Franz Heinrich Krey, Ehrenbürger der Stadt Bergisch Gladbach

Franz Heinrich Krey

Die Chronik der Nachkriegsjahre der Großen Gladbacher Karnevalsgesellschaft zieren zwei Fotos: Franz Heinrich Krey, der noch jung und unerfahren im Jahr 1957 vom Ex-Bauern zum Präsidenten gewählt wurde – und der zunächst einmal die zerstrittene Karnevalsgesellschaft einen musste.

Es gelang ihm mit Bravour – und von da an war Franz Heinrich Krey aus dem Karnvalsgeschehen Bergisch Gladbachs nicht mehr wegzudenken.

Auch seine Frau Inge hatte er im Karneval kennen gelernt, sie war 1957 an Kreis Seite Jungfrau im Dreigestirn der Stadt. Das zweite Foto in der Chronik zeigt ihn 33 Jahre später, als er das Präsidentenamt bei der Gr0ßen Gladbacher KG niederlegte, aber natürlich ein echter Jeck blieb.

Inge Ludwig als Jungfrau mit Krey 1955. Foto: A. Günther, Stadtarchiv

Vielleicht noch etwas wichtiger als im Karneval war  Kreys politische Rolle. Er hat die Stadt und die Region geprägt wie kaum ein anderer. Die Bergische Landeszeitung nannte ihn einmal gar den „Gladbacher Übervater”.

Und es stimmt, die Zahl seiner Ämter und Funktionen war kaum überschaubar: Er war Abgeordneter in Stadtrat, Kreistag und Bundestag. Bis ins hohe Alter war er ein Hüter des heimischen Brauchtums und Aktivist des Vereinswesens.

Inzwischen muss man über dieses reiche Leben in der Vergangenheitsform schreiben: Franz Heinrich Krey ist am Mittwoch im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Sand nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.

Bürgermeister Lutz Urbach erklärt dazu:

„Mit Franz Heinrich Krey verliert Bergisch Gladbach nicht nur einen großen Politiker und engagierten Bürger, sondern auch ein Vorbild, einen sehr sozialen Mitmenschen, Familienvater und Brauchtumspfleger. Ich persönlich habe einen väterlichen Freund und guten Ratgeber verloren“, erklärt Bürgermeister Lutz Urbach zum Verlust. „Die Stadt Bergisch Gladbach trauert mit der Familie, insbesondere mit seiner Frau Inge Krey, und wünscht viel Kraft für die kommende Zeit des Abschieds und der Trauer.“

Zur Erinnerung an Franz Heinrich Krey liegt ab heute im Foyer des Rathauses Stadtmitte ein Kondolenzbuch aus. Das Rathaus ist Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie freitags von 8 bis 14 Uhr öffentlich zugänglich.

Zirkus Renz überreicht mit Elefanten und Dompteurinnen 1988 Eintrittskarten für bedürftige Kinder an Bürgermeister Franz Heinrich Krey. Foto: Alber Günther/Stadtarchiv BGL

Zirkus Renz überreicht mit Elefanten und Dompteurinnen 1988 Eintrittskarten für bedürftige Kinder an Bürgermeister Franz Heinrich Krey. Foto: A. Günther / Stadtarchiv BGL

Ein reiches Leben: Vom Journalisten zum Politiker

Krey, 1930 in Bergisch Gladbach geboren, hatte schon als Gymnasiast als freier Mitarbeiter für die Kölnische Rundschau gearbeitet, dort ein Volontariat angeschlossen und dann als Redakteur das Ressort „Köln Land“ bearbeit. Später war er Leiter eines Kölner Verlags. 

Plakat zur Bundestagswahl 1976. Foto: Konrad-Adenauer-Stiftung

Schon früh wuchs die Neigung zur Politik, später wechselte die Seiten. Er übernahm Führungspositionen in der Jungen Union und CDU. 1952 trat er in die CDU ein. Bis Mitte der siebziger Jahre war er Landesgeschäftsführer der CDU in NRW. Von 1975 bis 1991 war er der Vorsitzende des Kreisverbandes. Dem Rat der Stadt gehörte er von 1965 bis 1974 an, dem Kreistag von 1975 bis 1984.

