Sehr kleinteilig haben die Stadtplaner im Vorentwurf für den neuen Flächennutzungsplan (FNP) dargestellt, wo es in Bergisch Gladbach noch Möglichkeiten für neue Wohn- oder Gewerbegebiete gibt. Bei der Detailtiefe fällt es jedoch schwer, einen Überblick zu gewinnen – denn Übersichtskarten oder Tabellen findet man in den umfangreichen Unterlagen kaum. Doch wer tiefer in das Datenmaterial einsteigt und nicht nur das eigene Umfeld untersucht, kommt zu einigen erstaunlichen Einsichten.

Insgesamt haben die Stadtplaner 200 Hektar auf ihre Tauglichkeit für neue Gewerbegebiete untersucht (siehe Karte unten, hellgrau schraffierte Flächen), am Ende sind nur 49,5  Hektar als (bedingt) geeignet übrig geblieben (dunkelgraue Flächen).

Die verteilen sich aber höchst ungleich im Stadtgebiet auf nur sechs der 26 Stadtteile: Moitzfeld, Asselborn, Frankenforst, Lustheide, Bockenberg und Hebborn;  hinzu kommt ein kleines gemischtes Gebiet in Schildgen.

Potenzielle Gewerbeflächen. Ein Klick vergrößert die Karte. Quelle: Stadt GL

Bei den Wohngebieten wurden sogar 485 Hektar untersucht, davon blieben 180 Hektar übrig, die sich gut oder bedingt für neue Baugebiete eignen würden. Sie verteilen sich auf immerhin 14 Stadtteile (vor allem im Nordosten), aber auch hier sind zwölf Stadtteile nicht betroffen. Das lässt sich in der Grafik oben an den blauen Balken ablesen, in der Karte sind es die dunkelroten Flächen.

Potenzielle Wohnflächen. Ein Klick vergrößert die Karte. Quelle: Stadt GL

Alles in allem finden sich 16 Stadtteile bei den inzwischen berüchtigten „Steckbriefen” der Planer, zum Teil bei den Gewerbegebieten, zum Teil bei den Wohngebieten und häufig auch in beiden Kategorien. Den besten Überblick bietet die Grafik ganz unten: Am stärksten ist Herkenrath betroffen (Wohngebiete), gefolgt von Moitzfeld (viel von beidem), Hebborn (Wohngebiete und eine winzige Gewerbefläche) sowie Asselborn (beides).

Hinzu kommt, dass einige der am stärksten betroffenen Stadtteile wie Klumpen eng beieinander liegen: bei den Wohnflächen ist das der Nordosten des Stadtgebiets mit Schildgen, Katterbach und Nussbaum. Bei den Gewerbeflächen ist es bekanntlich der Osten, von Asselborn über Herkenrath und Moitzfeld bis nach Bockenberg.

Auch hier zeigt erst eine kombinierte Karte das ganze Bild: die roten Zahlen geben die potenziellen Gewerbeflächen laut Vorentwurf in Hektar an, die roten Zahlen die potenziellen Wohngebiete.

Der Klumpen im Nordosten kommt auf Potenzialflächen für Wohngebiete auf 93 Hektar, das ist fast die Hälfte der gesamten Flächen im Stadtgebiet. Im Osten rund um Moitzfeld sind es beim Thema Wohnen 56 Hektar, hinzu kommen die Gewerbeflächen von mehr als 40 Hektar.

Völlig aus dem Visier des Flächennutzungsplans sind zehn Stadtteile gefallen, darunter einige sehr große wie Refrath, Gronau, Hand oder Bensberg. Was nicht daran liegen dürfte, dass hier die beteiligten Lokalpolitiker wohnen – sondern weil die Bebauung hier ohnehin schon so dicht ist, dass sich keine weiteren Flächen finden lassen.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. @Rolf Havermann Wir sind der Einteilung nach Stadtteilen gefolgt, demnach ist Bockenberg eine eigene geographische Untereinheit – aber auf die lokale Klumpenbildung weisen wir ja ausdrücklich hin.

    Die Gewerbegebiete Brüderstraße und Rennweg in Frankenforst sind im Text, in der Grafik und in der Karte (große rote „8,5″) zu finden.

    Die Umwandlung des Mischgebietes „Industrieweg” geschieht nicht im Rahmen des künftigen Flächennutzungsplans, das ist eine eigene Geschichte.

  2. Den Ausführungen ist hinzuzufügen, dass “Bockenberg” zu Bensberg gehört und 3 Gewerbegebiete zumindest im Text aber auch in der grafischen Darstellungen vegessen wurden:
    Die beiden insgesaamt 8,5 ha großen Gewerbegebiete Brüderstraße und Rennweg sowie das immer wieder vergessene, 1,5 ha große Gewerbegebiet “Industrieweg”, das vom Misch- ins Gewerbegebiet umgewndelt werden soll und enklavernmäßig ringsum von Wohnbebauung eingefasst an der Kölmer Straße liegt. Der dort entstehende, zweifache Wohnbauriegel, dessen Genehmigung allen ein Rätsel ist, steht im dirtekten Gegensatz zur Umwandlung.