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Auf dem Rathausturm in Bensberg

Zum ersten Mal seit Bestehen der Städtepartnerschaft im Jahre 1993 konnte Bergisch Gladbach eine Reisegruppe aus der polnischen Stadt Pszczyna begrüßen, die ausschließlich aus Bürgerinnen und Bürgern bestand. Also keine offizielle Delegation, sondern ganz einfach eine Begegnung zwischen Menschen aus beiden Städten.

Die siebenköpfige Gruppe landete am Samstagmittag, dem 19. November auf dem Flughafen Köln-Bonn und wurde von ihren Gastgebern vom Arbeitskreis Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach – Pszczyna in Empfang genommen.

Der Aufenthalt der Gäste gestaltete sich so privat wie möglich; die Mitglieder des Arbeitskreises unter dem Vorsitz von Klaus Farber stellten bereitwillig ihre Gästebetten zur Verfügung und sorgten auch die gesamte Zeit des Aufenthaltes für Programm und leibliches Wohl.

Die Besucher im Innenhof des Bensberger Rathauses. In der Mitte Klaus Farber und „Chefübersetzerin” Gabriele Malek-Przemus von der städtischen Wirtschaftsförderung

Die Stadt und weitere Helfer aus der Bürgerschaft leisteten Unterstützung: So hatte die VR Bank Bergisch Gladbach einen Spesenzuschuss gegeben, und die städtischen Häuser öffneten ihre Türen für Besichtigungen.

Vom fünften Stock des Bensberger Böhm-Baus schauten die Besucher in die Rheinebene, im Rathaus Stadtmitte empfing Bürgermeister Lutz Urbach die Reisenden mit Sekt und Gulaschsuppe, und Stadtführer Hermann-Josef Rodenbach zeigte die schönsten Fleckchen der Stadtmitte.

Im Kunstmuseum führte die Hausherrin Dr. Petra Oelschlägel persönlich durch die Ausstellung „Schwarzarbeit“, und sogar das Grandhotel Schloss Bensberg hieß die Gruppe im Foyer willkommen.

Petra Oelschlägel führt durch das Kunstmuseum Villa Zanders

Ein absolutes Muss war der Besuch der Ausstellung „Gegen das Vergessen – Im Namen der Freundschaft“ in der VR Bank, die viele Fotos der Bergisch Gladbacher Bürgerreisen nach Pszczyna zeigt. Nicht nur Bergisch Gladbach, auch Köln lernten die Polen bei einem Ausflug am Sonntag kennen, mit Besuch des Stadtmuseums samt ausführlicher Erläuterung des Kölner Stadtmodells von 1571 und Einkehr in ein traditionelles Brauhaus.

An Übersetzer(inn)en mangelte es zu keiner Zeit: Im Arbeitskreis sind mehrere polnische Muttersprachlerinnen und Muttersprachler Mitglied. Die Kenntnis der deutschen Sprache ist bei den Einwohnern Oberschlesiens der Nachkriegszeit sehr wenig verbreitet, da das Sprechen und Lehren in Polen lange Zeit verboten war.

Im Zeughaus am Kölner Stadtmodell

Die Besucher – sechs Damen und ein Herr – sind zumeist Angehörige des Vorstandes der „Universität der dritten Generation“ in Pszczyna. Deren Präsidentin Ewa Kolodziejczyk führte die Gruppe persönlich an.

Bei der Vorstellungsrunde am ersten Abend im Refrather Kickehäuschen verrieten die Gäste manches bemerkenswerte Detail aus ihrer Vita: Die Präsidentin ist von Hause aus promovierte Chemikerin und übt den Vorsitz der Pszczynaer Bildungseinrichtung als Pensionärin aus. Lucyna Pilot war aktive Leichtathletin und hält heute noch ihren nationalen Weitsprungrekord, den sie als 16jährige aufstellte. Zygfryd Main bereiste als Diplomingenieur zum Bau industrieller Großanlagen die ganze Welt und erlernte dabei auch als einziger der Gruppe die deutsche Sprache.

Die Sprachbarriere wurde im Laufe des kurzen Besuchs immer unwichtiger: Bald verstand man sich auch ohne die ständige Hilfe der Übersetzer, ob mit Händen und Füßen oder mit wenigen schnell gelernten Worten der anderen Sprache. Am Abschlussabend beim üppigen Buffet im privaten Wohnzimmer hatten Gäste und Gastgeber längst Freundschaft geschlossen.

Abschlusstreffen im Wohnzimmer von AK-Mitglied Gudrun Wildner (ganz rechts)

Für Klaus Farber erfüllte sich mit dem Besuch ein großer Wunsch und damit die wichtigste Bedingung, den Arbeitskreis nach drei Jahren weiterhin am Leben zu erhalten. Noch beim letzten Besuch in Pszczyna im September 2016 hatte er den stellvertretenden Bürgermeister und die anwesenden Einwohner der Stadt eindringlich gebeten, einen Gegenbesuch zu wagen: „Wir kommen nun seit fünfzehn Jahren regelmäßig zu Ihnen. Ein Austausch funktioniert aber nur dann, wenn Sie auch den Weg nach Bergisch Gladbach finden.“

In Ewa Kolodziejczyk fand Farber eine engagierte Verbündete, die nun treibende Kraft bei der Organisation des ersten Gegenbesuchs war. Mit Perspektive auf Fortsetzung: Die Stadtverwaltung von Pszczyna wirbt augenblicklich schon für die nächste Reise gen Westen. So wurde dem Bergisch Gladbacher Arbeitskreis angekündigt, dass eine Gruppe von Journalisten interessiert sei, im Frühjahr 2017 die deutsche Partnerstadt zu besuchen.

Für die beste Werbung, nämlich den Bericht vom Partnerschaftsbesuch aus erster Hand, wollen nun aber die sieben Reisenden sorgen, die am Dienstag, dem 22. November mit reichen Eindrücken aus Bergisch Gladbach wieder in die WizzAir-Maschine Richtung Kattowitz stiegen.

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