Fünf Legislaturperioden, von 1976 bis 1994, saß er als direkt gewählter Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Keinen einzigen Sitzungstag hat er ausgelassen, Hunderte von Besuchergruppen aus dem Wahlkreis führte er durch Bonns Politikbetrieb.

Und als er dann ausschied überließ er das gut bestellte Feld seinem politischen Ziehsohn Wolfgang Bosbach, der das Mandat bis heute inne hat. Auf die Frage „Wer ist Ihr größtes Vorbild in der Politik?” antwortete Bosbach im Fragebogen des Bürgerportals: 

„Franz Heinrich Krey. Von niemandem habe ich politisch mehr gelernt.”

In seiner Heimatstadt war Krey von 1965 bis 1974 Ratsmitglied, saß danach bis 1984 im Kreistag und anschließend bis 1989 ehrenamtlicher Bürgermeister.

Franz Heinrich Krey und Bundespräsident Richard von Weizäcker, dessen Frau Marianne und Wirtschaftsminister Reimut Jochimsen 1985. Anlass war das Bundesfest der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften in Bergisch Gladbach. Foto: Alber Günthear/Stadtarchiv BGL

Krey mit Bundespräsident Richard von Weizäcker, dessen Frau Marianne und Wirtschaftsminister Jochimsen 1985. Anlass war das Bundesfest der Schützenbruderschaften. Foto: A. Günther, Stadtarchiv BGL

Auch mit weit über 80 Jahren führte Krey  einen höchst aktiven Unruhestand, saß oft vor dem PC und schrieb an seinen Memoiren, in denen sich „die Fülle des Lebens spiegelt”.

Er war noch lange Vorsitzender von „Haus und Grund“, arbeitete im Verschönerungsverein und bei den Rotariern mit.

Krey mit Mitstreitern des Verschönerungsvereins (Hans Dieter Grimberg, Karl Hubert Hagen, Friedhelm Pytlik) und Bürgermeister Lutz Urbach 2014. Foto: Stadt GL

Krey mit Mitstreitern des Verschönerungsvereins (Hans Dieter Grimberg, Karl Hubert Hagen, Friedhelm Pytlik) und Bürgermeister Lutz Urbach 2014. Foto: Stadt GL

Vor allem aber war uns ist Krey ein großer Liebhaber seiner Heimat. Die BLZ zitiert den Jubilar:

Ich habe nie die Augen vor ihren Mängeln verschlossen und leide darunter. Aber Gladbach ist mein Leben – und auch ganz objektiv eines der lebenswertesten Fleckchen auf der ganzen Welt ist.

Maria-Theresia Opladen verleiht am 26. August 1999 die Ehrenbürgerschaft an Franz Heinrich Krey Foto: Peter Mattes/Stadtarchiv Bergisch Gladbach

Maria-Theresia Opladen verleiht 1999 die Ehrenbürgerschaft an Franz Heinrich Krey. Foto: P. Mattes, Stadtarchiv BGL

Quellen: Chronik der Großen Gladbacher, BLZ, KSTA, Wikipedia

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. Der MGV „Liederkranz“ Refrath 1864 e.V. trauert um sein Ehrenmitglied und Schirmherrn Franz Heinrich Klein. Er war 33 Jahre gerngesehener Gast bei allen musikalischen Veranstaltungen.
    Wir werden Ihn immer in Erinnerung behalten.

  2. Franz Heinrich war wirklich ein „Großer Gladbacher“.
    Er liebte seine Heimat und seine Aufgaben über Alles. . Mit Weitsicht hat er vielen Menschen geholfen!!!!
    Ich verneige mich auch wenn wir schon oft anderer Meinung waren.
    Mach et good
    Norbert Kox