Christian Lindner und Anita Rick-Blunck

Christian Lindner tritt in diesem Jahr bei zwei Schlüsselwahlen für seine FDP an, in Rhein-Berg aber nur einmal. Wie das funktionieren soll, erläutert er 100 Tage vor der Landtagswahl „hier zuhause”. 

Ganz glücklich ist Christian Lindner mit der personellen Verengung der FDP im Moment nicht. Denn das heißt, dass der 38-Jährige nicht nur Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag, Landes- und Bundesvorsitzender der Liberalen ist, sondern auch Spitzenkandidat bei der NRW-Wahl im Mai und bei der Bundestagswahl im Oktober. Dahinter stehe jedoch eine klare Strategie – und die beginnt mit einem Teil-Verzicht.

 „Ich bewerbe mich hier im Wahlkreis nicht für ein Direktmandat im Landtag, sondern nur für den Bundestag – das  möchte ich hier zuhause ganz deutlich erklären”, sagte Lindner bei einem Pressegespräch im Bergisch Gladbacher Büro der FDP Rhein-Berg.

Das Ziel ist Berlin

Sein Ziel: mit einem starken Wahlergebnis in Rhein-Berg und in Nordrhein-Westfalen den Weg für den Wiedereinzug der FDP in den Bundestag bereiten. Nach der Bundestagswahl werde – so der Wähler es wolle – der Schwerpunkt seiner Arbeit in Berlin liegen.

Mit dieser Perspektive, so Lindner, könne er hier im Wahlkreis nicht antreten. Das haben Lothar Esser für den Nordkreis und Anita Rick-Blunck im Südkreis übernommen.

Die Spitzenkandidatur und den Fraktionsvorsitz in NRW brauche er, wenn auch nur noch für ein paar Monate, um mit einem starken politischen Mandat in den Bundestagswahlkampf ziehen zu können. Und natürlich, aber das sagt er nicht, weil er nun mal das Zugpferd der FDP ist.

Zuerst NRW, dann der Bund

Entsprechend optimistisch ist Lindners Ausblick: „Wir holen in Rhein-Berg und im Land ein zweistelliges Ergebnis und Ende des Jahres sitzen wir wieder im Bundestag.” Dann könne er sich aus der Landespolitik ein Stück weit zurückziehen und  auch endlich wieder mehr Zeit in seinem Heimatort Wermelskirchen verbringen. 

Eine Regierungsbeteiligung der FDP in NRW will Lindner nicht ausschließen, er ist jedoch skeptisch. Auf keinen Fall werde die FDP mit Rot-Grün koalieren. Dann bleibe nur die Jamaika-Option: Ein Bündnis mit CDU und Grünen – aber auch das sei nur akzeptabel, wenn die Liberalen stärker als die Ökopartei werde: „Wir gehen nur in eine Regierung, wenn die Handschrift klar ist. Ich bin 38 Jahre alt, da habe ich in der FDP noch einiges vor,” sagt Lindner. Und das gehe nur, wenn die Liberalen das Vertrauen der Wähler nachhaltig aufbauen. 

Problemlöser, nicht die Erziehungsberechtigten

Inhaltlich sieht Lindner ein großes Potenzial in der Mitte des politischen Spektrums. Zwar rückten die andere Parteien an die Ränder, viele Wähler würden sich aber nach wie vor im Zentrum verorten. Daher werde sich die FDP als „Partei aus der Mitte” gezielt den Alltagssorgen wie Einbruchskriminalität, maroden Schulgebäuden oder hohen Sozialabgaben widmen. Natürlich mache sich die FDP für Europa stark, langfristig genauso wichtig seien aber Investitionen in Bildungschancen.

Dabei habe die FDP auch die untere Mittelschicht im Auge; Familien mit einem Einkommen unter 50.000 Euro, die zunehmend unter Druck gerieten, aber eigentlich loyal zum System sowie zu Europa stünden und keine Schmuddelparteien wählen wollten. Ein Vorschlag sei es daher, den Solidaritätszuschlag für diese Einkommensgruppe sofort zu streichen; das sei mit Hilfe des Haushaltsüberschuss des Bundes auch machbar. 

