Das historische Weichenstellerhäuschen am Bahnübergang Tannenberg Straße

Seit mehr als 20 Jahren plagt sich die Stadt mit der Auflage der Bahn, den ebenerdigen Übergang Tannenstraße durch eine Unterführung zu ersetzen. Das wäre extrem aufwendig, brächte aber auch Vorteile für den Straßenverkehr. Jetzt könnte sich das Projekt in Luft auflösen. Auch für das zweite S-Bahngleis ist der Umbau nicht notwendig.

Viele Jahre hatte die Deutsche Bahn an der Auflage festgehalten, dass alle ebenerdigen Bahnübergänge aus Sicherheitsgründen verschwinden müssen. Doch nun habe sich bei der Bahn ein Paradigmenwechsel ereignet, der auch in Bergisch Gladbach Auswirkungen habe, bestätigte Peter Gwiasda vom Kölner Planerbüro Via: Der aufwendige Umbau des Bahnübergangs Tannenbergstraße sei nicht mehr zwingend nötig.

Ähnlich hatte sich im September bereits SPD-Stadtrat Michael Zalfen in der Facebook-Gruppe „Politik in GL” geäußert. Gwiasda berichtete jetzt bei einem Spaziergang unter Leitung von Baurat Harald Flügge mit, der dem Thema Bahndamm gewidmet war.

Der Bahnübergang Tannenbergstraße quert die Linie des S11, aber auch das Gleis, das hier in über den alten Bahndamm in Richtung Zinkhütte und Bensberg abzweigt und seit Jahren still liegt. 

Lange galt es als eine unverrückbare Tatsache, dass dieser Übergang durch eine Unterführung abgelöst werden müsse. Die Frage war nur, ob es unter dem Bahndamm eine große oder eine ganz große Kreisverkehrslösung für bis zu zehn Millionen Euro geben würde. 

Noch vor zwei Jahren hatte Flügges Vorgänger Stephan Schmickler zahlreiche Gründe angeführt, warum dieses Bauwerk Realität werden müsse, über die von der Bahn angeführten Sicherheitsgründe hinaus. Unter anderem könne nur so das Gewerbegebiet Britanniahütte besser angebunden und der Gronauer Kreisel vom Lastwagenverkehr entlastet werden. Auch für das zweite Gleis und die Taktverdichtung der S11 auf zehn Minuten sei das Bauwerk notwendig. 

Dieser These widersprach Gwiasda auf Nachfrage des Bürgerportals jetzt: Sein Büro habe den Verkehr gezählt und nachgerechnet. Demnach sei die Taktverdichtung auch mit einem ebenerdigen Bahnübergang möglich. 

Der Übergang mit Blick in Richtung Britanniahütte. Vorne verläuft das nicht mehr genutzte Gleis zur Zinkhütte, dahinter die S-Bahn-Gleise

Allerdings bleibt der Bahnübergang spätestens nach einer Taktverdichtung deutlich mehr Zeit für den Autoverkehr geschlossen. Daher könne die Straße mit einem ebenerdigen Übergang nur lokale Bedeutung haben; die erhoffte Verbesserung der innerstädtischen Verkehrsführung würde damit an dieser Stelle nicht realisiert werden könne.

Die Stadt hatte die Verkehrsuntersuchung in Auftrag gegeben und prüft nun „die Vor- bzw. Nachteile in enger Abstimmung mit der Politik ab”, erklärte die Verwaltung auf Anfrage.  Über die Ergebnisse solle der Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss nach der Sommerpause informiert werden.

Unter Umständen macht in dem Zusammenhang ein ganz neues Verkehrskonzept für die westliche Innenstadt Sinn, wo sich die Lage der Dinge in den vergangenen Jahren verändert hat und weiter verändert hat: durch den Bau der RheinBerg Galerie und der Beruhigung der Stationsstraße, der Neubebauung des Gronauer Kreisels, den geplanten Bau des Stadthauses am S-Bahnhof, die Bebauung des Cox-Geländes und die Neuordnung des Zanders-Geländes. 

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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