Im Jahr 1981 war ich im Alter von zwölf bei meinem ersten Live-Konzert. Ein Schulfreund ging mit seinem Vater zu meinem Idol Shakin‘ Stevens, und sie nahmen mich mit in die Düsseldorfer Philipshalle. 

Meine Aufregung war riesengroß, schließlich hatte ich mein Kinderzimmer mit Postern und einem lebensgroßen Starschnitt aus der Bravo von ihm verziert. Nun sollte ich ihn nicht nur live sehen, sondern  auch singen hören.

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Umso größer die Enttäuschung, als seine ersten Töne erklangen. Der Gesang ein schwacher Abklatsch seiner anscheinend im Tonstudio aufgepeppten Stimme. Zutiefst enttäuscht verließ ich das Konzert, und dieses einschneidende Erlebnis sollte dafür sorgen, dass ich erst viel später den Spaß an Live-Konzerten entdeckte und deutlich unterscheiden konnte, welche Künstler wirklich singen konnten.

Cat Ballou im Livetest

Nun war es wieder soweit, dass ich mich auf den Weg zu einem Live-Konzert befand. Der Schildgener Schützenverein hatte zum Schützenfest ein großes Zelt aufbauen lassen, und dieses Jahr waren am Freitagabend Cat Ballou zu Gast.

Zu Fuß ging ich in Richtung des Festzeltes und freute mich auf einen geselligen Abend. Neben Veranstaltungen in Paffrath oder im Dünnwalder Waldbad ist das Schützenfest für mich die einzige Möglichkeit, ohne Auto oder ÖPNV Konzerte zu besuchen, und diese Nähe genieße ich sehr.

Man(n) kennt sich

Nach der Kontrolle durch einen Sicherheitsdienst – es sind schon sonderbare Zeiten – haben wir uns mit Getränken bewaffnet und gingen zum hinteren Eingang des Großzeltes. Neben weiteren Getränken begrüßten wir regelmäßig sich vorbeischiebene Bekannte, die auf das ein oder andere Wort bei uns stehen blieben. Genau das macht für mich das Besondere an so einem Heimatfest aus: Man(n) kennt sich.

Ohne von dem Stimmen der Instrumente oder der Überprüfung der Soundanlage etwas mitbekommen zu haben, ging auf einmal das Konzert los. Kräftig drückte die Musik an meine Ohren und ich war positiv überrascht, wie gut der Klang der Band und wie klar und verständlich die Stimme des Leadsängers Oliver Niesen war, obwohl ich in der hintersten Reihe des vollbesetzten Zeltes stand.

Doch worauf ich seit meinem zwölften Lebensjahr am meisten achte, war die gesangliche Qualität und den Wiedererkennungseffekt mit den zu kaufenden Produktionen. Meine Vorsicht war an diesem Abend jedoch fehl am Platz. Mein Respekt für eine tolle Live-Darbietung, die stimmlich nichts zu wünschen übrig ließ.

Gut gelaunter Auftritt in der Heimat 

Dies galt auch für Dominik Schönenborn, der sichtlich Spaß an seiner Gesangseinlage hatte. Vielleicht ist es für die Gladbacher Band ja immer noch am Schönsten, wenn es einen Auftritt in der Heimat gibt. Auf jeden Fall sprang der Funke ins Publikum über, und ich tanze – mittlerweile im vorderen Drittel des Festzeltes angekommen – ausgelassen zu den Liedern der vier Jungs.

Als Überraschungsgast war zwar nicht Lukas Podolski aus dem Nachbarstädtchen angereist, dafür wurde der Rapper Mo-Torres stürmisch mit Beifall begrüßt. Zusammen mit Cat Ballou intonierte er den Hit „Liebe deine Stadt“, der sich zwar auf Köln bezog, in Bergisch Gladbach jedoch auch großen Anklang fand.

Diese Aufnahme stammt nicht aus Schildgen, gibt aber dennoch einen guten Eindruck:

In den vorderen Reihen wurden dazu prompt mehrere kleine, rot-weiße Fahnen mit Kölner Stadtwappen geschwenkt. Die Stimmung fand ihren Höhepunkt, als kurz vor dem Ende der Gassenhauer „Et jitt kei Wood“ gespielt und von nahezu jeder anwesenden Kehle lautstark mitgesungen wurde.

Nachdem die Band die eingeforderten Zugaben dargeboten hatte, leerte sich langsam das ausverkaufte Zelt und ich denke, dass jeder zufrieden nach Hause gehen konnte. Mir hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen, und ich freue mich schon jetzt auf das kommende Jahr, wenn Brings in Schildgen spielen wird.

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