Modell der neuen Marktgalerie mit städtischer Freitreppe. Foto: Screenshot/Beschlussvorlage

Schloss, Burgfried, Böhmbau und ein Parkhaus. Foto: Screenshot/Beschlussvorlage

Es leuchtet ja ein und ist auch erfreulich, dass Centerscape und alle Beteiligte die Chance nutzen möchten, auf Basis des alten jetzt wieder gültigen Bebauungsplans unter Einbeziehung der Ergebnisse und Möglichkeiten des InHK eine neue Planung für das Geschäftszentrum in Bensberg vorzulegen. Jede andere Option würde möglicherweise für Bensberg die Festschreibung des vorhandenen Zustandes auf noch längere Zeit bedeuten.

Dabei ist besonders zu begrüßen, dass der Totalabriss einer Revitalisierung und Verwendung von Teilen des bisherigen Gebäudes gewichen ist, dass der geplante neue Baukörper nicht mehr in der Gewaltigkeit entsteht wie zunächst geplant, dass die Chance für einen größeren Platz auf der Schloßstrasse im Zuge der Umgestaltung genutzt werden kann, die barrierefreie Verbindung von der Schloßstrasse zur Engelbertstrasse erhalten bleibt, eine einladende Treppenanlage entsteht und vieles andere mehr, auch kein Natursteinwettbewerb.

Schlichter architektonischer Entwurf mit Vorteilen

Festzustellen ist, es ist ein schlichter architektonischer Entwurf mit den Vorteilen, die Herr Groefke, der planende Architekt nachvollziehbar dargestellt hat.

Auch festzustellen ist, die Politik und die lokale Printpresse halten sich mit Begeisterung zurück:

  • nicht der große Wurf, etwas mehr Architektur könnte man ruhig wagen,
  • die Chance nutzen Akzente zu setzen,  
  • Etage mit Weitblick ins Rheintal ohne Gastronomie, stattdessen Autos
  • nicht zerreden, umsetzen, sonst wird hier nie etwas passieren
  • langweilig, quadratisch, praktisch.

So hört sich die konstruktive Kritik aus der Politik an.

Herr Groefke empfindet die Kritik nicht als Misserfolg. Gut so, sie war auch so nicht gemeint, sondern konstruktiv eben und es soll ja auch weitergehen, so alle Erwartungen. Und, soll sich nun der Gestaltungsbeirat um den „Feinschliff“ kümmern?

Die Gestaltung der Aufbauten auf dem 3. OG und die Anbindung an den Markt ist noch in der Diskussion

Die Gestaltung der Aufbauten auf dem 3. OG und die Anbindung an den Markt sind noch in der Diskussion

Was jetzt gebaut wird bestimmt Bensbergs Stadtbild für 50 Jahre

Allen Argumenten aus der Politik kann ich gut folgen und ich kann mich ihnen anschließen, bis auf eines: ….nicht zerreden, umsetzen, sonst wird hier nie etwas passieren.

Auch wenn dieses Argument im Zusammenhang mit der Diskussion bestimmt gut gemeint war, es ist für mich absolut nicht einleuchtend und erinnert mich an Stimmen zum alten Entwurf, egal was, Hauptsache es geht bald los.

Das, was an dieser Stelle heute gebaut wird, bestimmt unser Stadtbild mindestens für die nächsten 50 Jahre. Die Entwurfskizzen veranschaulichen, worum es geht. 

Die Süd-West-Ecke mit Aufzügen und Aussichtsplattform

Die Süd-West-Ecke mit Aufzügen und Aussichtsplattform

Geht das nicht besser?

Bei so viel gegenseitigem Verständnis der Beteiligten, so viel Geduld, Einvernehmen und gemeinschaftlichem Handeln an dieser Stelle, der gerade noch beplanten „Krone der Stadt“, dem Schloss Bensberg mit Altstadtkern, dem Burgfried, dem Rathaus und Burggraben mit Museum, geht das nicht besser?

Haben wir ernsthaft keine größere Wertschätzung der alten Struktur, den Gebäuden gegenüber, als dass wir sie für die nächsten 50 Jahre auf einem vergrößerten Parkplatz präsentieren wollen?

Reicht bei dieser Topografie und Lage wirklich quadratisch, praktisch, (gut)?

Gibt es wirklich nicht die Zeit, sich nochmals mit den gewichtigen Wermutstropfen und Anregungen aus der Politik zu befassen?

Die konstruktive Kritik zeigt doch in Summe den von allen Beteiligten gesehenen Verbesserungsbedarf. Nicht, es geht so, besser als vorher, sollte das Credo sein, wenn wir es anstatt durchzuwinken besser machen können.

