Gnadenkirche: Mitarbeiterinnen der Gemeinde am Quirlsberg mit Pfarrer Thomas Werner, Landrat Hermann-Josef Tebroke und Kreis-Kulturreferentin Susanne Bonenkamp 

Einmal im Jahr besucht Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke verschiedene Kulturinstitutionen im Kreis unter einem bestimmten Motto. Das Luther-Jahr legte den Besuch dreier ganz verschiedener evangelischer Kirchengemeinden nahe: in dem kleinem Dorf Dabringhausen (Wermelskirchen), dem Stadtteil Rösrath-Kleineichen, bei dem die Nähe zur Stadt Köln spürbar ist und der Gnadenkirche in Bergisch Gladbach, die sich als Stadtkirche an die Bedürfnisse der Großstadt anpasst.

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Im Mittelpunkt stand jeweils, welche kulturellen Angebote diese bieten, inwiefern sie dadurch das Leben im Ort mitgestalten und was fehlen würde, wenn es die Kirche in dieser Form nicht mehr gäbe.

Denn eine Gemeinsamkeit zieht sich wie ein roter Faden durch alle drei Gemeinden: Ihre Angebote und kulturellen Aktivitäten sind offen für alle Interessierten, unabhängig von deren Konfession.

Gnadenkirche mit vielen Angeboten für viele Zielgruppen

„Wir sind ein Ort der Begegnung und der angstfreien Kommunikation für alle Menschen in der Stadt – unabhängig von Alter, Konfession oder Herkunft“, das schickt Pfarrer Thomas Werner dem Gespräch voraus.

Um tatsächlich viele unterschiedliche Gruppen anzusprechen, gibt es hier zahlreiche Angebote von jung bis alt: von der Krabbelgruppe bis zur Kinderdisco, einen Spieleverleih, die Multimediawerkstatt und ein Jugendcafé, Selbsthilfegruppen oder den Seniorenkreis.

Daneben finden verschiedene Beratungen und Dienstleistungsangebote statt, Interkulturalität wird gelebt und im „Engel am Dom“ kommen alle zum Austausch, Plausch, zu Veranstaltungen und gemeinsamem Essen zusammen.

„Wir wollen die Leute nicht mit der Bibel einfangen, sondern die Menschen so lassen und sie dort abholen, wo sie stehen“, erklärt der Pfarrer das Konzept. Nicht immer sind die Projekte dabei unumstritten, gibt er zu. „Wichtig ist, dass wir die Menschen mitnehmen, das Gespräch und den Dialog suchen“, betont er. Da kommt es auch schon mal vor, dass er spontan ins Quirls gerufen wird, um dort über aktuelle Themen mitzudiskutieren.

Denn das Quirls ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und beliebt. Hier finden im Sommer sonntags bei freiem Eintritt Open Air-Konzerte statt. Im benachbarten Jugend Kulturzentrum Q1 gibt es Poetry-Slam, im „Engel am Dom“ Kabarett und vieles mehr.

„Die Menschen wissen, dass der Veranstalter dahinter die evangelische Kirche ist“, sind sich Pfarrer Thomas Werner und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sicher. Hier wird ein erweiterter Kulturbegriff gelebt, der Spaß mit Anspruch verbindet.

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Immer wieder ist die Gnadenkirche, die direkt in der Innenstadt steht, auch ein Ort für ungewöhnliche und experimentelle Ausstellungen und Konzerte. „Wir werden wahrgenommen und suchen den offenen Diskurs. Dabei schauen wir nicht nach dem, was uns trennt, sondern was uns verbindet“, betont Thomas Werner. Diese Angebote sind aus dem Stadtleben nicht mehr wegzudenken, darin ist man sich einig.

Dabringhausen 1: Ehrenamtliche Kirchenmusikerin Kathrin Wengler, Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke, Pfarrerin Elke Mielke, Kulturreferentin Susanne Bonenkamp

Musik, Theater und Flüchtlingsarbeit: Gemeindearbeit in Dabringhausen

Das Ensemble aus Kirche, Kindergarten, Familienzentrum, Gemeindehaus und dem Restaurant Markt57 ist mitten im Dorf gelegen und prägt das Ortsbild von Dabringhausen. Doch nicht nur rein äußerlich ist die Kirche für das Dorf ein wichtiger Bezugspunkt.

Die Gemeinde fasst rund 2.500 Mitglieder und bietet insbesondere für Kinder und Jugendliche vielfältige Angebote. „Es gibt eine Art musikalische Früherziehung in der Kita, den Kinderkreis, den offenen Jugendraum und natürlich die Vorbereitung der Konfirmanden“, berichtet Pfarrerin Elke Mielke.

