Warum sollte ein Schüler ein Dreiwochen-Praktikum machen, wenn er drei Praktika in drei Wochen machen und dabei drei Berufe kennen lernen könnte? Warum sollte ein Betrieb ein dreiwöchiges Praktikum anbieten, wenn er in diesen drei Wochen auch drei potenzielle Azubis kennen lernen könnte?

Diese Fragen hat sich das Unternehmernetzwerk Best of Bergisch e.V. (BoB) gestellt – und einen Gegenentwurf gemacht: das BoBtikum. 

Dabei können Jugendliche (und auch ältere Interessenten) aus einer 60 Punkte langen Liste (von Architekt bis Versicherungsmakler) drei Berufe auswählen, die sie praktisch erfahren möchten. Die Praktikumsplätze stellen die 30 BoB-Mitgliedsunternehmen bereit, die Koordination hat zunächst Marga Drouven innerhalb des Unternehmernetzwerks übernommen.

Hintergrund: Best of Bergisch
Best of Bergisch ist ein lokales Unternehmernetzwerk, das auf wöchentliche Treffen morgens um 6:45 Uhr beim Frühstück setzt und einen intensiven Austausch pflegt. Jede Branche ist nur einmal vertreten, die 30 Mitglieder werden sorgfältig ausgesucht und empfehlen sich gegenseitig.

Dabei gilt ein strenges Regelwerk: Rückmeldungen aus der Kundschaft, durch Empfehlungen erzielte Umsätze, die Anwesenheit bei den Treffen werden statistisch erfasst, gemessen und bewertet.

Darüber hinaus engagiert sich Best of Bergisch für die Region. Neben dem BoBtikum läuft derzeit der Gestaltungswettbewerb für den Kreisverkehr Schnabelsmühle, der von BoB komplett organisiert wird.

„Wir sehen ja alle, dass sich viele Jugendliche mit der Berufswahl schwer tun und die üblichen Praktika zu wenige Einblicke bieten. Viele Praktika und auch Ausbildungen werden abgebrochen – das wollen wir ändern”, sagt Drouven.

Die Betriebe sehen bei dem BoBtikum die Chance, besser an gute und motivierte Auszubildende heran zu kommen. „Auch unsere Mitglieder können nicht alle Ausbildungsstellen besetzen, es gibt zu wenig gute Bewerber”, berichtet Drouven, die Fachärztin für Allgemeinmedizin ist. 

Sie organisieren das BoBtikum: Rüdiger Preiss, Marga Drouven, Ralph Schneppensiefen

„Viele Ausbildungsberufe sind gar nicht bekannt, daher wollen wir das BoBtikum auch nutzen, um die ganze Vielfalt der Beruf vorzustellen”, sagt Ralph Schneppensiefen, der Boden- und Parkettleger ausbildet. „Und wir haben die Möglichkeit, gleich drei Kandidaten kennen zu lernen.”

Neugierigen Praktikanten gegenüber sind die Betriebe allesamt sehr aufgeschlossen – und auch offen für ungewöhnliche Lebenswege. Schneppensiefen bildet gerade einen 32-Jährigen aus. Rüdiger Preiss hat über ein Jahrespraktikum einen hochmotivierten Hauptschüler für die Ausbildung zum Werbetechniker in seiner Sign Factory gewonnen, „der ohne Praktikum kaum eine Chance auf diesen Beruf gehabt hätte.”

Die 60 Berufe haben die Initiatoren in zwölf Schwerpunkten zusammengefasst. Wer „etwas mit Holz” machen will, kann sich beim Schreiner, Küchenfachberater und Parkettleger umschauen. Wen es in die Werbung zieht, der kann Stationen beim Drucker, Grafiker, Schildermacher, Webdesigner oder Mediengestalter machen. 

Damit die jeweils einwöchigen Praktika möglichst effektiv genutzt werden haben sich die teilnehmenden Betriebe auf einen festen Ablauf geeinigt. Am Ende jeder Woche gibt es eine Übergabe – und in jeder Woche bearbeiten die Praktikanten ein konkretes Projekt. 

Die Initiatoren haben sich im Vorfeld mit dem Arbeitsamt, dem Koordinator Übergang Schule/Beruf des Kreises, mit den Berufskollegs und den weiterführenden Schulen abgestimmt, alle begrüßen das Konzept. Ein großer Teil der Praktikanten wird wahrscheinlich im Rahmen der vorgeschriebenen Berufspraktika in den 9. Klassen kommen, aber das Programm steht auch allen anderen Interessenten das ganze Jahr über offen. 

Schüler, die das BoBtikum als Pflichtpraktikum oder freiwillig in den Ferien absolvieren wollen, finden auf der Website BoBtikum ein Bewerbungsformular. Auch jungen Erwachsenen und Schulabsolventen, die noch nach ihrem Traumjob suchen, können teilnehmen. Alle BOB-Mitglieder finden Sie hier

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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