Warum machen wir es dann nicht besser?

Das kann in diesem Fall nicht Aufgabe des Gestaltungsbeirates sein und auch nicht von ihm erwartet und geleistet werden. Es ist Aufgabe der Entscheidungsträger des Vorhabens, nicht Augen zu und durch.

Auch wenn bald Weihnachten ist, die erforderliche Zeit zum Handeln, zum Verbessern, die stört weder die weitere Suche nach Mietern noch die Beantragung von Fördermitteln, im Gegenteil. Die Zeit wird zur Verbesserung genutzt – und noch ist es möglich.

Das Integrierte Handlungskonzept kommt wie gerufen

Es bleibt also zu hoffen, dass im Verbund mit unseren lokalen Entscheidungsträgern die konstruktive Kritik besonders bei Centerscape und Herrn Groefke den Ehrgeiz geweckt hat für eine Lösung, die eben dieser Kritik, dann auch unter Berücksichtigung der Topografie und der Lage, bei den festgelegten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Rechnung trägt. Wir sind alle gespannt.

Für einen erfahrenen Architekten aus der Hauptstadt Berlin, die für Innovation und Kreativität mitten in Europa steht, für ihn müsste das ein Ansporn sein und auch gut gelingen können … .

skyline-berlin-screenshot

 Foto: Screenshot/Berlin Partner

… und sollte es dann wirklich nicht auf Basis des alten B-Planes realisiert werden können, dann muss gegebenenfalls eben eine Anpassung oder ein neuer her!

Na, und? Die Zeit bis zur Genehmigung der InHK-Mittel lässt sich so überbrücken und dafür nutzen. Dann könnte die Realisierung des so optimierten Geschäftszentrums zeitgleich mit den flankierenden InHK-Maßnahmen beschleunigt vollzogen werden. Die Umsetzung der InHK-Planungen insgesamt ist ja ohnehin bereits jetzt über die nächsten acht Jahre gestreckt geplant.

Kein Beinbruch also, nur besser.

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Lothar Eschbach

ist Bergisch Gladbacher Bürger und gebürtiger Bensberger, er hat als IT-Manager jahrzehntelang in der ganzen Welt gearbeitet und lebt nun wieder in Bensberg.

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3 Kommentare

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  1. Auch ich meine, dass es zu begrüßen ist, dass Centerscape beim Projekt Marktgalerie nochmals die Reset-Taste gedrückt hat und sich damit von ihren abstrusen, ursprünglichen Ideen verabschiedet hat.

    Erinnern wir uns: das waren Pläne, die anfangs von Politikern als überzeugend und stimmig in jeglicher Hinsicht empfunden wurden.
    Jetzt also das Ganze auf Neustart, wobei anzumerken ist, dass es mit Ausnahme einer Veräußerung auch keine weitere, ernsthaft zu bedenkende Option mehr gab.

    „Nicht der große Wurf“, „langweilig, quadratisch, praktisch“, so die Kommentare aus Kreisen der Stadtratsmitglieder. Zu Recht wird von einem schlichten architektonischen Entwurf gesprochen, der bei den Verantwortlichen keine Begeisterungsstürme ausgelöst hat. Die Schlichtheit resultiert natürlich zwangsläufig aus der Vorgabe, Parkflächen auf zwei Ebenen vorzusehen. So wird dann auch die Vorderseite von dem Parkdeck auf der 2. Etage stark geprägt. Ein Anschluss des Gebäudes selbst an den Alten Markt entfällt damit komplett. Ob dieser Eindruck durch die Forderung des Herrn Dr. Metten, „etwas mehr Architektur zu wagen“, beseitigt werden kann? Zweifel sind angebracht, ist doch das Parkdeck zu dominant. Auch als Laie kann ich mir gut vorstellen, wie von der Alten Markt-Seite aus Besucher zum Verweilen zB in einem Café animiert werden würden. Dies entfällt aber bei dem derzeit geplanten Parkdeck.

    Es ist für mich äußerst schade, dass offensichtlich niemand in Verwaltung und Politik die Frage nochmals aufgebracht hat, ob man Parkflächen nicht alternativ unter dem Markt schaffen kann. Wenn nicht jetzt, wann dann? „Zu teuer“ hieß es in der Vergangenheit immer, aber so richtig wurde ein solches Vorhaben noch nie kalkuliert. Gegen diesen Aufwand stünde der Gewinn einer anderweitig nutzbaren Etage und damit auch die Möglichkeit, das Erscheinungsbild des Gebäudes zu verändern, und zwar zur vorderen wie auch zur hinteren Seite, wie oben bereits angedeutet wurde.

