Es gibt Nachrichten, die machen auch den abgebrühten Journalisten erst einmal sprachlos. Werner Schmitz-Dietsch, der unverbesserliche Optimist und stets bestens gelaunte Kommunikator, ist tot.

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Werner hat seinen langen und lange zuversichtlichen Kampf gegen den Krebs verloren. Er starb in der Nacht auf Donnerstag im Alter von 58 Jahren.

Werner kannte die Stadt Bergisch Gladbach und den Rheinisch Bergischen Kreis, vor allem aber die Menschen dieser Gegend, so gut wie kaum ein anderer. Geboren in Sand, kurvte er als Jugendlicher mit der Mofa von Ort zu Ort.

Später versorgte er die Region mit Nachrichten für die Freizeit. Das Dorf, die Stadt und der Kreis waren seine Heimat. 

Werner Schmitz (l.) bei der Zeugnisvergabe im NCG

Werner wurde am 5. Januar 1959 geboren, das Abitur machte er 1979 am NCG, dann studierte er Jura. Jurist war er aber nicht wirklich. Sondern Macher. Pionier.

Schon als Schüler arbeitete er für die Bergische Landeszeitung, mit Stift und Kamera – die ab sofort sein ständiger Begleiter war.  

Ein besonderes Faible entwickelte er für das Motiv des Bergischen Löwens. Den er immer wieder fotografierte und dem er als 50. Präsident des Lions Club Bergisch Gladbach / Bensberg 2015 mit einer Kunstaktion ein kleines Denkmal setzte.

Unzählige Fotos von Löwen, vom Karneval und der Kultur in jeder Spielart schoß er. Zunächst wurden sie gedruckt, später fanden sie immer stärker den Weg in die digitale Welt.

Mit 19 Jahren gründete er die „Freizeitbörse“ (1980), eines der ersten Stadtmagazine in Deutschland. Später folgten, zum Teil parallel, die Titel „Bergische Illustrierte“ (1993) und Franzz (2000).

Unermüdlich warb Werner für die Kultur in der Stadt. Er war kein Künstler, aber er bot ihr eine Bühne, organisierte Veranstaltungen, erfand neue Formate. Zum Beispiel das „Kultkino”, gemeinsam mit Doro Dietsch, die er 1986 geheiratet hatte.

Doro Dietsch war als Journalistin bei allen publizistischen Projekten dabei, bis sie 2005 vom WDR zum Landtag wechselte. In ihren Armen starb Werner, um 0:35 Uhr am Donnerstag in der Uniklinik. Zuvor hatte er noch einmal zwei Wochen zuhause im Lichtenweg verbringen dürfen.

In seiner Zeit als (Jung-)Verleger entwickelte Werner auch sein Faible für Computertechnik und eine Neigung für Apple-Produkte. Er war technikbegeistert, ein Digital Native, durch und durch.

Kein Wunder also, dass er früh erkannte, dass die Zeit der gedruckten Magazine langsam aber sicher ausläuft. Schon 1996 erfand er mit „GL-online“ den ersten Internet-Dienst für den Kreis RheinBerg.

Immerhin 14 Jahre, bevor er (gemeinsam mit mir) 2010 das „Bürgerportal Bergisch Gladbach” als digitale Tageszeitung im neuen Format gründete und aufbaute. Bis zuletzt war Werner Herausgeber des Bürgerportals.

Ohne Werner würde es das Bürgerportal nicht geben. Dafür bin ich ihm dankbar. Ich verabschiede mich von einem wunderbaren Menschen. 

Rückhalt fand Werner in seiner großartigen Familie: seine Frau Doro und die drei inzwischen erwachsenen Töchtern Laura, Lydia und Luisa. Ihnen wünsche ich viel Kraft.

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Die Fotos vom Karneval (Bensberg, 2016) und beim Einsatz im Rathaus (Bürgermeisterwahl, 2014) stammen von Helga Niekammer.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Lieber Hase,

    leider haben wir uns spätestens Mitte der 80er Jahre aus den Augen verloren – nicht aus negativen Gründen, sondern einfach, weil jeder seine eigenen Wege beschritt. Ich lasse deshalb jetzt mal Deine späteren – schon hinreichend gewürdigten – Zeiten beiseite und konzentriere mich auf die 70er und frühen 80er Jahre, also auf in jeder Hinsicht äußerst intensive Zeiten. Ich denke an Deine legendäre Bude, an die vielen Treffen dort mit nicht zu wenig Nikotin, Alkohol, Videos – und natürlich mit Mädchen, bei uns NCGlern sogar mit solchen vom DBG. Ich denke an die “Wirsing”-Probentreffen bei Euch im Keller an der Sander Straße und natürlich die Live-Auftritte mit Dir am Schlagzeug. Und ich denke gerade bei uns beiden an die, tja, bescheidenen, aber doch aufregenden Anfänge bei der BLZ – mit abendlichem Polizeifunk-Abhören und dem Ehrgeiz, möglichst noch vor den Polizisten am Unfallort oder eben dort zu sein, wo vermeintlich was los war.

    Es war wahrhaft eine geile Zeit. Ich hoffe, Du hast, wo auch immer, die Gelegenheit dazu, sie immer wieder aufleben zu lassen – so wie ich und viele der alten Freunde!

    Mach’s gut, Hase!

    Stiegl

  2. Peter Cornelius (1824-1874)

    Trau er

    Ich wandle einsam,
    Mein Weg ist lang;
    Zum Himmel schau ich
    Hinauf so bang.

    Kein Stern von oben
    Blickt niederwärts,
    Glanzlos der Himmel,
    Dunkel mein Herz.

    Mein Herz und der Himmel
    Hat gleiche Not,
    Sein Glanz ist erloschen,
    Mein Lieb ist tot.

    Aufrichtige Anteilnahme an die Familie

  3. Ich bin sehr traurig über diesen Verlust. Zu einem für die Stadt. Zum anderen für die Familie, der ich viel Kraft wünsche mit diesem Verlust zu leben. Ich wünsche jedem einen Schutzengel an die Seite, der sie beschützt. Mit tiefer Trauer.
    Ihre Angela Nölke

  4. Hiermit sende ich meine Aufrichtige Teilnahme über den Verlust eines wunderbaren Menschen der eine Große Lücke für die Stadt Bergisch Gladbach hinterlässt.
    Er Ruhe in Friede
    Wünsche der hinterlassenen Familie Kraft und Zuversicht
    Margarete Romani-Lenzhölzer
    18,12.2017 8:34