Gerade in letztere wird viel Zeit und Engagement investiert. „Wir versuchen, den Jugendlichen zu vermitteln, dass sich alte kirchliche Fragen auch ins Heute übertragen lassen und die Inhalte des Glaubens Teil des eigenen Lebens sind“, erklärt Kathrin Wengler, die sich als ehrenamtliche Kirchenmusikerin in viele Projekte der Gemeinde einbringt. Da dürfen es gerne auch mal unkonventionelle Methoden, wie die Erarbeitung eines Musikraps und ein von den Konfirmanden selbst einstudiertes Theaterstück sein.

Bei traditionell geistlicher Musik bleibt man hingegen, wenn es um den Chor geht, der einige Male im Jahr auftritt, Gottesdienste begleitet oder auch mal Workshops zur eigenen Weiterentwicklung besucht oder ausrichtet. Hier kommt nicht nur die Orgel zum Einsatz, sondern die Stücke – oftmals Gospels – werden häufig von einem modernen E-Piano oder Gitarren begleitet. Ganz selbstverständlich ist es für die Pfarrerin, dass die rund 50 aktiven Chormitglieder nicht der Gemeinde angehören müssen. „Die Konfession steht dabei nicht an erster Stelle“, betont sie.

Das gilt auch für die Ferienfreizeiten, bei denen alle Jugendlichen mitfahren können. „Am Morgen der Abfahrt hat man das Gefühl, das ganze Dorf ist auf den Beinen und kommt hier zusammen“, freut sich Kathrin Wengler über die gemeinschaftsstiftende Wirkung dieses Angebotes.

Dieser Zusammenhalt zeigte sich auch im Rahmen der Flüchtlingsarbeit in den letzten beiden Jahren. „Das Engagement war sehr groß und die Begegnung mit den Flüchtlingen eine Horizonterweiterung für die Gemeinde“, betonen die beiden Frauen. Aber gerade in solchen Situationen zeigt sich die Bedeutung einer funktionierenden Gemeindearbeit. „Gemeinde muss es leisten, willkommen zu heißen.“ Dies Credo gilt in Dabringhausen übergeordnet.

Kleineichen 2: Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke, Kulturreferenten Susanne Bonenkamp, Küsterin Sabine Mürkens, Pfarrer Armin Kopper, Claudia Casser, Mitglied im Presbyterium

Kolumbarium Kleineichen: Den Verstorbenen nahe sein

Betritt man die frühere Kreuzkirche Kleineichen, erreicht man einen atmosphärischen Raum, der Ruhe ausstrahlt. 2013 wurde die zuvor entwidmete Kirche als sogenanntes Kolumbarium wieder eröffnet und dient nun als Urnengrabstätte.

In weißen Stelen, die im Raum verteilt sind und an einen Wald erinnern sollen, finden insgesamt 762 Urnen Platz. Rund 35 Prozent davon sind bereits belegt oder auch reserviert. „Auch wenn die Idee der Kirchenumnutzung zunächst auf große Vorbehalte gestoßen ist, findet das Kolumbarium jetzt großen Anklang“, berichtet Claudia Casser, die als Mitglied des Presbyteriums die Umgestaltung der Kirche eng begleitet hat.

Die Angehörigen finden hier einen Platz zum Trauern und um der Verstorbenen zu gedenken. Daneben gibt es im Kolumbarium aber auch Andachten, Gottesdienste der besonderen Art sowie Lesungen oder Konzerte.

Auch der Hospizverein nutzt die Kreuzkirche für Veranstaltungen. „Wir stellen fest, dass sich die Einstellung der Menschen zu Kirche geändert hat. Sie wird heute je nach Bedarf in bestimmten Lebenssituationen in Anspruch genommen und hat eine Art Eventcharakter“, so Pfarrer Armin Kopper.

Die Gemeinde legt Wert darauf, dass Kirche neben Glauben, Spiritualität und sozialem Engagement auch als Kulturträger erlebt wird. „Wir bieten regelmäßig Tagestouren für Senioren, aber auch Pilgerreisen für alle Interessierten an. Dabei erfahren die Menschen Gemeinschaft und werden wieder an Kirche herangeführt“, erzählt Armin Kopper.

„Für viele ist Kirche mehr als der Ort des wöchentlichen Gottesdienstes“, ergänzt Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke, „daher ist es wichtig, dass Räume neu gedacht werden. Das ist hier in der Kreuzkirche gut gelungen.“

Rheinisch-Bergischer Kreis

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