Foto: Stephan Röhl, Heinrich-Böll-Stiftung

Arye Sharuz Shalicar ist Sohn iranischer Juden, die aus ihrer Heimat in den 1970er Jahren nach Deutschland gekommen waren. Sein Vater wollte im Westen studieren und die Mutter zog ihm nach. Arye wuchs in Berlin zunächst säkular und ohne jegliche jüdische Identität auf. Er sah sich selbst als Berliner Jungen an, dessen Eltern aus dem Iran stammen. Und wurde in Berliner Gangs groß.

Heute ist Shalicar ein hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter in Israel. Und er steht für Gespräche mit Reisegruppen des Partnerschaftsvereins Bergisch Gladbach / Ganey Tikva in Jerusalem bereit. Wie er dorthin gekommen ist? Das ist eine längere, spannende Geschichte.

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Als er als Jugendlicher mit seiner Familie vom Berliner Bezirk Spandau in den Bezirk Wedding mit seinem hohen Anteil muslimischer Bewohner umzog, wurde er vom allseits akzeptierten Jugendlichen zum Außenseiter sowie als Jude zur Zielscheibe des Hasses.

Um diesem entgegenzuwirken, war er mit der vorwiegend kurdisch-libanesischen Gang Kolonie Boys verbündet, über die er in die Graffitiszene gelangte. Des Weiteren war er Mitglied bei der Türken Gang Black Panthers (TBP) und den ethnisch gemischten Berlin Street Gangsters (BSG), sowie Mitbegründer der größten deutschen Graffiti Gang Berlin Crime (BC).

Nach seinem Abitur 1997 verließ Shalicar die Graffitiszene und leistete seinen Grundwehrdienst als Sanitäter ab. Im Anschluss daran begann er ein Studium der Politikwissenschaft, der Jüdischen Studien und des Islam an der Freien Universität Berlin.

2001 wanderte er nach Israel aus, um „ein Leben der Zugehörigkeit zu führen, ein Leben ohne schiefe Blicke, ein Leben als Jude“. In Israel setzte er sein politikwissenschaftliches Studium an der Hebräischen Universität Jerusalem fort, das er 2006 mit einem Bachelor abschloss. Anschließend erwarb er 2009 einen Master in European Studies.

Bereits seit 2006 war er für die Jewish Agency tätig und arbeitete auch für das Nahoststudio der ARD in Tel Aviv. Shalicar begann seinen Wehrdienst bei den Israelischen Streitkräften im Jahr 2001 bei einer Unterstützungseinheit der Fallschirmjäger. Er ist deutsch-israelischer Politologe, Buchautor und Offizier. Er diente von 2009 bis 2017 als Presseoffizier bei den Israelischen Verteidigungsstreitkräften und bekleidete zuletzt den Rang eines Majors.

Einer seiner Mitarbeiter dort war Jonathan Arbov, der in Bergisch Gladbachs Partnerstadt Ganey Tikva lebt und der Enkel von Rodica Jung ist: Die in Köln lebende betagte Dame wiederum war 2016 zu Gast des Ganey Tikva-Vereins und berichtete im Heilsbrunnen über ihr bewegtes Leben.

Petra Hemming mit Jonathan Arbov und seiner Mutter Monica Arbov in Ganey Tikva

Heute ist Maj.-Res. Shalicar Abteilungsleiter für Internationales im Geheimdienstministerium und persönlicher Berater des Ministers Israel Katz. Und er steht für Gespräche mit Reisegruppen aus Bergisch Gladbach bereit. 

Begleiten Sie uns nach Israel und Ganey Tikva vom 16. bis 23. Oktober und treffen Sie Arye in Jerusalem. Die Einladung zum Austausch bei einem Abendessen mit uns hat er gerne angenommen. Sicher wird er uns einige interessante Aspekte zur aktuellen Situation in der Region erläutern können.

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