Die Mitte sei auch beim Thema innere Sicherheit die Leitschnur der FDP. Solidarität mit Flüchtlingen und die Rückgewinnung der Kontrolle über die Grenzen seien miteinander vereinbar, aber nur auf europäischen Ebene zu schaffen. 

„Wir sind die Problemlöser, nicht die Erziehungsberechtigten”, sagt Lindner. Er grenzt die FDP ganz deutlich von populistischen Parteien ab. Wobei Populismus eine Verniedlichung – in Wahrheit gehe es um „autoritäre Parteien, die den Menschen vorschreiben wollten, was ein rechtes Leben ist und auch vor der persönlichen Vernichtung des politischen Gegners nicht zurückschrecken.” 

„German Mut” statt „German Angst”

Die FDP habe aus der Niederlage von 2013 gelernt, vertrete nach wie vor die gleichen liberalen Werte, aber angstfrei und positiv auf die Zukunft gerichtet, betont Lindner: „German Mut” statt „German Angst” lautet die Parole.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Da kann man mal sehen, was einem 38jährigen alles möglich ist. Strotzend vor Kraft, Vitalität und Allgemeinplätzen geht er in diesem jahr mannigfaltige Aufgaben an, um die Bürger in ganz Deutschland auf allen möglichen Ebenen zu helfen, den etablierten Parteien zu entkommen. Wenn er da scheitert, kann er dort vielleicht gewinnen. Egal wo ist besser als nirgendwo, aber er scheint der Hase im berühmten Wettlauf zu sein, in dem der Igel ihm immer wieder unter die Nase hält:”Ich bin schon da.” Ist weniger nicht manchmal mehr?

    Nun, Herr Lindner, Sie haben doch mindetesn für NRW eine ebenso pressenahe wie stimmgewaltige (was Lautstärke anbelangt) Dame an Ihrer Seite. Sie Beide sind jedenfalls die FDP-Politiker, die hier bisher bekannt wurden. Es scheint wirklich Mangel bei Ihnen zu herrschen, sowohl was neue Ziele und wählbare FDPler angeht. Der Schwung der ersten Jahre jedenfalls scheint vorbei zu sein.

  2. “Die Spitzenkandidatur und den Fraktionsvorsitz in NRW brauche er, wenn auch nur noch für ein paar Monate, um mit einem starken politischen Mandat in den Bundestagswahlkampf ziehen zu können.”

    Ich habe eher den Eindruck, dass er sich Sorgen macht, bei einer der beiden Wahlen nicht die 5% Hürde zu erreichen und ggfs. auf das falsche Pferd gesetzt zu haben.

    Wenn er nach Berlin will, soll er auch nur zur BTW antreten und einem Spitzenkandidaten in NRW den Platz räumen, der den Wähler auch in der gesamten Periode vertritt.
    Oder hat die FDP kein weiteres charismatisches Personal in NRW?

  3. Gerade kleinere Parteien müssen versuchen, dem Wähler den entscheidenden Unterschied ihres Programms im Vergleich zu dem der anderen Parteien klar zu machen. Wenn dies nicht gelingt, werden sie nicht erfolgreich sein.
    “Vergleichende Werbung”, in der deutschen Wirtschaft nur sehr eingeschränkt möglich, beim Werben um den Wähler muss es jedoch das Maß aller Dinge sein. Sonst droht der Untergang im allgemeinen Einheitsbrei.

  4. Herr Lindner schließt von vornherein mehrere Koalition aus. Ich hoffe er erinnert sich seiner Worte wenn es soweit ist. Noch eine Partei die sich in die Mitte drängt um ja nicht in eine Schublade gesteckt zu werden. In der FDP geführt von Lindner hat sich also nichts geändert. Sie bleibt weiter Blass und ohne Charisma.