    Wie gesagt, bei den ursprünglichen Entwürfen wurde gejubelt, jetzt hält sich die Begeisterung mehr als in Grenzen. Aber trotzdem sieht man offensichtlich keinen Handlungsbedarf, ganz offensichtlich soll die Sache jetzt so schnell wie möglich vom Tisch. Eine traurige, aber wahre Erkenntnis, belegt z.B. durch die Warnung des Stadtrates Friedhelm Schlaghecken im KStA, man möge das Projekt doch jetzt bloß nicht zerreden. Mehr Weitsicht und Sensibilität wäre wünschenswert, ja, es geht um die nächsten 50+ Jahre. Eine „Kopf in den Sand und durch“-Politik ist abzulehnen. Und gerade die Erfahrung aus den Äußerungen des Centerscape-Architekten Groefke zu früheren Entwürfen sollte besonders sensibel machen und in allen Nuancen hinterfragt werden. Denn Centerscape hat Vertrauen zerstört, was jetzt erst wieder erarbeitet werden muss.

    Und wenn es denn doch beim Parkdeck bleiben sollte: Dann wünsche ich mir mehr Kreativität bei den Architekten, um von diesem optisch abzulenken. Aber ganz ehrlich, große Hoffnungen habe ich da nicht.

  2. Mit dem „Riegel“ wurden schon eine nicht mehr wieder gut zu machende (da zu teuere) Bausünde in Bensberg erstellt. Deshalb wäre ein „Schnellschuss“ unter den neuen Gegebenheiten nicht wünschenswert. Vielmehr sollte der Architekt noch einmal überdenken, ob die „quadratisch – praktisch – gut“-Lösung umgesetzt werden soll oder eine (für Centercape bezahlbare) schönere optische Gestaltung möglich ist.

  3. Lieber Herr Eschbach,
    Sie sprechen mir aus dem Herzen! Gratulation und Danke!
    Die Einstellung der Politik „nicht zerreden, umsetzen, sonst wird hier nie etwas passieren“, kann und darf nicht das letzte Wort sein.
    Sie haben sehr recht, wenn Sie darauf hinweisen: „Das, was an dieser Stelle heute gebaut wird, bestimmt unser Stadtbild mindestens für die nächsten 50 Jahre. Die Entwurfsskizzen veranschaulichen, worum es geht.“
    In Verbindung mit dem Integrierten Handlungskonzept müssen und sollten doch auch gerade die Damen und Herren Politiker, insbesondere die, die aus Bensberg kommen, ein großes Interesse daran haben, dass in Bensbergs Mitte wieder ein attraktiver Magnet entsteht, der von den Bürgern gerne angenommen wird, wo man nicht nur zum Lebensmitteleinkauf schnell hin fährt, sondern verweilen möchte, die vielen Inhaber geführten Einzelhandelsgeschäfte aufsuchen (eine Besonderheit von Bensberg – keine Filialbetriebe!) und die besondere Atmosphäre historischer und moderner Gebäude genießen möchte.
    Bensberg und insbesondere der Bereich Schloßstrasse, neue Marktgalerie und alter Marktplatz dürfen nicht zu einer PKW-Durchfahrt- und Abstellfläche werden, sonst werden sich die Bürger anderen Einkaufs- und Aufenthaltsbereichen zuwenden.
    Die Politiker sind gefordert, gemeinsam mit dem Betreiber der neuen Marktgalerie im Zusammenwirken mit der Umsetzung des Integriertes Handlungskonzepts die Weichen für ein lebendiges, liebenswertes und stadtgestalterisch attraktives Bensberg-Mitte zu stellen. Auch der Investor der neuen Marktgalerie wird sich konstruktiven Vorschlägen zur Attraktivitätssteigerung seines Objektes und des Umfeldes nicht verschließen.
    Dazu werden sicherlich auch gerne die Bensberger Einzelhändler und Immobilienbesitzer im Bereich der Schloßstraße ihren Anteil beitragen – davon werden nämlich auch ihre Immobilien und Geschäfte profitieren.
    In diesem Sinne, herzlichen Dank für Ihre konstruktiven Überlegungen. Lassen Sie uns auf die Einsicht weitsichtiger Politiker, Einzelhändler, Immobilienbesitzer und Bürger hoffen.
    Bensberg und seine Bürger können nur gewinnen!

    Sehr freundliche Grüße
    Harro Bunke