm, Autobahnzubringer etc….