Die Zeichen stehen in Bergisch Gladbach auf Wachstum – das schlägt sich jetzt auch in der Planung der Kindergartenplätze nieder: Nach einer Anpassung der Bevölkerungsprognose zeigt sich, dass nach dem Sommer auf dem Papier 168 Kita-Plätze fehlen. In der Praxis ist der Mangel schon länger spürbar. Daher will die Stadt jetzt die Kindergärten – noch über das bisher geplante Maß hinaus – kräftig ausbauen.

Der Jugendhilfeausschuss stimmte am Donnerstag einstimmig einem Vorschlag der Verwaltung zu, für eine weitere dreigruppige Kindertageseinrichtung, für die bereits in Bau befindliche Kindertagesstätte In der Taufe in Refrath sowie für eine Kindertagesstätte der Gemeinde Zum Frieden Gottes in Heidkamp beim Land Mittel zu beantragen.

Die eigentlich vorgesehen Schließung der eingruppigen Kindertagesstätte Klutstein wird aufgehoben, eine rasche Nutzung der Flüchtlingscontainer in Frankenforst wird geprüft. 

Damit nicht genug: die Verwaltung wurde vorsorglich beauftragt, die Verwirklichung von zwei bis drei neuen Kindertagesstätten im Bereich Hand, Bensberg (Bockenberg, Kaule, Lückerath) und Refrath (Frankenforst) voranzutreiben. 

Dafür gibt es zwei Gründe: Aufgrund der Anpassung der Bevölkerungsprognosen fehlen bereits zum Stichtag 1.8.2017 rein rechnerisch 168 Plätze. Diese Zahl decke sich aber mit den praktischen Erfahrungen der Verwaltung und der Träger, die von einer wachsenden Nachfrage berichten, erläuterte Johannes Zens für die Stadtverwaltung.

Das Jugendamt legt seinen Planungen jetzt die gleichen Bevölkerungsprognosen zugrunde, die auch für den neuen Flächennutzungsplan verwendet werden. Dabei nimmt die Stadt das sogenannte Entwicklungsszenario, das mit einem Anstieg der Einwohnerzahl auf gut 115.000 im Jahre 2035 rechnet. 

Hinzu komme, so Zens, dass bereits am 31.12.2016 130 Kinder unter sechs Jahren mehr versorgt werden mussten, als nach den alten Prognosen vorgesehen war – und einige von ihnen immer noch keinen Platz haben.

Damit sei die Versorgungsquote der 4- bis 6-Jährigen bereits von 99 auf 96,7 Prozent gesunken; bei den Krippenplätzen komme die Stadt noch auf eine (relativ gute) Quote von 40 Prozent, wenn die Tagespflege mitgerechnet wird. Aber auch hier bestehe Handlungsbedarf.

Der gesamte Bedarf lasse sich nicht mehr durch zusätzlich vereinbarte Plätze decken, sondern erfordere nun den Ausbau in neuen Kindertagesstätten in einigen Stadtteilen. Dabei ist der Mangel sehr unterschiedlich verteilt: während es in Paffrath eine Überversorgung gibt fehlen in Hand, Lückerath, Bensberg, Bockenberg und Frankenforst viele Plätze.

Schon jetzt können laut Stadtverwaltung in Bensberg und Frankenforst Kinder nicht versorgt werden. Da die Einrichtung neuer Kitas Zeit benötigt sollen Übergangslösungen geprüft werden, zum Beispiel die Nutzung der frei werdenden Containern in der Taubenstraße/Im Schlangenhöfchen an der KGS Frankenforst. 

Die Finanzierung für alle diese Maßnahmen steht noch nicht. „Entsprechende Haushaltsmittel sind bereitzustellen”, heißt es lapidar.

Die Stadt gibt im Kindergartenjahr 2017/2018 laut Planung insgesamt 34,3 Millionen Euro für die Kitas aus; davon kommen 17,3 Millionen als Landesmittel wieder rein, die Eltern zahlen 5,5 Millionen Euro Beiträge.  Damit bleiben der Stadt 11,5 Millionen Euro an an Nettokosten. 

Dokumentation: Die umfangreichen Unterlage zur Lage der Kitas können Sie hier herunterladen

Frühere Beiträge zum Thema:

Refrath bekommt einen neuen Kindergarten

Zu wenig Kita-Plätze, aber (noch) keine Klagen

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Den Kommentar von Herrn Havermann kann ich nur bestätigen. Planungsausschüsse,
    Nue Einkaufsstraße, Parkanlagen, werden für Millionen saniert. Für die Sanierung von Schulen fehlt jedoch das Geld! Die GGS in Hand musste einen Sponsor Lauf der Kinder organisieren um Geld für ein Podest in der Turnhalle zu finanzieren! Jedes Jahr müssen die Eltern Geld für Kopierpapier, Lernmaterial und anderes bezahlen.
    Losverfahren für Schulen finden statt! Absagen nach Absagen! Anstatt dessen soll man auf weitentfernte Schulen! Wann werden unsere Politiker wieder “Volksvertreter” und nicht mehr “Volkstreter”!! Den Spruch: Uns fehlt das Geld” kann ich nicht mehr hören! für Fehlinvestitionen ist doch auch genug Geld da.
    Wann bitte, wird die Stadt wach und kümmert sich um die Fortbildung unserer Kinder.
    Bald stehen Wahlen an und man muß diese Missstände ändern!

  2. Immer wieder muss die Bergisch Gladbacher Bevölkerung erleben, dass die Verwaltung immer dann versagt, wenn es um die lebenswerte Zukunft unserer Stadt geht. Ob beim Flächennutzungsplan, wo sich ein Erfüllungsgehilfe der Planer auf deren Veranstaltung vergangenen Mittwoch u.a. erdreistet zu behaupten, „der Schutz des Waldes gegen Lärm- und Schadstoffemissionen wäre eher psychologischer Art“. Ob bei der generösen Behandlung der Fa. Krüger, ob durch Ansinnen wie dem Bahndamm, der schon Hunderttausende kostete, um endlich zu einer Genehmigung zu kommen. Alles postfaktischer Irrsinn.

    Nun wird ruchbar, dass man nicht dem gesetzmäßigen Anspruch von Eltern auf Kitaplätze nachgekommen ist. Anstatt große Summen für irgendwelche Planbüros, Prognosen und Gutachten, die dann doch ad absurdum geführt werden, aus dem Fenster zu werfen, sollte man lieber unsere Jugend, unsere Zukunft besser stellen. Lieber aber werden Unsummen verschleudert wie jetzt mit dem Güterterminal, das ein Industriekapitän flach legt, obwohl die Genehmigung der Bez.-Reg. überhaupt nicht vorliegt.

    Arme Stadt. Wenn es nicht gelingt, die Populisten und postfaktischen Versager in die Schranken zu weisen, werden wir ein Bergisch Gladbach bekommen, wohin, eingekreist von Gewerbegebieten und neuen Wohnbebauungen, niemand mehr will. Aber wir haben ja noch unsere Bürgerinitiativen.